27 August 2021 | Geschichte

Der weiße Buschmann

Vom Wilderer zum Wildhüter

Im Jahre 1929 in Windhoek geboren, lernt Peter Stark, wie so viele „Südwester“, schon als Kind den Umgang mit einer Jagdwaffe und von einem Farmarbeiter das Verhalten des Wildes. Sein Leben zur freien Natur, dem Reitsport und vor allem der Jagd, verführten ihn zu Abenteuern, die ihm oft in Schwierigkeiten brachten. Seine Einstellung zur Jagd ändert sich drastisch, als er vom Ministerium für Naturschutz angestellt wird und er nun die Wilddiebe aufspüren muss, um das Wild im Etoscha-Nationalpark als Wildhüter zu beschützen.

4. Folge

Die Schulzeit – Teil 2

Unser Schulleiter oder Prinzipal, wie er auch genannt wurde, war auch der Besitzer der „Gelben Mamba“, die immer in einem Schrank verschlossen war. Er war eigentlich ein fairer Lehrer, konnte aber sehr hart sein. Er musste uns Schülern das Einmaleins beibringen. Wenn er morgens in die Klasse kam, ging die Fragerei gleich los. Bei Stark merkte er, dass der Kerl anscheinend nicht lernte, also musste man ihn als Ersten testen. Eines Tages dann war es soweit. Stark hatte wieder nicht gelernt; genug war genug. Stark wurde nach vorne gerufen und man zählte ihm „vom Himmel hoch da komm ich her“ drei saftige Schläge auf den Hintern. Joi, die brannten wie Feuer. Ich rieb mir ergebends den Hintern und gab Töne des Schmerzes von mir, sehr zum Gaudi der Klasse. Ich war beschämt, aber zugleich wuchs der Trotz in mir. „Wenn du Morgen dein Einmaleins nicht kannst, bekommst du noch drei dazu“. Am nächsten Tag dasselbe. Diesmal waren es sechs Schläge. Ich verbiss mir den Schmerz, schaltete ab und gab keinen Mucks von mir, sehr zum Erstaunen der Klasse. „Morgen dasselbe, Stark. Lerne, oder es kommen noch mal drei dazu“ sagte der Prinzipal zum Schluss. Am nächsten Tag wieder dasselbe. Dieses Mal waren es neun Schläge, alle auf dieselbe Stelle. Der Hintern brannte; in der Hölle könnte es nicht schlimmer sein. Ich hatte jedoch abgeschaltet und wieder keinen Ton von mir gegeben.

Als ich abends ins Bad ging, kam meine Mutter unerwartet herein, um mir den Rücken zu schrubben. Ich wollte noch ablehnen als sie die Bescherung sah. Entsetzt rief sie: „Wer hat das getan?“ Mein Rücken und mein Hintern hätten wohl jedem Bergzebra zur Ehre gereicht. Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich nicht gelernt hätte und dass ich mich im Vergleich zu den anderen nicht ungerecht behandelt gefühlt hätte. Sie rief gleich Tante Ecke und die beiden hielten Kriegsrat. Am nächsten Tag hatten wir keine Stunde beim Prinzipal. Er hatte „Damenbesuch“ und sein Büro war abgeschlossen. Was dort besprochen wurde, weiß ich bis heute nicht. Aber nachmittags riet meine Mutter mir zuhause, ganz ruhig, doch das Einmaleins zu lernen. Ich hatte sowieso bereits beschlos-sen, meinen Dickkopf fahren zu lassen.

Während meiner ganzen Schulzeit blieb ich ein Einzelgänger, bis hin zum Matrik. Da ich ritt, oder, wenn möglich, mich mit meinem Gewehr in den Erosbergen herumtrieb, hatte ich kaum Freunde. Ich spielte nicht Fußball oder andere Jugendspiele. Der einzige, der damals noch ritt, war Ernst Holtz, aber er wohnte auf der anderen Seite in Groß Windhoek und wir hatten der Entfernung wegen wenig Kontakt. Mein einziger guter Freund in den jungen Jahren war, wie gesagt, Siggi Triebner, aber wir wurden ja absichtlich auseinander gehalten.

