01 Februar 2018 | Natur & Umwelt

Die Farmer im Herzen der Erongoberge und die Löwen

Die Meinungsäußerungen der EMRS (Erongo Mountain Rhino Sanctury) der letzten Wochen zeugen von Wunschträumen und Visionen und haben recht wenig mit der Realität zu tun.

Einige Farmer mitten im Erongo-Gebirge sind einer anderen Meinung. Denn die Familie Hinterholzer lebt bereits seit 1933 im Herzen des Gebirges und farmt mit Rindern und Schafen, genau wie die alteingesessenen Landwirt-Familien van Rhyn und van Alphen, die seit dem vorigen Jahrhundert in dieser Gegend farmen. Im Gegensatz zu der Meinung der EMRS, die behaupten, dass sich die Umgebung im Erongo nicht für die Landwirtschaft eignet, bewirtschaften die besagten Familien seit vielen Jahren ihre Farmen in dieser Gegend und haben diese gut ausbauen können.

Die beigefügte Karte markiert in Rot die Grenzen des EMRS-Hegegebietes. Daraus ist deutlich ersichtlich, dass das Hegegebiet kein geschlossenes Gebiet der EMRS-Mitglieder darstellt. In Gelb sind die Farmen der Landwirte gekennzeichnet, die sich gegen freilaufende Löwen in dieser Berglandschaft ausgesprochen haben. Die an das Hegegebiet grenzenden Landwirte sind im Übrigen auch gegen freilaufende Löwen. Der Löwe war noch nie in diesen Bergen beheimatet, da es dort generell zu wenig Wild gab. Der im Jahre 1935 auf der Farm Ombu geborene und dort lebende Fritz Hinterholzer kann sich in dieser gesamten Zeit nur an zwei einzelne Löwen erinnern, 1954 und zuletzt 1970. In der Zeit, seitdem sich die Farmer dort angesiedelt haben, gab es keine permanent ansässigen Löwenrudel in dem Gebirgsmassiv.

In den vergangenen 30 Jahren haben Erscheinungen wie Trophäenjagd, Gäste-Farmerei, Lodges und Kampplätze die vorher inhärente Abhängigkeit von der kommerziellen Farmerei gelindert. Die meisten Betriebe bestanden unabhängig lange bevor die EMRS gegründet wurde. Unserer Nachfragen ergeben, dass so gut wie keiner wirkliche Vorteile durch die EMRS verbuchen kann. Diese Betriebe betreiben erfolgreich ihre eigene Werbung und nehmen Buchungen seit jeher individuell an. Zudem haben sich einige dieser Farmer zusammengetan und ihr eigenes Hegegebiet gegründet, unabhängig von dem EMRS.

Wo es die sogenannten „Überbestände des Wildes“ geben soll, ist uns unverständlich. Ebenso fehlen die angeblich geschlossenen Wildzäune in oder um das EMRS. Trockenheit und Tollwut haben auf natürlichem Wege die Tiere stark dezimiert, dazu bedurfte es keiner Löwen. Die vielen Wildhüter im Gebiet der EMRS gibt es bei uns auf den Farmen jedenfalls nicht - wir haben sie noch nie gesehen. Wir waren bisher recht gut in der Lage unseren Tierbestand selbst zu schützen.

Alle Interessenten, die gerne Löwen anhalten möchten, sollten wie im namibischen Gesetz vorgesehen, die Vorschriften befolgen und die verlangten Unterlagen bei dem Umweltministerium (MET) einreichen, sonst darf es keine Löwen geben. Wieso brauchte das EMRS die relevanten Gesetze nicht einzuhalten? Warum erlaubt das MET eine Aussetzung der Löwen im Erongo-Gebirge ohne sie vorher mit Halsband-Sendern zu versehen? Warum wurden die Farmer in der Gegend der Erongo-Berge weder informiert noch um ihre Meinung gebeten? Warum stellt man den Medien eine fehlerhafte Landkarte zur Verfügung, die einen verkehrten Eindruck der Mitglieder widerspiegelt? Warum werden ahnungslose Menschen im Land - Familien mit Kindern, naturliebende Wanderer, Nutztierwächter und Touristen - der mit freilaufenden Löwen verbundenen Gefahr ausgesetzt?

Der Entschluss der MET, die Löwen wieder einzufangen und abermals umzusiedeln, sollte jedem Bürger zu denken geben. Der Minister hat die richtige Entscheidung getroffen wenn er die Löwen wieder umsiedeln und in sichere Gebiete bringen lässt, wodurch ein sich anbahnender Mensch-Tier-Konflikt verhindert wird.

Wenn die Vision des EMRS scheitert, liegt das nicht an Familie Kayser oder irgendeinem Farmer, sondern an ihrer eigenen Inkompetenz. Die Farm Eileen ist eine produktive Landwirtschafts-Einheit und der Eigentümer ist nicht abwesend, wenngleich das EMRS Gegenteiliges behauptet! Mit welchem Recht versucht das EMRS über Landbesitz anderer Menschen zu bestimmen und zu entscheiden?

Unlängst wurde eine Petition ins Leben gerufen und jeder Einwohner dieser Region, der sich gegen „freilaufende Löwen in und um die Omaruru-Region“ aussprechen will, kann sich bei der Omaruru-Schlachterei in die Petitionsliste eintragen. Abschriften der Petition werden demnächst an die MET und den namibischen Farmerverband NAU ausgehändigt, damit künftig klar ersichtlich ist, wer keine freilaufenden Löwen auf seinem Gelände zulassen möchte.

Nachdem die Löwen zum Ende des Monats November 2017 von MET und ERMS ausgesetzt wurden, hatten wir uns schriftlich mehrfach mit beiden Parteien in Verbindung gesetzt, wurden aber von beiden Parteien vollständig ignoriert - bis zum Tage der Veröffentlichung unseres Protests in den Landeszeitungen. Bisher bleibt ungeklärt warum? Sieht so die Zusammenarbeit seitens des EMRS aus?

Es steht der EMRS offen ihre Träume verwirklichen zu wollen, aber nur auf ihrem eigenen Land. Sie sollte sich dabei künftig einfach an die Landesgesetze halten ohne ungefragt über das Land anderer Menschen verfügen zu wollen. Freilaufende Löwen haben auf unserem Farmland keine Zukunft, ebenso wenig wie unsere Viehzucht auf ihrem Land eine Zukunft hat. Das EMRS besitzt genügend Land und niemand hält es davon ab, seine Vision in die Tat umzusetzen und Löwen im Rahmen des Gesetzes auszusetzen und ihnen somit neue Lebensräume zu schaffen. Wohlbemerkt bedarf dies elektrifizierter Grenzzäune (Löwensicher) um ihr eigenes Gebiet.

Ein Beitrag der Familien Hinterholzer, van Rhyn, van Alphen und Kayser (Erongo-Gebirge)

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