03 Mai 2012 | Reiseberichte

Die Plotter vom Swakop-Rivier (Teil 2)

Geschichte und Geschichten aus alter und neuer Zeit ranken sich um das meist trockene Flussbett des Swakops, das nur in regenreichen Jahren Wasser führt und doch durch seine Grundwasserreserven seit jeher Anziehungspunkt ist für Mensch und Tier.
Sein fruchtbares Schwemmland zog bereits vor mehr als hundert Jahren permanente Siedler an, und inzwischen sind an seinem unteren Verlauf zahlreiche Farmen und Kleinsiedlungen entstanden. Hier lebt eine illustre Mischung von Menschen aus Namibia und dem Rest der Welt, die von den Küstenbewohnern liebevoll "Die Plotter" genannt werden. Heute geht es weiter mit Teil 2, der im März begonnen hat.
Die Namib-Wüste bringt eine Vielfalt von Pflanzen hervor, die auch für den Menschen genießbar sind oder für medizinische Zwecke genutzt werden können. Nicht weit vom Swakop-Rivier entfernt, nur wenig weiter südlich, verläuft das Bett des Kuiseb, der stellenweise ein völlig andere Vegetation hervorbringt. Eine vor allem bei den dort lebenden Topnaar beliebte Frucht ist die !Nara, von der sowohl die Kerne als auch das Fruchtfleisch genießbar sind. An weit verzweigten Sträuchern wächst die kürbisartige Frucht in großen, runden Melonen, mit einem wehrhaften Stachelkleid versehen.
Der Geschmack der WüsteAus der !Nara lassen sich die unterschiedlichsten Erzeugnisse herstellen. Während die Topnaar die !Nara-Kerne an der Sonne trocknen lassen oder rösten und das Fruchtfleisch in unterschiedlichen Methoden zubereiten, stellt die am Swakop-Rivier gelegene Farm "Desert Hills" unter anderem Öl aus ihren Kernen her, das sich zunehmender Beliebtheit erfreut.
Den "Geschmack der Wüste" fangen Stefanie und Volker Hümmer auf ihrem Plot ein, indem sie die !Nara-Kerne fachgerecht und schonend verarbeiten und als aromatischen Bestandteil ihren Ölen und Cremes hinzufügen.
Eine Vielfalt weiterer namibischer Produkte bieten sie darüber hinaus auf ihrer Farm an, darunter Marula-Cremes, Kräuter- und Früchtetees sowie eine große Auswahl an Ölen, Essig, Gewürzen, frischem Pesto, Farmbrot und hausgemachter Eiscreme.
"Alles Bio" könnte ihr Motto lauten, denn ihre Nudelprodukte stellen sie mit ihrer eigenen Pasta-Maschine her und die Fruchtkerne werden in der hauseigenen Ölpresse verarbeitet. Ihren Strom gewinnen sie aus Solar- und Wind--energie,
Seit drei Jahren stellen die Namibierin und ihr deutscher Ehemann Kosmetika und Cremes aus Naturprodukten her und der Erfolg bewegte sie dazu, sich im Swakop-Rivier niederzulassen und neben der Herstellung auf ihrem Plot auch einen wöchentlichen Hofverkauf einzurichten. Immer wieder samstags öffnen sie ihre Pforten für Besucher und Gäste, mit einer großen Auswahl an schmackhaften Mahlzeiten.
Zwischen Swakopmund und den Plottern liegt ein großes, grünes Feld, das nicht nur Springbockherden magisch anzieht, sondern seit vielen Jahren auch Sportbegeisterte aus ganz Namibia. Der Rossmund-Golfclub wurde bereits 1979 als 9-Loch-Platz von der Rössing-Mine errichtet und damals von Robert Trent Jones, Sohn des berühmten amerikanischen Designers Rees Jones, konzipiert. 1989 erweiterte der südafrikanische Golf-Architekt Bill Kerr die Anlage in Form eines 18-Loch-Platzes und seit 1995 befindet sie sich in privater Hand, als Golf Course CC unter den Eigentümern Graham Louw und Wim van der Plaas.
Mitten in der Wüste eröffnet sich der begraste Golfplatz auf 6130 Länge unter wogenden Palmen, mit Elementen aus Steinen, niedrigen Mauern, Büschen und Teichen.
