16 November 2021 | Politik

Die Hintergründe des Konflikts in Äthiopien

5,2 Millionen Menschen bedürfen humanitärer Hilfe

Der Konflikt im Norden Äthiopiens, der vor etwa einem Jahr in Tigray begann, hat sich mittlerweile auf mehrere Landesteile ausgeweitet. Die Gewalt droht das zweitgrößte Land Afrikas zu zerreißen.

Nairobi (dpa) • Kaum noch lebenswichtige Medikamente, Hunger und gewaltsame Auseinandersetzungen in vielen Teilen des Landes am Horn von Afrika: Nach Angaben der Vereinten Nationen nimmt die Gewalt in Äthiopien mittlerweile katastrophale Ausmaße an. Ein Überblick über das Land, seine Akteure und die Hintergründe des Konflikts.

Wer ist Abiy Ahmed?

Die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) war bis 2018 die dominante Kraft in der Revolutionären Demokratischen Front der Äthiopischen Völker (EPRDF) - einer Parteienallianz, die Äthiopien 27 Jahre regierte. Dazu gehörte auch die Oromo People’s Democratic Organisation (OPDO). In Teilen der Bevölkerung regte sich Widerstand gegen die EPRDF-Herrschaft, die als korrupt und autokratisch empfunden wurde. Immer wieder gab es Proteste. Im April 2018 wurde Abiy Ahmed, der Sohn eines muslimischen Oromo und einer amharischen Christin zum Regierungschef ernannt, er sollte für Ausgleich zwischen den Volksgruppen sorgen. Abiy Ahmed war Mitglied der OPDO und kam aus dem äthiopischen Geheimdienst. Er löste die Parteienallianz auf und gründete die Prosperity Party, die sich nicht über ethnische Zugehörigkeit definieren sollte. Alle Parteien bis auf die TPLF schlossen sich der Prosperity Party an.

Wie kam es zu dem Konflikt in Tigray?

Nach seiner Regierungsübernahme begann ein Machtkampf zwischen Abiy Ahmed und der TPLF. Er entfernte die TPLF aus vielen Führungspositionen. Anhänger Abiy Ahmeds sagen, er sei gegen die Korruption und Dominanz der TPLF vorgegangen. Ihre Anhänger sehen sich als Opfer einer Säuberungsaktion, mit der Abiy Ahmed amharische Nationalisten zufriedenstellen wollte. Hinzu kamen Bestrebungen Abiy Ahmeds, den Zentralstaat zu stärken. Die TPLF hingegen wollte keine Einschränkungen der Autonomie.

Eine für 2020 geplante Parlamentswahl wurde wegen der Corona-Pandemie verschoben. Tigray führte daraufhin ohne Zustimmung von Addis Abeba Regionalwahlen durch, deren Ergebnis die Zentralregierung nicht anerkannte. Der militärische Konflikt brach aus.

Wer kämpft auf welcher Seite?

Auf der Seite der Regierung kämpft die äthiopische Nationalarmee gemeinsam mit Sicherheitskräften der Region Amhara und amharischer Milizen. Aufseiten Tigrays kommt die eigene Regionalarmee Tigray Defence Forces (TDF) zum Einsatz. Mittlerweile wird die tigrinische Seite auch von der Oromo Liberation Army (OLA) unterstützt. Allen Seiten werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

Wie geht es den Menschen in Tigray?

Das alltägliche Leben in Tigray ist völlig zusammengebrochen. Seit Monaten gibt es keinen Strom, kein Internet, kein Bargeld, keinen Treibstoff, und vor allem nicht genug Lebensmittel und Medikamente. Die Zentralregierung behindert die Versorgung Tigrays, Regierungschef Abiy Ahmed wird eine Blockade der Region vorgeworfen. Obwohl die UN und andere humanitäre Organisationen vor Ort sind, ist ihre Arbeit in Tigray nur sehr eingeschränkt möglich. Nach eigenen Angaben will die TPLF, die humanitäre und ökonomische Blockade Tigrays durchbrechen und Sicherheit für die Region wiederherstellen.

Warum ist von einem möglichen Zerfall des Landes die Rede?

Verschiedene Volksgruppen identifizieren sich nur bedingt mit dem Zentralstaat. Zwischen ihnen kommt es immer wieder zu ethnisch begründeter Gewalt. Unruhen führten zu einer privaten Aufrüstung der Bevölkerung. In allen Gruppen gibt es aufgeheizte Desinformationskampagnen über soziale Medien. Beobachter fürchten, dass selbst ein offizieller Waffenstillstand zwischen Regierung und TPLF nicht anerkannt werden würde. Ein gewaltsamer Zerfall von Äthiopien könnte folgen.

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