20 September 2018 | Meinung

Durchwachsener Nam-Frühling verlangt Scharfblick

Der namibische Lenz is mos wie ´n Wechselbad hereingebrochen. Mitten in die milchig-diesige Luft, in der sich Vanilleblüten des Wurmrindenbaums und Dornkätzchen auflösen und Konturen verschwimmen lassen, bläst plötzlich eine Kalte Front vom Kap hinein, so dass jeder Berg im Umriss wieder näherrückt. Und die Sterne funkeln erneut zum Greifen nahe, bis die nächste warme Front das Dorngestrüpp überzieht.

Das alles gilt natürlich nich für Tsoaxhaobmund, wo die Jahreszeiten allein an einem Tag Kopfstehen können. Bekanntlich herrscht von August bis Oktober dort tiefster Winter, derweil der Frühling im Inland, sich nich sommer so vom Sommer und Winter unterscheiden lässt, aber zuverlässig saisonale Müdigkeit und Heuschnupfen mit sich bringt.

Scharfer Beobachtungssinn wird nich nur wegen aufbrechender Knospen und Blüten verlangt, die voller Optimismus auf erwarteten - aber nie garantierten - Regen jetzt schon auf Vorschuss prunken. Scharfblick wird zunehmend auch bei Autofahrern verlangt, die über Land durch schön-herbe Landschaften reisen. Mit dem Nam-Frühling regen sich Wegelagerer und Wüste(n)Räuber, die es auf Nichts vermutende Touristen absehen, um Schnellbeute zu machen. An krimineller Intelligenz feht´s im Lande nich, wie wiederholte Warnungen der Polizei und der Banken bekunden, weil sich der Verbrecherpöbel immer wieder neue Maschen einfallen lässt. Die milden bis heißen Tages- und Nachttemperaturen locken allerhand Gesindel hervor, das geschulten Blick für möglichen Blitzraub mitbringt.

Die zweite Landkonferenz wirft ihre Schatten voraus. Die Beratungswoche kommt sofort mit der Oktoberitis überein, die sich ansonsten auf gereizte Schleimhäute und gerötete Augen beschränkt, aber bekanntlich auch lebensmüde Leut´ erfasst, die für ihren freiwilligen Abgang just diesen Monat wählen. Im Vorfeld der Konferenz sind sowohl nüchterne als auch hirnrissige Stimmen zu hören. Die Ersteren scheinen aus vorigen Fehlern lernen zu wollen, die Letztere hätten gern ein Kesseltreiben und ham net nix aus früheren Fehlern oder vom Mugabe-Reinfall gelernt. Von Cyril Ramaphosa können unsere Land- und Bodenplaner auch net nix - um nich zu sagen f´kol - lernen, weil der eine Bodenpolitik des Rätselratens betreibt und sich bei den Hitzköppen mit den roten Käppies anbiedern will, was mit Rotkäppchen wiederum nix, mit dem bösen Wolf dagegen nochall stief zu tun hat.

Derweil sich Politiker, Landwirte, Mit- und Gegenläufer sowie sonstige Interessenträger in der Landfrage gegenseitig den Rang ablaufen wollen, hat die schleichende Landreform im Garten des Tintenpalasts innovative Gestalt angenommen. Anstatt Stiefmütterchen und Stink-Afrikaner pflanzen unsere geschätzten Mitbürger jetzt ganze Beete voll mit Mielies. Solange die Kolben in unserer Gesellschaft rascher Umverteilung nich geklaut werden, kannste die wenigstens verspeisen.

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