16 Mai 2013 | Kommentar

Dürrehilfe oder Stimmen sichern?

Sie würden auf der Farm Baumgartsbrunn als wilde Siedler leben, weil sie von den weißen Farmern gefeuert wurden, sagte die Sprecherin der Gemeinschaft Windhoek ländliches Gebiet am Dienstag dieser Woche kurz bevor die Gouverneurin der Khomas-Region Maismehl an die Mitglieder der Gemeinschaft im Rahmen der Dürrehilfe verteilte. Von Ackerbau und vertrockneter Ernte ist jedoch nichts dort zu erkennen. Auch das berüchtigte Barackenlager Mix nördlich von Windhoek in Brakwater steht auf der Liste und dort sollen an die Bewohner jeweils zwei Sack Maismehl - insgesamt 25 Kilogramm - pro Familie ausgeteilt werden, zusammen 604 Säcke. Auch hier wurde kein Ackerbau betrieben. Die Regierung hat Dürrehilfe in Höhe von 200 Millionen Namibia-Dollar angekündigt. 400000 Namibier sollen von der Dürre betroffen sein. Es gibt gewiss einige tausend Subsistenz- und Kommunalfarmer, die ihre gesamte Ernte verloren haben und deren wenige Rinder, Schafe und/oder Ziegen kaum noch etwas zu fressen finden. Diesen Menschen muss geholfen werden, denn sie haben nichts zu essen. Sie werden auch noch die wenigen Tiere verlieren die sie täglich mit Milch versorgen - entweder durch die Dürre oder weil sie sie zum Schlachter bringen müssen. Die Tiere zu füttern bringt nichts und würde viel zu teuer werden. Dies hat auch die Regierung eingesehen. Deshalb muss das Vieh von der Weide und zum Schlachter bevor es auf dem kargen Boden verendet und keinen einzigen Cent in die Tasche des Besitzers bringt. Dürrehilfe in Form von Nahrungsmitteln ist bei diesen Menschen unbedingt angesagt. Aber jene die auf einst produktiven Farmen leben, teilweise in der Stadt arbeiten oder in städtischen informellen Wohnvierteln sich angesiedelt haben, müssen diese auch Dürrehilfe bekommen? Wird dort Maismehl verteilt weil die Stimmen gesichert werden sollen? Wird hier nicht eine gewisse Abhängigkeit von der Regierung geschaffen? Locken wir noch mehr Menschen in die städtischen informellen Wohngebiete und die Dürre hält noch länger an, dann kann es noch gewaltige Probleme mit der Wasserversorgung geben. Ob Wasser im gleichen Maße wie Maismehl ausgeteilt werden kann, wenn zum Beispiel Windhoeks Trinkwasserreserven leer sind, das bleibt zu bezweifeln. Da sollen die Menschen eher in den ländlichen Gebieten bleiben, die dortigen Wasservorräte geschont werden, indem weniger Vieh zur Tränke getrieben wird nachdem die Tiere zum Schlachter gebracht wurden und das Wasser den Menschen zur Verfügung steht. Es ist unverständlich, dass z.B. die Farm Ongombo-West, die zwangsverkauft wurde, jahrzehntelang mehrere Familien ernähren konnte, aber nun, nachdem die Regierung sie kaufte und Familien und ehemalige Angestellte dort ansiedelte, dort Dürrehilfe verteilt werden muss, weil die Farm die Familien nicht mehr ernähren kann. Oder vielleicht doch, aber …. Dirk Heinrich

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