01 November 2012 | Natur & Umwelt

Doleritgänge, in Namibia ein weitverbreitetes Phänomen

Dolerit ist ein schwarz-graues, mittelkörniges Intrusivgestein, das in seiner chemischen Zusammensetzung dem Basalt entspricht. Im Gegensatz zum Basalt, der als Lava durch Vulkanschlote oder Erdspalten an die Erdoberfläche transportiert wird, tritt Dolerit meist in Dehnungszonen der Erdkruste auf, die von eindringender Doleritschmelze ausgefüllt werden. Da Doleritschmelzen unterirdisch abkühlen und somit eine längere Abkühlungszeit zur Verfügung haben, als oberirdisch erkaltende Laven, bilden die mineralischen Bestandteile häufig größere Mineralkörner aus, die sogar mit dem blosen Auge sichtbar sind. Dolerit wird im Wesentlichen von Mineralen der Feldspatgruppe sowie dem dunklen Pyroxen aufgebaut. Je nach chemischer Zusammensetztung kann auch der grünliche Olivin vorhanden sein.

Erst durch Abtragungsvorgänge, welche die Deckschichten ausräumen, werden Doleritgänge an der Erdoberfläche sichtbar (Abbildung 1). Dort hebt sich das magmatische Gestein aufgrund seiner Verwitterungsresistenz oft als langgestreckter Kamm aus dem durchdrungenen Nebengestein hervor. Da Dolerit zu den Tiefengesteinen zählt, ist es nicht verwunderlich, dass ähnliche Verwitterungsformen auftreten, wie z.B. bei Granit. So sind Exfoliation typische "Koppies", Vergrusung oder Wollsackbildung häufig zu beobachten.
Ein weiteres geologisches Phänomen, das häufig mit Dolerit auftritt, ist der sogenannte Wüstenlack. Diese schwarze, metallisch glänzende dünne Oberflächenschicht entsteht durch Feuchtigkeit, welche in die äußeren Gesteinsschichten eindringt und dort Eisen- und Mangan-Verbindungen löst. Durch die hohe Sonneneinstrahlung wird diese Gesteinsfeuchte jedoch wieder aus dem Gestein gesogen und die gelösten chemischen Verbindungen fallen an der Gesteinsoberfläche aus. Dort reagieren sie mit Luftsauerstoff zu Oxiden, welche die Gesteine als eine dünne schwarze Kruste überziehen. Da Wüstenlack sehr resistent gegen Verwitterungsvorgänge ist, schützt er das Gestein bis zu einem gewissen Grade vor weiteren Angriffen der Verwitterung. Neueste Forschungen haben gezeigt, dass die meisten Wüstenlacke durch das Mitwirken von Bakterien entstanden sind, die in ihrem Stoffwechsel Eisen- und Manganverbindungen mobilisieren können.

Neben einzelnen Gängen treten Dolerite auch oft als Gangschwärme auf. Im Süden des Landes, z.B. beim Köcherbaumwald bedecken Doleritkomplexe weite Landstriche und durchdringen sogar ganze Bergzüge. Eine weitere Ausbildungsart des Dolerits, ein sogenannter Lagergang, ist im Tal der Orgelpfeifen bei Twyfelfontein zu beobachten. Dort drang doleritische Schmelze parallel zur Schichtung in das Nebengestein ein und kühlte von außen nach innen ab. Bei dieser Abkühlung zog sich das Magma zusammen und als Folge bildeten sich polygonale Kontraktionsrisse. Somit konnte die ehemals glutflüssige Schmelze des Lagergangs zu gleichmäßig ausgerichteten, mehreckigen Säulen, den Orgelpfeifen, erstarren.
Dolerit findet heute, wie der verwandte Basalt als Straßenschotter, für Grabsteine oder als geschliffener Naturstein Verwendung. Seine hohe mechanische Härte machten sich aber schon Namibias Ureinwohner zunutze, da viele Steinwerkzeuge aus diesem scharfkantigen Material angefertigt wurden.
In Namibia können mehr als drei Phasen weitverbreiteter Doleritbildung unterschieden werden. Alle stehen in Zusammenhang mit intensiven Dehnungsvorgängen in der Erdkruste, hervorgerufen durch plattentektonische Großereignisse. Weite Bereiche Südwest-Namibias, von der Küste bis zum Fisch-Fluss Canyon, wurden schon vor ca. 720 Millionen Jahren von magmatischen Schmelzen durchdrungen, die heute als Gannokouriep-Schwarm bekannt sind. Dieser Gang-Schwarm bildete sich als Vorbote des Auseinanderbrechens des Rodinia-Superkontinents, welcher als Vorgänger des bekannten Gondwana-Kontinents alle damals bekannten Landmassen vereinte. Deutlich sind diese Gänge auf dem Gelände der Canyon Lodge zu sehen, oder aber auch vom Hauptaussichtspunkt des Fisch-Fluss Canyons, wo sie von Sedimenten der jüngeren Nama-Gruppe überdeckt werden.

Auch das Auseinanderbrechen des bekannten Gondwana-Kontinents hat zu weitverbreiteter Doleritbildung in Namibia geführt. Vor etwa 180 Millionen Jahren, als es zu Abspaltungsvorgängen zwischen Indien und dem östlichen Afrika kam, stiegen große Mengen basaltischer Laven auf, die zum einen die mächtigen Drakensberge in Südafrika aufbauten, aber auch als Gangschwärme in Süd-Namibia vor allem im Bereich um Keetmanshoop oder am Oranje bei Aussenkjer zu finden sind. Der bei Besuchern beliebte "Spielplatz der Giganten" wird aus Doleritgestein des Keetmanshoop-Dolerit-Komplexes aufgebaut. Auch die Basaltdecken bei Kalkrand und rund um den Hardap-Damm werden der gleichen magmatischen Phase zugerechnet.

Nur ca. 50 Millionen Jahre später kam es zu einem weiteren tektonischen Großereignis, dem Auseinanderbrechen des westlichen Gondwana-Kontinents und der damit ausgelösten Öffnung des Atlantischen Ozeans. Durch die damit verbundene Krustenausdünnung entstanden Schwächezonen in der Erdkruste, die von Doleritschmelzen durchdrungen wurden und die heute für die unzähligen Dolerit-Gänge verantwortlich sind, die sich im Gebiet der Mondlandschaft östlich von Swakopmund, über die Spitzkoppe und Brandberg bis zum Tal der Orgelpfeifen bei Twyfelfontein ausbreiten.

Nicole Grünert

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