22 September 2021 | Geschichte

Der weiße Buschmann

Vom Wilderer zum Wildhüter

Im Jahre 1929 in Windhoek geboren, lernt Peter Stark, wie so viele „Südwester“, schon als Kind den Umgang mit einer Jagdwaffe und von einem Farmarbeiter das Verhalten des Wildes. Sein Leben zur freien Natur, dem Reitsport und vor allem der Jagd, verführten ihn zu Abenteuern, die ihm oft in Schwierigkeiten brachten. Seine Einstellung zur Jagd ändert sich drastisch, als er vom Ministerium für Naturschutz angestellt wird und er nun die Wilddiebe aufspüren muss, um das Wild im Etoscha-Nationalpark als Wildhüter zu beschützen.

9. Folge

Beinahe totgeschlagen

Während dieser Jahre standen mehrere Pferde auf unserem Grundstück, auch von anderen Besitzern. Wir hatten die Ställe und die Trainingsbahn und deshalb brachte man gerne die Pferde bei uns unter. Einer der Besitzer hatte einen großen, starken Herero als Pferdejungen. Dieser Schwarze war sehr überheblich und von sich selbst eingenommen. Eines Morgens stellten wir fest, dass der Junghengst dieses Besitzers nachts aus dem Stall ausgebrochen war und die anderen Pferde molestierte. Aller Wahrscheinlichkeit nach war der Stall des Hengstes unzureichend verschlossen worden. Meine Mutter und der Besitzer des Hengstes stellten den schwarzen Pfleger zur Rede, warum er den Hengst nicht gut genug verschlossen hätte. Daraufhin beschuldigte der Pfleger uns, dass wir (meine Mutter und ich) den Hengst aus dem Stall gelassen hätten in der Hoffnung, dass der Hengst sich verletzen würde. Das war keineswegs der Fall. Wir waren über diese grundlosen Beschuldigungen so wütend, dass ich letzten Endes den Pfleger angreifen wollte, der Besitzer aber hielt uns auseinander. Der Pfleger ging danach in die Stadt, um einzukaufen. Er würde abends zum Füttern zurückkommen und dann wollte ich ihn noch einmal zur Rede stellen, denn ich hatte mich noch längst nicht beruhigt.

Der Abend kam und somit auch der Pfleger. Er war dabei, die Pferde zu tränken. Als er ein Pferd in den Stall zurückgebracht hatte, wollte ich von ihm wissen, wieso er mich beschuldigt hätte, den Hengst herausgelassen zu haben. Er hielt ein Zaumzeug mit einer dicken Trense in der Hand. Er sagte nur, er hätte keine Lust darauf zu antworten und drohte mir mit der Trense. Das war mir natürlich zuviel des Guten. Als ich auf ihn zuging, wich er seitwärts aus und bekam mich in den „Nelsongriff“ von hinten zu fassen. (Hals des Gegners von hinten in die angewinkelte Armklemme und dann erdrosseln). Der Mann war groß, schwer und stark und hielt fest. Ich hatte damals noch keine Ahnung, wie man sich aus so einem Griff befreien konnte. Ich bekam keine Luft mehr und wurde schwächer und schwächer. Als ich erschlaffte, warf er mich zu Boden und bearbeitete mich mit der dicken Trense, indem er sie mir unaufhörlich gegen die Schläfen schlug. Mit seinen Schuhen trat er mir in den Bauch, in die Rippen, an Hals und Schläfen. Zwischendurch schlug er mich immer wieder mit dem Zaumzeug. Ich bemerkte die Tritte und Schläge nur noch im Unterbewusstsein, ich war noch nicht völlig bewusstlos. Plötzlich hielt er inne und lief davon. Im letzten Abendlicht beugte sich unser Nachbar über mich und fragte, was hier eigentlich los sei. Ich war zu schwach, um ihm antworten zu können. Der Nachbar rannte zu unserem Haus und holte meine Mutter, die von dem Geschehen nichts bemerkt hatte. Die beiden gossen Wasser über mich. Dann holte er schnell sein Auto, packte mich und meine Mutter hinein und brachte uns zum Krankenhaus in der Stadt.

