21 Juli 2021 | Geschichte

Die Guanoinsel auf Bird Rock (11. Folge)

Das Lebenswerk eines Mannes, der durch Fleiß, Ausdauer und den Glauben an seine Idee endlich zum Erfolg gelangt

Im Jahre 1930 begann Adolf Winter auf dem besagten Felsen den ersten „Tisch“, der ca. 4x4m groß und ca. 3m hoch war, zu bauen. Es war ihm klar, daß nur eine Konstruktion, die dem Wasser möglichst wenig Widerstand bot, den Gewalten der Natur standhalten würde. Nachdem sich seine Überlegungen als richtig erwiesen hatten und die Vögel sich auf der Plattform angesiedelt hatten, erweiterte er, sofern es seine bescheidenen Mittel zuließen, diese Plattform bis zu ihrer heutigen Größe von 17000qm.

DIE VÖGEL:

Bewohner Bird Rocks - Kapitel 4 (Teil 1/2)

Zur Guanovogelgemeinschaft an der namibischen Küste gehören hauptsachlich der Kormoran, der Pinguin und der Tölpel und im geringeren Maße der Pelikan.

Der Brillenpinguin (Jackass Penguin, Spheniscus demursus) und der Kaptölpel (Cape Gannet, Morus capensis) kommen vorwiegend im südlichen Küstengebiet vor und sind die Hauptproduzenten von Guano auf den vorgelagerten Inseln. Auf Bird Rock und den anderen künstlichen Plattformen in den Lagunen am Kreuzkap und auf den Swakopmunder Salzfeldern, also im mittleren Küstengebiet, sind fast ausschließlich die Kormorane für die Guanoproduktion verantwortlich.

Im südlichen Afrika unterscheidet man fünf Arten Kormorane:

· den Kapkormoran (Cape Cormorant, Phalacrocorax capensis),

· den Weißbrustkormoran (White-breasted Cormorant, Ph. carbo),

· die Wahlbergscharbe (Crowned Cormorant, Ph. coronatus),

· die Küstenscharbe (Bank Cormorant, Ph. neglectus), and

· die Riedscharbe (Reed Cormorant, Ph. africanus).

Die überwiegend schwarzen Kormorane sind durch ihren schlanken Leib, dem langen Hals und den steifstehenden Schwanzfedern leicht zu identifizieren. Sie gehören in ihrer Art zu den Ruderfüßlern, die an den vier nach vorn stehenden Zehen mit Schwimmhauten ausgestattet sind. Der Kormoran fischt hauptsächlich an der Oberfläche des Wassers, sollte ihm aber ein Fisch entgleiten, ermöglichen ihm seine Füße, die Jagd in größere Tiefen fortzusetzen. Im Gegensatz zu anderen Seevogeln ist ihr Federkleid nicht ganz wasserdicht. Deshalb sieht man Kormorane oft mit ausgebreiteten Flügeln und Schwanzfedern in der Sonne hocken, um diese zu trocknen.

Der Kapkormoran ist die weitaus häufigste Art und daher auch der Hauptguanoproduzent. Der Bonner Zoologe, Prof. Dr. Günther Niethammer, der auch schon die Guanovögel Südamerikas eingehend studiert hatte, schätzte 1960, daß ein Kapkormoran an der südwestafrikanischen Küste im Jahr etwa zehn Kilogramm Guano liefert.