Wir Deutschen hatten es in den Kriegsjahren gewiss nicht leicht, vor allem die Klein Windhoeker. Wir hatten einen langen Weg von Klein Windhoek bis zu den Schulen in Groß Windhoek. Wir mussten durch einen Bergpass, der zum Schlachtgebiet erklärt wurde. Wer zuerst aus der Schule kam, postierte sich oben mit einem Haufen Klippen, wer später unten vorbeikam, musste im Klippen-regen da durch. Knüppel wurden selbstverständlich auch mitgenommen und oft ging es hoch her. Wir Deutschen waren meist in der Minderheit. Wir wurden die „bleddie Duitsers“ genannt, die andern die „bleddie Jingos“. Allerdings erhielten wir später Verstärkung durch einige „OB Afrikaner“ (die Ossewa Brand- wag Bewegung.) Wir schlossen ein starkes Bündnis und dann ging es wesentlich besser. Später freundete ich mich mit einem Afrikaner an, Frikkie Willerman. Unsere Freundschaft hielt während der Schuljahre, später ging jeder seine Wege. Viele, viele Jahre später hat Frikkie mich kurz nach meiner Pensio-nierung, auf meinem „Plot“ (Kleinsiedlung) bei Ventersdorp in Südafrika besucht. Zwei alte graue Männer hatten sich viel aus der Jugendzeit zu erzählen.

Meine erste Jagdtrophäe

Nach alter Gewohnheit ging ich eines Nachmittags mit meinem Tesching in die Berge. Ich war etwa sieben oder acht Jahre alt. Nicht weit von unserem Haus entfernt glaubte ich einen Hasen gesehen zu haben. Ich wollte ihn schießen, denn Hasen waren begehrte Braten. Allerdings kam der Hase mir komisch vor, er hoppelte nicht, sondern lief auf allen vier Beinen, hatte aber dieselbe Farbe wie ein Hase. Ich pirschte mich in Deckung an, wie ich das von Moses gelernt hatte und als ich nah genug war, schoss ich. Dumpfer Aufschlag, der vermeintliche Hase zeichnete und flüchtete. Nach ein paar Fluchten fiel er um.

Als ich ihn erreichte, sah ich, dass zwei Hörner aus einem Haarbüschel zwischen den Lauschern herausragten. Der Hase war also ein kleines Böckchen. Meine Freude war groß, stolz trug ich ihn nach Hause und schlug ihn aus der Decke. Meine Mutter war gar nicht so sehr glücklich über meine Beute und meinte, man solle doch lieber die wenigen Böckchen schonen. Letzten Endes hat sie doch gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Das Fleisch wurde in Rotwein reif gemacht und ergab einen herrlichen Braten. Ich musste übrigens alles, was ich schoss, aufessen, außer Raubtieren, wie Mungos (Mangusten) oder verwilderte Katzen. Die Trophäe wurde sorgsam abgekocht und gesäubert und prunkte montiert über meinem Bett. Nachdem ich „Brehms Tierleben“ durchsucht hatte, fand ich heraus, dass der Bock, den ich geschossen hatte, ein Blau-böckchen war, also geschütztes Wild. Aber der Schaden war getan. Kurz darauf besuchte uns Bitz von Eckenbrecher, ein Sohn der Tante Ecke. Er farmte im Norden Südwests (Namibias) und war ein erfahrener Jäger. Als er die Trophäe sah, war er sofort überzeugt, dass es ein besonderes Exemplar sein musste. Er bat sich den Schädel aus und nahm an den Hörnern Maß. Sie waren knapp unter dem Weltrekord, der im „Roland Ward“ angegeben war.

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