30 Dezember 2005 | Kommentar

Die wollen doch nur spielen

Deutsche Schauspieler kochen für Kinder in Katutura. Irische Rockmusiker singen für Kinder in Somalia. US-amerikanische Schauspieler adoptieren afrikanische Kinder und nennen sie "Zahara". Schulklassen in Europa sammeln Geld für den Bau von Schulklassen in Sierra Leone. Mehrere hundert Hilfsorganisationen liefern Nahrungsmittel, Medikamente und Decken in afrikanische Hungergebiete, in der Regel sind das zugleich Bürgerkriegsgebiete. Politiker tätscheln die Hand von Nelson Mandela und versichern ihm, Alles werde gut. Zusammen teilen sie sich mit Michael Jackson seit über zehn Jahren die Frage, ob "sie" wohl wissen, dass Weihnachten ist, in Afrika.

Zur gleichen Zeit, Weihnachten nämlich, vermisst das politische, wirtschaftliche und geistliche Oberhaupt von Swasiland, Mswati der Dritte, sein Leopardenfell. Es ist nicht irgendein Leopardenfell, sondern sein "königliches" Leopardenfell, weshalb die auf Linie getrimmten Medien in Mswatis Wolkenkuckucksheim drei Wochen lang ausschließlich die Frage erörtern, wer um Himmels Willen des Königs Kleider verlegt hat.

Eine Meldung über die Verhaftung von mehreren "Terroristen" (danke, Herr Bush), die angeblich mit Brandflaschen ihrer Forderung nach Demokratie in Swasiland Nachdruck verleihen wollten, findet man dagegen in keiner Zeitung dort, die erscheint als Einspalter in einer südafrikanischen Zeitung.

Natürlich hat Mswati Drei schon bei diversen Gelegenheiten betont, wie sehr seine Regierung Wert auf gute Regierungsführung legt und wie sehr ihm das Wohlergehen seiner Bürger am Herzen liegt. Alle afrikanischen Präsidenten berufen sich auf "Good Gouvernance", denn die Geberländer fordern das seit einiger Zeit. Das Problem ist: König Mswati Version 3.0 lügt wie gedruckt. Genau wie die Herren Präsidenten Mugabe in Simbabwe, Museveni in Uganda, Umar al-Baschir im Sudan usw.

Es mag wie ein Widerspruch scheinen, aber genau hier liegt eine Menge Hoffnung für den zweitgrößten und ärmsten Kontinent der Welt. Denn dank eines Welt umspannenden Datennetzes ist es heutzutage möglich, den größten Ganoven Afrikas, sozusagen live, auf die Finger zu schauen. Ihre Verachtung gegenüber der eigenen Bevölkerung, benachbarter Staaten und westlicher "Imperialisten" wird seit einiger Zeit täglich dokumentiert. Das passiert ebenfalls für die Kinder Afrikas, die in der großen Mehrheit noch keinen Internetanschluss haben. Sie werden eines Tages hoffentlich in der Lage sein, sich ein eigenes Urteil zu bilden über ihre "lieben Führer". Und hoffentlich werden sie unterscheiden lernen zwischen Königen wie Mswati oder Mugabe auf der einen und Präsidenten wie Mbeki, Chissano oder auch Pohamba auf der anderen Seite, die zwar oft das gleiche Vokabular benutzen, aber doch Welten auseinander liegen.

ps: Jedes nordische Bleichgesicht, das sich jetzt die Hände reibt und sich freut über diese Afrika-Watsche sei an vorangegangene Kommentare verwiesen, die sich ausschließlich mit euch Heuchlern befasst. Guten Rutsch!

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