22 Dezember 2006 | Kultur & Unterhaltung

Die feine Seele der Natur

Gerne hätte Gerd Bachran ein Bild gekauft. Damals, als er die Familie des Künstlers Jochen Henckert gelegentlich in Rehoboth besuchte. Doch leisten konnte er es sich nicht, "obwohl Frau Henckert mir mit dem Preis sehr entgegenkam", sagt Bachran. Er steht in der Woermann-Galerie vor einem in dunklem Holz gerahmten Henckert-Werk, das einen Leoparden im Busch zeigt.

Heute sind die Bilder des Künstlers unverkäuflich. Sie sind zum Teil in Privatbesitz, zum Teil Eigentum der Henckert-Foundation, die seine Familie gegründet hat. "Wir wollen so verhindern, dass der Nachlass meines Vaters verkauft wird und dadurch auseinander fällt", sagt Hans-Joachim Henckert. "Schade" findet Bachran das. Umso besser findet er die Idee des Henckert-Sohns, der ebenso wie sein Vater Hans-Joachim heißt, eine Gedenkausstellung in Swakopmund zu veranstalten.

Er sei oft auf die Bilder seines Vaters angesprochen worden. "Sein 100. Geburtstag ist jetzt eine gute Gelegenheit", sagt Henckert Junior, der als jüngstes Kind des Künstlers in Swakopmund geboren wurde und seit 1979 in Deutschland lebt. Als kleiner Junge sei er oft mit seinem Vater auf Motivsuche unterwegs gewesen. Henckerts Lieblingsmotive seien Sonnenuntergänge gewesen.

"Mein Vater war ein nostalgischer Romantiker", sagt Henckert. Für die Bilder kann sich der Sohn begeistern, für die Malerei allerdings nicht. Lediglich seine Tochter Sylvia hat diese Leidenschaft geerbt. Sie hat ein Portrait ihres Großvaters gemalt, das auf den Einladungen und Plakaten zur Eröffnung abgedruckt ist.Die Gedenkausstellung für Jochen Henckert soll an das Leben des namibischen Künstlers erinnern. Auf einem Bildschirm in der Galerie laufen Bilder, die verschiedene Stationen Henckerts zeigen. Nicht immer war sein Leben geradlinig verlaufen. Jochen Henckert wurde am 5. Juni 1906 in Rehoboth geboren. Nach dem Besuch der Kaiserlichen Realschule in Windhoek verließ er Namibia im Jahr 1923 und ging zur Ausbildung nach Deutschland. Sein Kunststudium an der Kunstakademie München brach er allerdings ab, weil ihm der Stil der dort Lehrenden schon damals zu progressiv war. Henckert liebte das Realistische.

Die enttäuschenden Erfahrungen an der Akademie führten zu einer Kehrtwende in seiner Ausbildung: Ab 1924 studierte er Maschinenbau in Berlin. Der Kunst blieb er auch weiterhin treu: Durch privaten Kunstunterricht bei Brehms Tierleben und Wilhelm Kuhnert bildete er sich weiter.

1929 dann kehrte Henckert zurück in das damalige Südwestafrika. Die 1930er Jahre waren geprägt von Farmerei, zeitweilig arbeitete Henckert auch auf den Diamantenfeldern von Oranjemund und Alexander Bay sowie als Postpilot. Vier Kinder in erster Ehe wurden geboren. Um seinen Lebensunterhalt zu sichern, sammelte der Künstler auch Guano in den Höhlen der Naukluft zum Export nach Europa. 1940 dann wurde Henckert in Andalusia interniert, aufgrund seiner Ausbildung aber für die Kriegsjahre nach Swakopmund verlegt zum Betrieb des E-Werkes.

Den Ort durfte er jedoch nicht verlassen, was sicherlich einer der Gründe dafür war, dass in dieser Zeit seine erste Ehe in die Brüche ging.1944 heiratete Henckert seine Frau Beate, mit der er drei Kinder hatte. Etwa zwei Jahre später siedelte die Familie auf die Farm Kunab bei Rehoboth um. 1958 musste Henckert die Farm auf Anordnung der Regierung im Rahmen der Apartheidspolitik verlassen und zog nach Karibib. Die Familie hatte alles verloren und musste von Null anfangen. In den 1960ern arbeitete Henckert vor allem im Bergbau. Als seine Frau zum Beginn der 1970er Jahre das erste typische Touristen- und Mineraliengeschäft in Karibib eröffnete, trieb sie ihren Mann gleichzeitig dazu an, sich mehr der Malerei zu widmen.

"Meine Mutter schirmte ihn ab und sorgte so für die erforderliche Ruhe zum Malen", erinnert sich Sohn Hans-Joachim. Die 1980er Jahre schließlich waren geprägt durch häufiges Reisen Henckerts, besonders nach Europa.

Auf seine Motive hatten dieserlei Unternehmungen jedoch keinen Einfluss. Henckerts Bilder zeigen fast ausnahmslos die namibische Landschaft und Tierwelt - in allen Details."Mit dem Alter wurde mein Vater immer akribischer", sagt Hans-Joachim Henckert und deutet auf die feinen Pinselstriche, die die vereinzelten Grashalme des namibischen Busches darstellen. Aus einiger Entfernung sieht das Gemälde aus, als wäre es ein Foto. Doch nicht einmal als Vorlage verwendete der Künstler Fotografien.

"Er hat sich Bleistift- und Kohleskizzen gemacht", sagt sein Sohn, "das war alles." Aus dem Gedächtnis habe Jochen Henckert die Motive anschließend gemalt, selbst die Schattierungen habe er im Kopf gehabt: "Mein Vater kannte seine Farben." Die warmen Rot-Töne der namibischen Sonnenuntergänge gehörten scheinbar zu Henckerts Lieblingsfarben. Zahlreiche seiner Bilder zeigen dieses Motiv. Die Werke hängen in schweren Rahmen an den Beige-gestrichenen Wänden der Woermann-Galerie. Es sind naiv-realistische Darstellungen mit klaren Aussagen.

Henckerts Leidenschaft war genau diese Klarheit: "Meine Maltechnik geht darauf hinaus, nicht mit dicker Farbe und großem Borstenpinsel aufgetragen aus einer gewissen Entfernung einen Totaleffekt zu erreichen, sondern im Ganzen und Feinen die Charakteristik und Seele der Natur wiederzugeben, wie ich sie sehe", hat er einmal gesagt. "Ich habe Henckert schon immer für diese Liebe zum Detail bewundert", sagt Wolfgang Biederlack. Er kannte Henckert bereits aus Kindertagen. Über die Gedenkausstellung in Swakopmund freut er sich: "Viele hier kannten Henckert persönlich."

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