30 Juli 2021 | Geschichte

Die Guanoinsel auf Bird Rock (13. Folge)

Das Lebenswerk eines Mannes, der durch Fleiß, Ausdauer und den Glauben an seine Idee endlich zum Erfolg gelangt

Im Jahre 1930 begann Adolf Winter auf dem besagten Felsen den ersten „Tisch“, der ca. 4x4m groß und ca. 3m hoch war, zu bauen. Es war ihm klar, daß nur eine Konstruktion, die dem Wasser möglichst wenig Widerstand bot, den Gewalten der Natur standhalten würde. Nachdem sich seine Überlegungen als richtig erwiesen hatten und die Vögel sich auf der Plattform angesiedelt hatten, erweiterte er, sofern es seine bescheidenen Mittel zuließen, diese Plattform bis zu ihrer heutigen Größe von 17000qm.

EIN SCHATZ DER KÜSTE

Kapitel 5 (Teil 1/1)

Als der Guanoplattform in den achtziger Jahren der Abbruch drohte, sprachen sich viele Instanzen und Experten für den Erhalt der Insel aus. Für seinen persönlichen Einsatz in dieser Sache gebührt Dr. A.J. (Tony) Williams, damals Wissenschaftler beim südafrikanischen Department of Nature and Environmental Conservation in Walvis Bay, besondere Anerkennung. Andere, die für den Erhalt der Insel plädierten, waren das Percy FitzPatrick Institute of African Ornithology der Universität Kapstadt, der International Council for Bird Preservation (South African Section) und auch Personen des Department of Nature and Environmental Conservation in Kapstadt.

Aus all diesen Plädoyers ging eindeutig hervor, dass der Wert der Guanoinsel auf Bird Rock eigentlich dreifaltig sei, nämlich:

a) zum Schutz der Seevögel,

b) als eine Touristenattraktion und

c) als ein historisches Monument.

Diese Punkte seinen in diesem Abschnitt erläutert werden.

Abgesehen von den oben genannten. Aspekten ist die Vogelinsel natürlich auch eine Quelle hochwertigen Guanos, die zur Wirtschaft der Küste und des Landes beitragt. Das Guanounternehmen bietet etliche Arbeitsplätze und verschafft durch den Guanoverkauf dem Staat Devisen.

Ein Beitrag zum Seevogelschutz

Die Verbreitung und auch die Anzahl der vorhandenen Seevögel hangt im großen Maße davon ab, ob ihnen geeignete Brutstatten zur Verfügung stehen. Payne et al (1989) zufolge bieten vorgelagerte Küsteninseln und künstliche Guanoplattformen den Vögeln die sichersten und wichtigsten Nistgelegenheiten. Im südlichen Afrika gibt es nur vier solcher Inselgruppen, wozu auch die Guanoinseln. bei Walvis Bay, Swakopmund und am Kreuzkap zu einer Gruppe zahlen.

Auch die Plattform auf Bird Rock ist eine bedeutende Brut- und Raststatte verschiedener Seevogelarten und somit eine wichtige ornithologische Quelle. Aus der Sicht des Vogelschutzes gesehen, sind von den Bewohnern der Insel besonders die zwei seltenen Arten, der Rosapelikan (Great White Pelican, Pelecanus onocro-talus) und die Wahlbergscharbe (Crowned Cormorant, Phalac-rocorax coronatus), von großer Wichtigkeit.

Die Wahlbergscharbe ist weltweit als eine seltene Vogelart eingestuft, die nur entlang der afrikanischen Südwestküste zu finden ist. Ihr Lebensraum und somit auch ihre Verbreitung ist recht begrenzt, da sie felsige Küstenlinien bevorzugt. Bird Rock ist die am nördlichsten gelegene Brutstätte dieser Vogelart. Im Jahre 1989 schätzte Dr. Williams die gesamte globale Brutbevölkerung auf 2 700 Paare, wovon 85 Paare auf Bird Rock brüteten.

Am schutzbedürftigsten ist jedoch der Rosapelikan, welcher in Südafrika und Namibia als eine Red Data Species, also eine seltene Art, klassifiziert ist. Einem Brief von Dr. van Zyl im Department of Nature and Environmental Conservation in Kapstadt (1986) zufolge, brüten diese Pelikane im südafrikanischen und namibischen Raum nur auf der Dassen-Insel (1984 - 174 Paare), am St Lucia-See (1984 - 1 100 bis 2 000 Paare), auf Bird Rock bei Walvis Bay (1993 - 150 Paare) und auch einige in der Etoscha-Pfanne. Der Pelikan ist also nicht nur ein „Seevogel“, sondern lebt und brütet auch im Inland. Im südlichen Afrika gibt es folglich nur zwei Pelikankolonien, die auf Brutstätten im Meer nisten, nämlich auf der Dassen-Insel und auf Bird Rock. 1983 wurde die Pelikangemeinschaft von Walvis Bay auf etwa 1 000 Vögel geschätzt.

