29 Juni 2018 | Leserpost

Deutschland hat überreagiert

Betr.: "Deutschland hat verschlafen" (SPIEGEL ONLINE, 18.6.2018)

Sehr geehrter Herr Steffen,

Ich habe gerade folgendes an den SPIEGEL ONLINE geschickt. Vielleicht möchte die AZ es auch veröffentlichen:

Zu dem Interview mit Henning Melber Völkermord in Namibia: "Deutschland hat verschlafen“ - im SPIEGEL ONLINE vom 18.06.2018 möchte ich folgendes kommentieren. Bitte veröffentlichen Sie das im Interesse einer ausgewogenen Berichterstattung:

Der SPIEGEL ONLINE erwähnt nicht, dass Henning Melber seit 1974 Mitglied der früheren Befreiungsbewegung SWAPO ist. Seit der Unabhängigkeit regiert die SWAPO Namibia mit absoluter und immer selbstherrlicherer Mehrheit. Obwohl Herr Melber in letzter Zeit sogar etwas kritisch über die Exzesse dieser seiner Partei geschrieben hat, kann er also keineswegs als objektiver, unparteiischer Beobachter gelten.

Herr Melber erwähnt nicht, dass die Reparationsfordernden keineswegs die Mehrheit der Bevölkerung Namibias darstellt, sondern auch innerhalb der Hereros und Nama eine kleine Minderheit sind, und dass die Hereros und Nama selbst auch nur eine Minderheit von 15-20% der Bevölkerung Namibias ausmacht; 50-60% der Bevölkerung Namibias besteht aus den 8 Ovambo-Stämmen, die, außer einem Gefecht bei Namutoni kaum Kampfhandlungen mit der deutschen Kolonialmacht hatten. Deshalb ist die namibische SWAPO-Regierung, die sich wiederum mehrheitlich auf Ovambos stützt, ziemlich zurückhaltend in ihrer Unterstützung der Reparationsfordernden. Schließlich leistet Deutschland ja doch wesentliche Wirtschafts-und Entwicklungshilfe an Namibia, ohne dass diese als Reparationen an nur eine lautstarke Minderheitsgruppe verstanden werden.

Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung Namibias sich ihr Brot im Schweiße ihres Angesichts verdient, haben sich leider hier in 28 Jahren Unabhängigkeit Gruppen einer Nimm- und Bettelkultur entwickelt:

Da gibt es zum Beispiel die Struggle-Kids, die auf Grund der Mitwirkung ihrer Eltern am “Struggle“ (Befreiungskampf) Fördermittel vom Staat oder sogar Arbeitsstellen beim Staat fordern.

Es gibt die Landfordernden, die vom Staat das Land zurückfordern, dass ihren Vorfahren angeblich von den Kolonialisten weggenommen wurde. Leider gibt es keine Karten aus der Vorkolonialzeit, aus denen ersichtlich wäre, welches Land wem gehörte. Laut ersten Schilderungen der vorkolonialen Missionare bekriegten sich gerade die Herero und Nama oft um Weidegründe für ihr Rinder. Einer der Nama-Stämme verbündete sich sogar etwa 3 Jahre lang unter Hendrik Witbooi mit den deutschen Kolonialtruppen gegen die Hereros.

Und dann gibt es die Reparationsfordernden, die auf Grund erlittenen Leides ihrer URGROSSELTERN durch die Kolonialisten, maßlose Forderungen dort stellen, wo offensichtlich etwas zu holen ist, bei der reichen Bundesrepublik Deutschland, die Namibia ja schon großzügig unterstützt. Diese Reparationsleistungen sollten natürlich nur an diese Gruppen geleistet werden, und gerade dass möchte die namibische Regierung offenbar aus verständlichen Gründen vermeiden.

Im Gegensatz zu Herrn Melber bin ich der Meinung, dass Deutschland nicht verschlafen hat, sondern im Gegenteil überreagiert hat und dadurch die Erwartungen der Reparationsfordernden erst angeheizt hat.

Mit bestem Dank und freundlichen Grüßen aus Namibia

Siegfried Eckleben

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