05 September 2019 | Landwirtschaft

Dürre wird existenzbedrohlich

Bericht protokolliert alarmierende Viehverluste und Ernteausfälle

Die landesweite Dürre hat bedrohliche Ausmaße angenommen. Das geht aus dem jüngsten Ernte- und Nahrungsmittelbericht hervor, wonach zwischen Oktober 2018 und Juni dieses Jahres fast 90000 Stück Vieh aufgrund der Trockenheit und des damit verbundenen Wasser- und Weidemangels verendet sind.

Von Marc Springer

Windhoek

Wie der Bericht vorrechnet, sind in besagtem Zeitraum landesweit 39440 Rinder, 25259 Ziegen, 23589 Schafe, 590 Esel und 312 Pferde verhungert oder verdurstet. Die höchsten Verluste habe der Bezirk Keetmanshoop erlitten, wo 2253 Rinder, 13527 Ziegen und 14965 Schafe verendet seien. Im regionalen Vergleich habe Karas mit 31266 Stück Vieh die meisten Nutztiere verloren. In Rundu und Nkurenkuru seien hingegen keine Viehverluste gemeldet worden.

Dem Bericht zufolge würden Viehzüchter weiterhin erhebliche Verluste erleiden, weil für ihre Tiere kaum noch Wasser oder Weide vorhanden sei. Ferner könnten vor allem Kommunalfarmer ihre Nutztiere kaum verkaufen, weil es keinen offiziellen Absatzmarkt für sie gebe, die Preise auf dem übersättigten Fleischmarkt historisch niedrig und die Tiere derart abgemagert seien, dass sie im Falle ihres Verkaufs kaum Geld einbrächten.

Ferner verweist die Studie darauf, dass das Weidevorkommen im ganzen Land weiter stark abnehme und in vielen Gebieten nur spärlich oder gar kein Futter für Nutztiere verfügbar sei. Deshalb müssten viele Farmer zum Teil von weit entfernt Futter und Wasser für ihre Tiere anfahren, was sich mittelfristig kaum finanzieren lasse. Besonders angespannt sei die Lage im Süden des Landes, weil dort nicht nur die abgelaufene, sondern auch die vorangegangene Regensaison stark unterdurchschnittlich ausgefallen sei.

Die Situation sei jedoch im ganzen Lande kritisch, abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen im Nordosten, wo noch vereinzelt Gras und Wasser vorhanden sei. Ferner sei der Zustand von Nutztieren in der Sambesi-Region minimal besser als im Rest des Landes und Vieh auf kommerziellen Farmen in generell besserer Verfassung, weil es dort in der Regel zugefüttert werde und Zugang zu Wasser aus Bohrlöchern habe.

Im Kommunalgebiet stelle sich die Situation anders dar, weil dort die meisten Bohrlöcher ausgetrocknet seien. Dieses Phänomen sei im zentralen Norden (Oshana, Oshikoto, Omusati, Ohangwena) besonders stark ausgeprägt und die Anzahl der Viehverluste proportional zur Menge der Nutztiere entsprechend hoch. Viele Nutztiere seien derart geschwächt, dass sie sich nicht mehr aus eigener Kraft erheben oder die mitunter langen Entfernungen zu einer Wasserquelle zurücklegen könnten.

Ähnlich düster ist die Ernteprognose des Berichts. Demnach wird der Getreide-Ertrag in diesem Jahr rund 59400 Tonnen betragen und damit 61 Prozent unter dem des Vorjahrs bzw. 52 Prozent unter dem Durchschnitt liegen. Dies habe mit dazu beigetragen, dass rund 290000 Menschen von Hunger bedroht und auf staatliche Nahrungsmittelhilfe angewiesen seien. Weil die Anzahl Bedürftiger in den kommenden Monaten ansteigen werde, sei es beunruhigend, dass der Vorrat für Dürrehilfe in einigen Gebieten bereits aufgebraucht sei und in anderen Gegenden zu Neige gehe.

So seien die Reserven in Rundu, Omuthiya und Tsandi bereits erschöpft und in Katima Mulilo lediglich 1144 Tonnen weißer Mais und in Okongo nur noch 2245 Tonnen Hirse vorrätig. Deshalb sei die Regierung dringend angehalten, die Vorräte aufzustocken. Ferner müssten unbedingt Maßnahmen ergriffen werden, die stillgelegten Schlachthöfe in den nördlichen Kommunalgebieten zu reaktivieren, damit dort so schnell wie möglich Nutztiere geschlachtet werden könnten, bevor sie verenden.

Die ernüchternde Ernteprognose führt die Studie darauf zurück, dass die abgelaufene Regensaison durch „stark verspätete, sporadische und strichweise“ Niederschläge gekennzeichnet gewesen und insgesamt „extrem schlecht“ ausgefallen sei. Ferner hätten „lange Trockenphasen“ und „ungewöhnlich hohe Temperaturen“ zu erheblichem Feuchtigkeitsverlust im Boden geführt und „schwerwiegende“ Auswirkungen auf den Ackerbau gehabt.

Der spärliche und geografisch begrenzte Regen habe mit zweimonatiger Verspätung erst im Dezember eingesetzt und sei anschließend stark unter der üblichen Niederschlagsmenge geblieben. Deshalb sei ohnehin verspätet gepflanztes Getreide wie Mais, Sorghum und Hirse wieder verdorrt, was in einigen Bezirken zu einem kompletten Ernteausfall geführt habe.

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