05 Dezember 2012 | Reiseberichte

Die Jagd im Visier

Einigen liegt es im Blut, andere entdecken ihre Liebe zur Jagd erst viel später. Manche machen ihre Leidenschaft zum Beruf, anderen genügt es hin und wieder Wild zu erlegen oder eine Trophäe zu ergattern.
Das Bild des Jägers ist umstritten. Allerdings wird oft vergessen, dass Jagd mit Hege und Pflege zusammenhängt. Meistens sind Jäger besonnene und vor allem naturverbundene Menschen.

Gerrit Utz gehört zu dieser Gruppe. Bereits als Kind wurde er von seinem Vater Wilfried mit zur Jagd genommen. Heute zählt er mit der Bezeichnung "Großwild-Berufsjäger" zu den erfahrensten Jägern in Namibia. Doch bis dahin war es ein langer Weg, denn es reicht nicht, mit einem Gewehr durch die Gegend zu laufen und Wild zu erlegen. "Man fängt als Jagdführer an", erklärt der erst 41-Jährige. Das bedeutet, dass man auf der eigenen, registrierten Jagdfarm jagen darf. Um den Jagdführertitel zu erhalten, wird eine schriftliche Prüfung beim Ministerium für Umwelt und Tourismus (MET) und anschließend eine praktische Prüfung auf der Farm abgelegt. Die nächste Stufe ist der Meister-Jagdführer. Diesen Titel erhält man frühestens nach zwei Jahren als Jagdführer. In dieser Zeit sollte man zwölf Jäger geführt haben. Um den Grad des Berufsjägers zu erreichen, müssen erneut zwölf Jäger innerhalb zwei Jahren geführt und am Ende erneut erst eine schriftliche, dann eine praktische Prüfung abgelegt werden.
Nachdem man zwölf Jagden, die auf die "Big Five" (Elefant, Nashorn, Löwe, Leopard und Büffel) begleitet hat, und eine weitere Jagdprüfung ablegt hat, darf man sich als Großwild-Berufsjäger bezeichnen.
Diesen Titel trägt Utz bereits seit 17 Jahren. Ihm liegt es am Herzen, dass es auf der Jagd ethisch und fair zugeht. Das braucht nicht nur Erfahrung, Wissen und Können, sondern auch ein gewisses Maß an Fingerspitzengefühl. "Es ist wichtig, dass man auf den Gastjäger eingeht", berichtet er. "Manche von ihnen möchten am liebsten alles schießen, was ihnen vor die Flinte kommt." Deshalb ist eine Aufgabe des Berufsjägers, dass er seinem Jagdgast das richtige Tier "schmackhaft" macht. Natürlich wollen diejenigen, die für die Trophäenjagd gekommen sind, ein "reifes" Stück Wild erlegen. "Es sollen vor allem alte Tiere bejagt werden, die an der Zucht nicht mehr beteiligt sind", erklärt Utz. "Manche der Jagdgäste sind "Schießer", doch die meisten versuchen es richtig und gut zu machen, ihnen ist die Ethik wichtig. Dies sind eben richtige Waidmänner und -frauen."

"Farmjagden" sind oft einfacher auszuführen, da meist "auf Sicht" gejagt wird. Bei Großwild hingegen, das in einem Konzessionsgebiet gejagt wird, muss oft mehr gefahren werden, bis die richtigen Spuren entdeckt sind. Bei einer Elefantenjagd z.B., müssen dazu oft viele Wasserstellen abgefahren werden, um auf die richtige Fährte zu kommen. Diese werden dann vom Jäger und dem Berufsjäger mit seiner Mannschaft "ausgelaufen", dass oft mehrere Stunden dauern kann.

Auch die Jagd auf Großkatzen hat es in sich. Um den Jagdgast eine Möglichkeit zu bieten, einen Leoparden zu erlegen, werden Luder an seinen Wechseln aufgehängt. Dies sind frisch geschossene Tiere, auf die der Leopard aufmerksam gemacht werden soll. Vor allem die Kater haben ihr Territorium, das sie regelmäßig ablaufen. Daher kann es oft mehrere Tage in Anspruch nehmen, bis er die Runde in seinem Gebiet gedreht hat. "Zu dieser Art von Jagd gehören vor allem Erfahrung und Ortskenntnis, doch der Erfolg ist nie 100-prozentig garantiert" meint Utz. Da diese Raubkatzen äußerst schlau und vorsichtig sind, spielt bei der Leopardenjagd vor allem Geduld eine große Rolle, denn mit jedem Fehler, der gemacht wird, wird die Chance bedeutend kleiner für den Jäger das Tier zu erlegen.
Ist die Beute im Visier, gilt es kühl und überlegt zu handeln. Die meisten Jäger mögen es nicht, wenn der Jagdführer oder Berufsjäger unmittelbar nachschießt, da natürlich der Schütze sein Wild allein erlegen möchte. Doch manchmal lässt sich dies nicht vermeiden. Wird die Beute allerdings nur angeschossen, muss zum Nachsuchen angesetzt werden und dies kann hauptsächlich beim Großwild äußerst gefährlich werden. "Wird ein Stück Wild mit einem Schuss lediglich verletzt, zieht es sich meist in "Dickungen" zurück", erklärt Utz. Bei der Nachsuche kann die Fluchtdistanz des Tiers unterschritten werden. Da man das Wild nicht sieht und es vielleicht keine Möglichkeit zu Flucht hat, kann man eventuell von ihm angegriffen werden. Vor allem Elefanten, Büffel und Raubkatzen erweisen sich in dieser Situation oft als besonders gefährlich. Der Fluchtabstand ist bei den verschiedenen Wildarten unterschiedlich. Doch ein angeschossenes Tier ist eben eher zum Angriff bereit, als ein unverletztes.
Nachdem ein Elefant, Löwe, Leopard oder Nashorn geschossen wurden, muss dies innerhalb 48 Stunden dem MET in Windhoek mitgeteilt werden. Nach dem Erlegen werden die obligatorischen Fotos geschossen, die zur Erinnerung an diesen denkwürdigen Augenblick dienen sollen. Meistens steht bereits ein Fahrzeug mit einer Mannschaft bereit, die dann versucht, an den Abschussplatz zu gelangen, da jetzt alles recht schnell gehen muss. Das meiste Wild wird aufgeladen, der Elefant jedoch wird an Ort und Stelle verarbeitet.