Entsprechend fühlt sich auch die Tierwelt hier wohl, und es kann leicht passieren, dass die Golfer um eine Herde Springböcke herum spielen müssen, die friedlich und ohne Scheu den ruhigen und idyllischen Ort regelmäßig frequentieren. Verschiedenste Vogelarten sind in den Morgen- und Abendstunden zu beobachten, Perlhühner stolzieren über den gepflegten Rasen und die Anwohner nutzen die beschauliche Anlage ausgiebig für lange Spaziergänge.
Ein "Golf-Village" hat sich hier seit einigen Jahren etabliert, ein eigenes, kleines Dorf zwischen Wüste und Atlantik, das Stadtmüde magisch anzieht und die perfekte Mischung aus Entspannung und Gemeinschaftsleben zu bieten scheint. Nicht alle, die hier leben, sind Golfer, versteht sich, doch hat der Golfclub immerhin 200 aktive Mitglieder und im Golf-Dorf stehen seit Baubeginn vor zehn Jahren inzwischen 150 Häuser.
Viele von ihnen sind verkauft und permanent bewohnt, doch mit der zweiten Bauphase werden nun weitere Häuser errichtet und nicht nur Pensionäre, sondern auch Familien und Firmeneigentümer aus Swakopmund haben sich hier draußen eine Oase der Ruhe geschaffen.
Das Gesamtareal des Rossmund-Golfclubs umfasst 118 Hektar und die Instandhaltung verschlingt jedes Jahr ein kleines Vermögen, doch die Betreiber sind zuversichtlich, dass mit dem Wachsen der Stadt zunehmend Swakopmunder und auch Walvis Bayer Bürger die gehobene Lebensqualität zu schätzen wissen. Wenn sich in den Wintermonaten der berüchtigte Nebel an der Küste verbreitet, herrscht hier draußen wie auf den Plots eitel Sonnenschein und alleine dies lockt neben Golfern und Rollballern, die hier ebenfalls ihre Felder haben, auch Tagesbesucher an.
Entspannung pur bietet der weitläufige Swimmingpool der Rossmund Lodge, dessen Inhaber Wim van der Plaas nicht nur eine Freizeitoase inmitten des Golfplatzes, sondern auch gepflegte Übernachtungsmöglichkeiten sowie einen Konferenzraum für bis zu 80 Personen geschaffen hat.
Mit Vogelkundlern durch die Riviere Wer noch mehr Natur genießen möchte, der kann mit den Vogelkundlern von Batis Birding Safaris die reiche Vogelwelt des Swakop- oder Kuiseb-Riviers erkunden und so manche seltene Spezies entdecken, wie die Dünen-Lerche, die nur in diesem Teil der Erde endemisch ist, "der Vogel, der niemals Wasser trinkt." Individuelle Ausflüge werden vom Anbieter auf Halb- oder Ganztages-Ausflügen garantiert und selbst Nachtwanderungen und Sundowner-Fahrten kann man mit dem engagierten Kleinunternehmen genießen.
Doch kehren wir vom gepflegten Golfplatz mit seiner herrlichen Anlage zurück ins etwas urtümlichere Swakop-Rivier, dorthin, wo die Plotter leben und sich am Wochenende treffen. Am liebsten nämlich Freitag- oder Samstagvormittag auf der Farm Shalom, zum traditionellen Markt. Christel und Werner Ermann haben inmitten ihrer weitläufigen Olivenplantage einen gemütlichen Biergarten unter schattenspendenden Bäumen eingerichtet und sorgen für beste Laune bei Swakopmundern sowie Besuchern aus dem ganzen Land. Zahlreiche Plotter bieten hier ihre Farmprodukte an, die von erntefrischem Gemüse, Spargel und Salaten über Marmeladen, Öle und Kräuter bis hin zu Kunsthandwerk sowie Wurst- und Fleischprodukten reichen.
Überragend ist das "extra virgine" Olivenöl der Ermanns, das sie mit einer italienischen Ölpresse aus ihren speziellen, schwarzen Oliven gewinnen.

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