08 Februar 2019 | Meinung

Durchwachsen mit Rassenschildern und Affekt

´s fehlt wrachtach nich an Selbstvertrauen, wenn der Konzernchef von Trustco (Immobilienentwicklung, Versicherungen, Rechtschutzversicherung etc), Quinton van Rooyen, die Bühne des voll belegten namibischen Nationaltheaters in Windhoek betritt. Die Werbung für den Abend is nach unserer Wahrnehmung nur in seinem Haus- und Postwurfblatt Informanté erschienen. Aber das Thema hat die Leut´ bis in die letzte Ecke von Donkerhuk und Okuryangava sowie von Ludwigsdorf in Ovenduka aufgescheucht. Mindestens drei Blätter ham schon darüber berichtet, inklusive die Okuranta jojindoitjie, die (All)Gemeine Zeitung, nämlich: „Ging´s uns in der Apartheid besser? Oder wie?“

Die Einen können sagen, dass das Reizthema nur ein Vorwand gewesen sei, das Nationaltheater zu füllen. Der alleinige Redner Quinton van Rooyen (Markenzeichen: QvR), dem die Leut allerhand Zeug nachsagen, habe die von ihm gestellte Frage ja gar nich beantwortet. Die Anderen halten dagegen, dass er in seiner Power-Point-Präsentation ja von der Statistik der auslaufenden Apartheidsära ausgegangen sei, als die neue Regierung ca vier Jahre lang in erster Verantwortung ohne Staatsschuld wirtschaftete, um danach anhand von Fortschrittsziffern - sogar von der Weltbank entlehnt - ein paar Errungenschaften des souveränen Namibia zu bieten. Allerdings mit der Einschränkung, dass die Staatsschulden in den letzten Jahren horrend in die Höhe geschnellt sind und der Staat nunmehr aus Finanzmangel Projekte hängen lässt und stellenweise sogar zahlungsunfähig geworden is. Vor dieser Kulisse appellierte er an das Publikum wie gute Comräds zusammenzustehen, um den Trend zu stoppen.

Unterstützt vom Conferencier und Komiker aus eigenem Haus, Neville Basson, ließ van Rooyen anfangs und am Ende die Meute im Theatersaal aufstehen und im Schulterschluss die Nationalhymne singen, was alle Bravourösen brav befolgten. Überhaupt war bei der Gestaltung und am Rahmen des Abends kein Detail dem Zufall überlassen. Abgesehen vom Foyer mit provozierenden Apartheidsschildern und der Nationalflagge als Mittelweg in die Zukunft erwartete die durch das Thema politisierten Gäste ein Theatersaal, gespickt mit Schikanen multimedialer Konferenztechnik.

Eine schwenkbare Kamera mit langem Arm fokussierte abwechselnd auf Personengruppen und auf den Redner QvR, die auf die riesige Leinwand auf der Bühne projiziert wurden: „Check moi, da sind wir auch!“ In der ausgiebigen Fragezeit eilten so vier Damen jeweils mit einer Flagge die Ränge auf und ab, um dem bewilligten Fragesteller das Mikrofon und eine kleine Flasche Jägermeister zu reichen, als Lohn für den Mut, vor großem Publikum Antworten zu verlangen. Das Publikum konnte QvR mit vorher ausgeteilten Tischtennisbällen bewerfen, wenn seine Ausführung oder Antwort nicht zufriedenstellte.

Hat es Erleichterung, Katharsis, gegeben oder sind manche Leut mit alter Verbitterung wieder abgezogen? Wahrscheinlich beides. Eine ähnliche Veranstaltung soll folgen, sagt Omutengwa Neville Basson. ------



Neben den Apartheids-Ressentiments und dem rückblickenden Amüsement (bitte nich anglophil sondern gut Französisch aussprechen: Amüsemang!) ob der Tollheiten der Apartheidsära is vergangene Woche noch ´n ethnischer, und wenn Du willst, ´n Rassenwitz durch die Drähte geflimmert. Da heißt es:

Ovaherero und Nama ham die Ovandoitjie/die Deutschen bekämpft. Die Ovambo ham die Buren (the Boers!) bekämpft. Jetzt wird´s höchste Zeit, dass die Kavango und Dama die Chinesen bekämpfen! ---------------

Gleiche Nachricht

 

Verblendungspolitik vor Wahl

vor 5 tagen - 17 September 2020 | Meinung & Kommentare

„Alle (vier) Jahre wieder“ beginnt in Namibia dasselbe Spielchen: Regierungs- sowie Oppositionsparteien stauben ihre Wahlmanifeste ab und merken wie wenige ihrer Versprechen sie eingelöst haben....

Einfach die Mühe auf sich nehmen

1 woche her - 15 September 2020 | Meinung & Kommentare

Registrieren und Wählen - so lautet plötzlich der Aufruf unzähliger Namibier. Man will eine Änderung des politischen Klimas in Namibia - die meisten wären schon...

Glaubwürdigkeit längst verloren

1 woche her - 14 September 2020 | Meinung & Kommentare

Im Dezember 2018 begann der Sondereinsatz „Operation Hornkranz“, den die Polizei gemeinsam mit dem namibischen Militär ausführte. Dem folgten „Operation Kalahari Desert“ im Mai 2019...

Ethik nicht jedermanns Sache

vor 2 wochen - 03 September 2020 | Meinung & Kommentare

In einem Leserbrief werden heute einige Beschlüsse des namibischen Verteidigungsministers in seiner Kapazität als voriger Staatssekretär hinterfragt. Der Konteradmiral (a.D.) ist seit März 2020...

Vorbildfunktion geht verloren

vor 2 wochen - 02 September 2020 | Meinung & Kommentare

Anfang November 2016 streikten die namibischen Pädagogen geschlossen, nachdem sie sich vom Staat umgangen wähnten. Eltern und Schüler zeigten trotz der anstehenden Prüfungen Verständnis dafür....

Verschwendung von Ressourcen

vor 4 wochen - 25 August 2020 | Meinung & Kommentare

Tippt man im Internet die Worte Tender, Appeal und Namibia ein, wird einem erst klar, wie schlimm es um die staatliche Auftragsvergabe in Namibia steht....

Wenn Theorie zu Tatsachen wird

vor 4 wochen - 24 August 2020 | Meinung & Kommentare

Wenn Menschen nicht verstehen, warum etwas passiert, suchen sie nach einfachen Erklärungen und allgemeingültigen Wahrheiten. Wenn kein kausaler Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung besteht, wenn...

Wer hat und wer behält Recht?

vor 1 monat - 20 August 2020 | Meinung & Kommentare

Kommentar - Wer hat Recht Für die jüngere Generation ist es heute kaum nachvollziehbar, aber diejenigen, die Anfang der 1980er die Erscheinung des Humanen-Immundefizienz-Virus erlebten,...

Wenn Emotion die Realität verdrängt

vor 1 monat - 19 August 2020 | Meinung & Kommentare

Ein Lockdown ist kein Zuckerschlecken. Ausgangssperren machen keinen Spaß. Hygiene- und Abstandsregeln nerven ohne Ende. Warum können wir uns darüber einig und dennoch so gespalten...

Wenn Emotion die Realität verdrängt

vor 1 monat - 19 August 2020 | Meinung & Kommentare

Ein Lockdown ist kein Zuckerschlecken. Ausgangssperren machen keinen Spaß. Hygiene- und Abstandsregeln nerven ohne Ende. Warum können wir uns darüber einig und dennoch so gespalten...