29 August 2011 | Afrika

Die sonderbare Rückendeckung für Gaddafi aus Afrika

Während fast die ganze Welt das Ende der Gaddafi-Diktatur feiert, hält sich das Afrika südlich der Sahara merkwürdig bedeckt. Die Afrikanische Union (AU), der Staatenbund des Kontinents, tut auch jetzt noch immer das, was die Organisation schon bei den Krisen in Tunesien und Ägypten aber auch in der Elfenbeinküste oder zuletzt am Horn von Afrika getan hat: gar nichts! Immerhin hatte die AU für vergangenen Freitag einen Sondergipfel einberufen, auf dem seine Staatschefs endlich Position beziehen und womöglich doch noch die neue Rebellenregierung anerkennen wollten, die zum Beispiel der Sudan aber auch andere Staaten derzeit noch nicht akzeptieren.

Neben dem allgemeinen Desinteresse Afrikas an den Zuständen im arabisch geprägten Norden des Kontinents liegt die Zurückhaltung seiner Führer zum einen daran, dass nicht wenige von ihnen bei Gaddafi tief in der (finanziellen) Schuld standen. Wie groß dessen Aufwendungen für die Finanzierung der AU und ihrer aufgeblähten Bürokratie waren, ist unbekannt. Gaddafis Spenden sollen sich aber auf rund die Hälfte der Gesamtkosten der AU belaufen.

In den vergangenen Jahren hatten libysche Staatsunternehmen zudem hohe Millionenbeträge auf dem Kontinent investiert, darunter vor allem in Kenia, wo Gaddafis Regime Luxushotels und Teile der staatlichen Ölraffinerie erwarb. Kenias Vize-Außenminister Richard Onyonka nannte den Sieg der libyschen Rebellen deshalb vergangene Woche auch einen traurigen Tag für Afrika. "Gaddafi hat für Kenia viele gute Dinge getan", meinte Onyonka. Auch habe der Libyer im Kampf gegen die Apartheid und den Kolonialismus im südlichen Afrika eine zentrale Rolle gespielt. Dabei war Gaddafi, der selbst gerne auf Schwarze hinabschaute, an vielen afrikanischen Bürgerkriegen beteiligt, etwa im Westsudan und Tschad, aber auch in Zentralafrika. Ihm selbst ging es dabei nie um Gerechtigkeit, sondern allein um die Arabisierung der entsprechenden Gebiete.

Zum anderen erklärt sich die Ambivalenz Afrikas gegenüber dem Sturz Gaddafis aber auch damit, dass nicht wenige seiner Despoten wie etwa Obiang Nguema, der Staatschef von Äquatorialguinea und gegenwärtige Vorsitzende der AU, daheim kaum demokratischer als der libysche Diktator herrschen - und ein ähnliches Schicksal wie Gaddafi fürchten. Um die hohen Zuwendungen aus Tripolis nicht zu gefährden, hatten fast alle afrikanischen Staatschefs vor zwei Jahren den Aufstieg Gaddafis zum AU-Vorsitzenden unterstützt. Dass dieser die AU in seinen oft wirren Reden häufig blamierte, etwa als er die Teilung Nigerias forderte oder die somalischen Piraten zu Freiheitskämpfern erklärte, störte in Afrika Wenige, zumal viele der Staatschefs auf dem Kontinent seine verrückten Ideen durchaus teilten.

Bereits 2003 hatten eine Reihe afrikanischer Länder Libyen erfolgreich für den Vorsitz der UN-Menschenrechtskommission vorgeschlagen. An die Stelle der Menschenrechtskommission ist inzwischen der UN-Menschenrechtsrat getreten. Auch dort wurde Libyen erst letztes Jahr mit Hilfe Afrikas hineingewählt.

Bezeichnend für die Attitüde Afrikas gegenüber Gaddafi steht das Verhalten Südafrikas, der wirtschaftlichen Großmacht auf dem schwarzen Kontinent. Nachdem dessen Präsident Jacob Zuma und sein regierender ANC die UN-Resolution gegen Libyen zunächst mit viel Bauchschmerzen mitgetragen hatte, empörte sich Südafrika später mächtig über die Ausweitung des Mandats und geißelte die Unterstützung der Rebellen durch den Westen aufs Schärfste. Zuma selbst sprach mehrfach von einem "eklatanten Missbrauch der Resolution" und neokolonialem Gebaren.

Ein besonders lautstarker Vertreter dieser Linie ist Zumas Vorgänger Thabo Mbeki, der im Westen lange Zeit als afrikanischer Hoffnungsträger galt. Inzwischen macht Mbeki den Westen für praktisch alle Probleme Afrikas verantwortlich - sei es für sein Eingreifen in der Elfenbeinküste, wo eine Eskalation des Bürgerkriegs drohte, oder sein angeblich fehlendes Engagement im Zuge der Hungersnot. Dass Afrika selber bei allen Konflikten nur zuschaut oder den amtierenden Despoten stützt, wird von Mbeki verschwiegen. Erst Angang August wurde ein Sondergipfel der AU zur dramatischen Hungersnot in Somalia ohne Angabe von Gründen von Anfang auf Ende August verschoben.

Entsprechend schwer dürfte sich der Kontinent nun auch damit tun, zu Libyen eine gemeinsame Linie zu finden. Nigerias Außenminister Olugbenga Ashiru zeigt sich realistisch. Es gebe in Afrika einige Länder, die stark vom Gaddafi-Regime profitiert hätten, ließ er wissen. "Das macht ein gemeinsames Vorgehen nun ausgesprochen schwierig."

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