Da der Rosapelikan sehr störungsempfindlich ist, nistet er nur auf Inseln im Meer oder in großen Seen. Die Pelikane, die heutzutage auf Bird Rock brüten, haben früher auf den Inseln in Sandwichhafen gebrütet. Als diese Inseln jedoch durch fortschreitende Versandung mit dem Festland verbunden wurden, haben die Vögel diese Brutstätten aufgegeben. Sollte die Plattform also entfernt werden, würde das Festland als alternative Brutstätte der Pelikane kaum in Frage kommen. Wahrscheinlich würden sie sich auf der Guanoplattform der Swakopmunder Salzfelder nieder lassen, oder wieder in Sandwichhafen, vorausgesetzt die Lagune enthält eine geeignete Insel. Selbst wenn diese beiden Alternativen sich zeitlich als geeignet erweisen sollten, ist der langfristige Erfolg dieser Stätten als Nistplatz wegen des Windes und des Wassers und auch der Versandung recht zweifelhaft.

Der Rosapelikan kommt auch noch an den Mündungen des Kunenes und des Oranjes vor. In diesen Gebieten brütet er jedoch nicht, was darauf hinweist, daß sie für diesen Zweck nicht geeignet sind. Es kann daher angenommen werden, daß mit dem Abbruch der Plattform die Pelikane versuchen würden, eine neue Brutkolonie in der Nähe Bird Rocks zu gründen. Sollten sie jedoch nicht schnell genug eine andere, sichere Brutstätte finden können, konnten sie vom Aussterben bedroht werden. Auf jeden Fall wurde der Brutprozel3 unterbrochen werden. Es ist also deutlich, daß die Plattform auf Bird Rock zum Erhalt der Pelikangemeinschaft von Walvis Bay beitragt.

Eine Touristenattraktion

Die von Menschenhand geschaffene Vogelinsel mitten im Meer ist eine einzigartige, ungewöhnliche Sehenswürdigkeit und ermöglicht dem Vogelliebhaber, Seevögel aus nächster Nahe beobachten zu können.

Das Beobachten von Vogeln ist in den letzten Jahren weltweit zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung geworden, und das Interesse steigt ständig. Bird Rock trägt viel zu diesem Hobby bei. Die schwarzen Kormorane, die vor allem abends in großen Schwärmen gen Süden fliegen, um sich zur Nacht auf der Insel niederzulassen, bieten dem Beobachter ein imposantes Bild. Jedoch ist es der majestätische Pelikan, welcher der zentralen Küstenlandschaft einen besonderen Reiz verleiht. Nur die Plattform auf Bird Rock kann diesen schönen Vögeln eine sichere Zukunft bieten.

Viele Besucher der Küste erfreuen sich an dem Schauspiel, das ihnen die Vogelinsel bietet, und somit ist der Riesentisch ein viel fotografiertes Objekt. Dr. Tony Williams, von der südafrikanischen Naturschutzbehörde nutzte dieses Interesse der Öffentlichkeit, um sie dem Vogelschutz näher zu bringen. Er errichtete gut illustrierte Informationstafeln, welche dem Zweck dienen, über die Geschichte, die Guanogewinnung und die Vögel der Plattform zu informieren. Sie deuten auch an, wie der Mensch mit der Natur im Einklang leben kann und beide Seiten gleichzeitig einen Nutzen daraus ziehen können. Die Vögel erhalten eine sichere Brut- und Raststätte, und der Mensch erntet wertvollen Guano. Diese Schilder wurden am Strand bei Bird Rock errichtet. Somit hat die Guanoinsel auch noch einen den Umweltschutz betreffenden, erzieherischen Wert bekommen.

Ein historisches Monument

Da die Plattform auf Bird Rock die einzige künstliche Guanoinsel der Welt ist, die im Meer erbaut wurde, verdient sie es, in die meereswirtschaftliche Geschichte Namibias und Südafrikas aufgenommen zu werden. Sie ist ein Denkmal für die Initiative früherer Pioniere, deren erstaunliche Werke in der Wirtschafts-entwicklung des damaligen Südwestafrikas starke Beachtung gefunden haben. Die Guanoinsel zeugt von besonderem Unternehmergeist, da es den Anschein hatte, daß das Projekt zum Scheitern verurteilt war.

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