17 Januar 2019 | Meinung & Kommentare

Die Macht des Irrglaubens

Man kann sich einreden, dass die Lieblingsfußballmannschaft in diesem Jahr den Pokal holen wird. Dass der abendliche Kaffee einen noch mindestens zwei Stunden wachhalten wird, dass es beim Test in der Schule auf keinen Fall gereicht hat oder dass der Hund tatsächlich irgendwann die Zeitung ans Bett bringen wird.

Täglich belügen wir uns selbst. Weil wir der Wahrheit nicht ins Gesicht blicken wollen, weil sie uns emotional zu sehr beeinflussen könnte oder weil wir versuchen, uns mit positiven Gedanken für unangenehme Situationen zu wappnen. Irrglauben und Einbildung, Selbsttäuschung und Luftschlösser werden zu Mechanismen, mit denen wir uns selbst steuern wollen, mit denen wir uns retten oder aus etwas flüchten wollen und mit denen wir eine Scheinwelt schaffen, in die wir hineinspringen, bis uns die Realität unsanft wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

Wer glaubt, mit gemahlenem Nasenhorn seine Potenz steigern oder Krankheiten heilen zu können, an denen jegliche Schulmedizin scheitert, der schafft sich genau eine solche Irrealität, in der der Placebo-Effekt zur höchsten Macht wird und zwischen Erfolg und Nicht-Erfolg entscheidet.

Der Unterschied bei dieser Scheinwelt ist jedoch, dass sie auf dem Dasein von Tieren basiert, die eine solche Imaginationskraft nicht haben. Für Nashörner gibt es nur das eine, tatsächliche Leben, nur jene Steppe, durch die sie ziehen, nur jene Feinde, die sie treffen und nur jene Partner, die neues Leben schenken. Ihre tierischen Instinkte sind frei von Selbsttäuschung, frei von Luftschlössern und Wunschdenken.

Den Nashörnern ihr Horn zu nehmen schneidet nicht nur eine tiefe Kerbe in ihre natürlichen Verhaltensweisen. Die Enthornung zugunsten einer Scheinwelt und eines Irrglaubens zu legalisieren, würde auch die Grenzen zwischen Phantasie und Realität verschwimmen lassen. Dann wird Irrglaube zum Manifest und dem Trugschluss unberechtigte Macht zugesprochen und auf die Ebene der Wahrheit gehoben – ein falsches Zeichen; für die Weltanschauung und erst recht für die Nashörner.

Von Nina Cerezo

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