Eine schmerzvolle Nacht folgte. Am nächsten Morgen kam die Polizei, um ein Protokoll aufzunehmen. Zum ersten Mal sah ich mich im Spiegel; beide Augen waren blutunterlaufen, da der Angreifer mir auch Sand in Augen und Mund gestopft hatte, um mich zu erwürgen. Die Haut an den Schläfen war abgeschürft, der Hals blaurot und dick angeschwollen. Überall im Gesicht, an den Rippen und der Bauchhöhle klebte die schwarze Schuhwichse, wo der Mann mit seinen schwarzen Schuhen nach mir getreten hatte. Wenn der Nachbar nichts bemerkt hätte, hätte der Schwarze mich totgeschlagen. Nach ein paar Tagen wurde ich wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Durch die Würgerei waren mehrere Adern in meinen Augen geplatzt und blieben ein warnendes Merkmal für den Rest meines Lebens. Von dem Nachbarn erfuhr ich, dass er anfangs gedacht hätte, der Schwarze sei mit Holzhacken beschäftigt. Dann aber kam ihm das Ganze verdächtig vor und bei näherem Hinschauen sah er, dass der vermeintliche Baumstamm ein Mensch war. Er zögerte nicht lange und schrie den Schwarzen an, der dann flüchtete. Der Angreifer wurde vorerst eingelocht und kam in Untersuchungshaft. Am Tage der Gerichtssache hatte der Arbeitgeber dem Angeklagten einen guten Rechtsanwalt besorgt. Der drehte die ganze Sache dann so, dass ich, der auf den Mann zugegangen war, somit der Angreifer war und der Mann sich nur verteidigt hätte. Er wurde freigesprochen. Wenn auch auf die schmerzhafte Art, so habe ich viel aus dieser Begebenheit gelernt! Ich war dem Tod knapp entronnen.

Die erste und einzige Trunkenheit – Teil 1/2

Ich war ungefähr 13 oder 14 Jahre alt und kam von den Winterferien auf Narachaams zurück. Ich hatte Blut geleckt und fing an, auf eigene Faust Großwild zu jagen. Die Erosberge waren voller Kudus. So hatte ich einmal einen großen Kudubullen ziemlich weit weg vom Haus in den Bergen geschossen. Er lag in einer Schlucht; ich musste über einige Hügel hinweg das Fleisch nach Hause tragen. Ich war allein und es dauerte sehr lange das Tier zu zerlegen. Feuer zu machen und Fleisch zu braten war unmöglich, Rauch und Feuerdunst hätten mich verraten können. Das Gewehr hatte ich bereits in einer Felsspalte versteckt. Kurz vor Sonnenuntergang war der Kudu schön säuberlich zerwirkt und die meisten guten Fleischteile hingen in einem dichten Baum. Dann hieß es ab nach Hause, in der Dunkelheit. Das Gewehr wurde mitgenommen, um es dort zu lassen. Was ich an guten Fleischstücken tragen konnte, ging zuerst mit nach Hause. Koste es was es wolle, das Fleisch musste geholt werden, „gemorscht“ (vergeudet) wird nichts! Im Mondschein strauchelte ich nun hoch-beladen mit Fleisch und Gewehr über Felsbrocken und durch dichten Hackiesbusch nach Hause. Um die Nacht voll nutzen zu können, ging ich zur Vollmondzeit auf Jagd. Endlich war ich zuhause. Es war eigentlich früh morgens; das mitgebrachte Fleisch wurde aufgehängt, das Gewehr verschlossen. Dann sattelte ich meine Pamela, eine Rappstute, die eigentlich mein Rennpferd war, bei mir müssen Pferde alles tun können, dafür hat der liebe Gott ihnen vier Beine gegeben. Rennen, springen und Fleisch tragen, das musste jedes Pferd leisten. Ich nahm mehrere Jutesäcke und Taue mit zurück zu dem Kudu. Das Aufladen war weniger leicht; die Säcke, die zu beiden Seiten vom Pferd hängen, müssen gleichmäßig beladen werden und derart befestigt sein, dass sie bergauf und bergab nicht rutschen. Ein Pferd kann rutschende Säcke übel nehmen, sich losreißen und dann mit der Fracht allein zu Hause ankommen .... Pamela konnte nicht alles tragen, den Rest musste ich selber tragen. So ging es wieder über Berg und Tal zurück, es war Winter und eiskalt. Den Rest der Nacht habe ich das Fleisch verarbeitet, um Montag früh den langen Weg zur Schule zu gehen. Erst habe ich natürlich gebadet, denn nach der Fleischtragerei sieht man aus wie ein Schwein frisch aus der Suhle. Nachmittags, ich war gerade beim Wurstmachen, als der Sohn des Nachbarn mich bei meiner Arbeit überraschte. Er gab seine Kommentare und ich musste gute Miene zum bösen Spiel machen. Letzthin einigten wir uns, dass wir noch ein paar Klein Windhoeker Freunde einladen würden zu einem leckeren „Braaivleis“. Dazu wollten wir der Kälte wegen Glühwein machen. Der Platz, an dem das Fest stattfinden sollte, war meine „Räuberhöhle“. Dies war eine Höhle hoch oben in den Bergen, wo wir so manche Zusammenkünfte hatten und Kriegsrat abhielten.

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