BILD 1

Der Kapkormoran ist kleiner als seine anderen Artgenossen und ist hauptsächlich an einem gelben Fleck an der Basis seines Schnabels zu erkennen. Man findet ihn von der Mündung des Kongos, südwärts ums Kap herum, bis nach Durban. Er brütet aber nur im südlichen Afrika. Diese Kormorane sind sehr gesellige Vögel, die in großen Kolonien brüten. Dr. Tony Williams, dem Ornithologen verantwortlich für den Küstenschutz zufolge, brüteten 1993 etwa 2 500 Paare auf Bird Rock, aber bis zu 170 000 Kormorane hocken oft gleichzeitig auf der Insel, d.h. 10 Vogel pro qm. Früher mußten sich ungeheure Schwärme dieser Vogel an der zentralen Küste aufgehalten haben. Besonders am Kreuzkap waren sie sehr zahlreich wovon die großen dort aufgefundenen Guanolager zeugten. Im Jahre 1936 schrieb der bekannte Naturwissenschaftler und Lehrer im damaligen Südwestafrika, Dr. Georg Boss, daß sich in jenem Jahr Millionen Kormorane in Sandwichhafen aufhielten, so daß beim Auffliegen der Schwärme die Sonne buchstäblich verdunkelt wurde. Selbst noch 1956 schätzte Winter die Kormorane auf Bird Rock auf eine halbe Million (30 pro qm), an guten Tagen sogar bis zu einer Million.

BILD 2

Der Kapkormoran ist ein „Wandervogel“, der in großen Schwärmen, bis zu Tausenden, die Küste entlangzieht. Vor allem in den Sommermonaten kann man sie in ihrer typischen V-Formation tief über dem Meer auf der Suche nach besseren Fischgründen „trekken“ sehen. Früher dauerten solche Flüge manchmal den ganzen Tag. Sobald die Vögel einen Fischschwarm entdecken, lassen sie sich auf dem Wasser nieder, tauchen unter und wieder auf, so daß das Meer einem regen Tummelplatz gleicht. Der Kapkormoran ernährt sich von Tiefseefischen, die mehr an der Oberflache zu finden sind, wie Sardinen und Anschovis. Da diese Fischarten kommerziell gefangen werden, werden die Kapkormorane von der Fischindustrie nicht sehr geschätzt.

Der Weißbrustkormoran ist auch ein regelmäßiger Bewohner auf Bird Rock.

BILD 3

Da diese Kormoranart für seinen Nestbau allerlei Abfall verwendet, wie zum Beispiel Draht, Plastik und Stofffetzen, wird er von den Guanoproduzenten weniger geschätzt als der Kapkormoran, der nur Federn gebraucht und daher einen weniger verunreinigten Guano hinterläßt.

Der Weißbrustkormoran ist der größte der Kormorane und durch seine weiße Brust leicht zu erkennen. Er hält sich nicht nur an der Meeresküste auf, sondern auch im Inland auf Dämmen und Seen. Diese Art gibt es weltweit und ist über den ganzen afrikanischen Kontinent verbreitet. Während der Wintermonate brütet er auch auf Bird Rock. Im Jahre 1993 schätzte Dr. Williams diese Brutpopulation auf 60 Paare. Er ist ein Standvogel, der sich fast das ganze Jahr über an seinem Nistplatz aufhält. Diese Kormoranart fliegt zum Fischen nicht so weit aufs Meer hinaus wie der Kapkormoran und ernährt sich von recht großen Fischen, wie zum Beispiel der Meerbarbe, dem sogenannten „Harder“. Er frißt nicht in Scharen und ist auch keine Bedrohung für die Fischindustrie.

Auch die etwas seltenere Wahlbergscharbe ist auf Bird Rock zu finden. Sie unterscheidet sich von den anderen Arten durch rote Ringe um die Augen und einen längeren Schwanz. Außerdem hat sie eine Krone auf dem Kopf.

BILD 4 / BILD 5

Diese Kormoranart trifft man nur auf vorgelagerten Inseln und an felsigen Küstengebieten an, und zwar nur im Kaltwassergebiet des Benguelastromes. Ihre Nahrung, wie zum Beispiel der „Klipfisch“ (clinid rockfish), suchen sie im flachen Wasser zwischen den Felsen. Da ihre Nahrungsquelle beschränkt ist, gibt es nicht sehr viele Wahlbergscharben, und sie kommen auch nur in kleineren Gruppen vor. Im Jahre 1993 brüteten ungefähr 100 Paare auf Bird Rock. Ihre Nester sind aber nicht auf der Guanoinsel selber zu finden, sondern unterhalb zwischen den Verstrebungen und Pfeilern der Plattform. Deshalb tragen diese Kormorane auch sehr wenig, wenn überhaupt, zur Guanoproduktion der Insel bei.

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