Manchmal sind es nur Schädel, Hörner oder die Decke, die verlangt werden. Einige Jäger wollen sich aber auch hin und wieder eine Schultermontage präparieren lassen. Je nachdem, was der Jagdgast als Trophäe wünscht, wird das Tier zerlegt. Dies muss schnell geschehen, denn je wärmer es ist, desto rascher beginnt der Verwesungsprozess. Das Fell oder die Haut wird gründlich gewaschen und vom "Schweiß" (Blut) befreit. Dann wird die Decke zügig in Salz gelegt, da sonst bei dem Fell der geschossenen Großkatzen, Zebras oder Antilopen die Haare ausfallen oder bei der Haut des Elefanten sich die Epidermis (äußere Hautschicht) loslöst. Das Fleisch wird an die Bewohner der Dörfer des jeweiligen Konzessionsgebietes verteilt.

Großwild, vor allem Elefanten in Konzessionsgebieten zu jagen, ist auch im Sinne der Bewohner in den dort ansässigen Siedlungen. Denn neben dem Fleisch bringt die Jagd auch Arbeit für die Bevölkerung, von der wiederum viele Familien profitieren. Deshalb werden zu einer Jagd so viele Leute wie möglich mit eingebunden. Oftmals kommen Elefanten auch zu nah an die Dörfer und zerstören den Anbau und die Ernten. Außerdem kommen dabei immer wieder Nutztiere zu Schaden.

Der Berufsjäger erkundigt sich in den Siedlungen, wo das Wild sich aufhält. Am frühen morgen, noch vor Sonnenaufgang fahren der Gastjäger, Berufsjäger mit den Fährtenlesern los, die Wasserstellen abzuklappern und die Wege zu kontrollieren, um frische Fährten zu entdecken, die dann "ausgegangen" werden, bis man auf die Spur der geeigneten Beute trifft.
Die Trophäenjagd bringt dem Land viele Devisen und ist außerdem eine gute Einnahmequelle für die Bevölkerung in den Konzessionsgebieten.

Da Jagden teuer sind, bringt ein Jäger meist so viele Devisen wie sonst eine Schar Pauschal-Touristen. Dies kommt der Natur zu gute, denn es ist ein Unterschied, ob große oder mehrere Fahrzeuge mit vielen Touristen im Gelände fahren oder nur ein einzelnes mit der Jagdgesellschaft.

"Ein großes Problem, mit dem wir oft zu kämpfen haben und das nicht in den Griff zu bekommen ist, ist die Wilderei", klagt der Berufsjäger. Es wird nicht nur für den eigenen Fleischbedarf gewildert, sondern oftmals ein Geschäft damit gemacht, indem das Fleisch verkauft wird. Diese Gebiete sind weitläufig und deshalb schwer zu kontrollieren.

Die Jagd ist ein lukratives Geschäft, das sehr viel körperlichen Einsatz erfordert und sehr zeitaufwendig ist. Oft ist man bis zu 17 Stunden täglich mit dem Gastjäger zusammen. Immer häufiger kommt es Jagdanbieter allerdings nicht auf die Jagdleidenschaft an, sondern sie bieten des Geldes wegen ihre Dienstleistungen an. Auch die Ansprüche der Jagdgäste haben sich geändert.

"Nur wenige Leute können sich eine große Jagd leisten, da diese sehr teuer ist. Doch meistens ist es so, dass gerade erfolgreiche Menschen kaum Zeit haben, eine Jagd in Ruhe durchzuführen. Waren es in den 60er Jahren noch ein bis zwei Monate, die für eine Jagd angesetzt wurden, beschränkt sich heutzutage das Maximum auf 21 Tage. Manche würden am liebsten am Freitagabend in das Flugzeug nach Namibia steigen und bereits am Montag wieder im Büro sein." erklärt Utz. Manche bringen sogar ihren Laptop, Satellitentelefon, etc. mit, um von der Jagd aus die Arbeit zuhause zu delegieren.

Wenn sich nicht schnellst möglichst Erfolge zeigen, kann die Stimmung schon mal einen Tiefpunkt erreichen, denn Misserfolge werden gerne dem Jagdführer zugeschrieben.
Für Jäger ist Namibia ein Eldorado, denn für jeden Jagdanspruch gibt es einen passenden Anbieter. Von der Farmjagd ist bis zur Großwildjagd ist hier im Land alles möglich, deshalb wird jeder Aufenthalt in Namibia für die Gastjäger zu einem unvergesslichen Erlebnis.

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