28 Juni 2018 | Sport

Der Traum vom eigenen Fußball-Platz

Mit Herzblut engagiert sich Ex-Profi Collin Benjamin für den Jugendfußball

Den langen Streit mit dem Namibischen Fußball-Verband hat die HopSol-Jugendliga beigelegt. Nun träumt Ex-Profi Collin Benjamin von einem eigenen Fußballplatz für seine HopSol-Jugendliga. Der könnte dem gesamten namibischen Fußball guttun.

Von Florian Pütz,

Windhoek

Collin Benjamin muss viele Hände schütteln, als er den Rasen des Ramblers FC betritt. Hier in seiner Jugendliga kennt er den Trainer einer U13-Mannschaft, dort den Lehrer eines Schulteams, und natürlich begrüßen am Rande der Ligaspiele auch die Kinder ihr Idol, den ehemaligen Bundesliga-Star. Zu seiner aktiven Zeit beim Hamburger SV kam Benjamin in der Winter- und Sommerpause immer nach Hause in seine Heimatstadt Windhoek, erzählt er, als er sich in Ruhe auf die Trainerbank gesetzt hat. „Dann standen reihenweise Jungs Schlange vor meinem Haus und wollten ein Trikot vom HSV. Aber irgendwann hatte ich keine Trikots mehr“, sagt Benjamin und lacht.

Die Begeisterung der Kinder nahm er zum Anlass, sich im Jugendfußball in seiner Heimat zu engagieren. Zunächst gründete er die Collin Benjamin Soccer Academy, aus der mit der Zeit der Premier-League-Verein Tura Magic hervorging. Benjamin ist stolz, dass einige der Jungs von damals heute in der höchsten Liga Namibias spielen.

Doch das sollte es noch nicht gewesen sein: Gemeinsam mit dem Unternehmer Dr. Robert Hopperdietzel kam Benjamin 2017 auf die Idee, eine Jugendliga für Namibia zu gründen - ein Vorhaben, das selbst dem Namibischen Fußball-Verband bis dato nicht gelungen war. Doch innerhalb kurzer Zeit hoben Hopperdietzel und Benjamin die HopSol Youth Soccer League aus der Taufe. Die Liga befindet sich aktuell mitten in ihrer zweiten Saison, rund 2000 Kinder spielen jedes Wochenende in Windhoek und mittlerweile auch an der Küste in Swakopmund in den Altersklassen von der U9 bis zur U20.

Streit mit der NFA

Entsprechend soll das Verhältnis zwischen der HopSol Youth Soccer League und der NFA nicht besonders gut gewesen sein. Aber darüber lacht Benjamin heute. Denn zum Gespräch am Ramblers-Platz kommt der 39-Jährige mit guten Neuigkeiten. „Ich kann versichern, dass wir uns geeinigt haben. Wir haben diese Woche offiziell die Anerkennung vom Verband bekommen“, verriet der Liga-Manager am vergangenen Freitag. „Das heißt, unsere Jungs in der U17 oder U20 können, wenn sie gut genug sind, auch in die Nationalmannschaft berufen werden. Das ist wirklich eine Supersache.“ Das lässt den Ärger zwischen Liga und Verband verfliegen, meint der optimistisch gestimmte Ex-Profi. „Letztendlich ist es einfach nur wichtig, dass wir zusammengekommen sind.“

Mit der offiziellen Anerkennung durch die NFA ist eine Baustelle der HopSol-Jugendliga geschlossen. Liebend gern würde Benjamin aber bald eine neue Baustelle im eigentlichen Sinn eröffnen: Der Manager träumt von einem eigenen Fußball-Platz für die Jugendliga. „Wir sind seit Langem in Gesprächen mit der Stadt. Die Verträge sind jetzt bei den Anwälten“, verrät der ehemalige Außenverteidiger. „Es geht darum, einen alten Platz in Khomasdal, der nicht mehr benutzt wird, zu kriegen.“ Auf das Grundstück könnten dann knapp zweieinhalb Fußballfelder passen. Wenn alles in trockenen Tüchern ist, wollen die Verantwortlichen der Liga weitere Sponsoren suchen.

Die eigenen Platz-Pläne

Benjamins Augen leuchten, wenn er über den Traum vom eigenen Platz spricht. Man glaubt ihm sofort, was das eigene Fußballfeld ihm und der Liga bedeuten würde. Den Kunstrasen für den Platz, so überlegt er, könnte die Liga vielleicht aus Deutschland bekommen. Dort werden immer wieder Rasenteppiche bei Fußballvereinen ausgetauscht. Vielleicht könnte man einen alten Kunstrasen günstig nach Namibia bringen. Benjamin hat viele Ideen für den eigenen Platz. Nicht nur, dass die Liga dort unabhängig von anderen Vereinen spielen könnte. Nein, Benjamin denkt noch weiter: Neben dem Platz sollen Räumlichkeiten entstehen, in denen die Kinder für die Schule lernen können. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir das hinkriegen“, meint er optimistisch. „Dann ist für uns der Himmel die Grenze.“

Zur Weiterentwicklung der Liga und der fußballerischen Qualität hofft Benjamin zudem auf weitere Kooperationen mit den Fußballvereinen Namibias. Ein Beispiel dafür ist die Partnerschaft mit Black Africa FC: Vor wenigen Monaten schickte die HopSol-Liga gemeinsam mit dem Rekordmeister eine Mannschaft zu einem internationalen Turnier nach Südafrika. Die Spiele gegen europäische Top-Klubs waren vor allem eine Lehre aber auch ein Anreiz für die namibischen Jungs, meint Benjamin Der eine oder andere Junge ist seit dem Turnier angefixt: Die Brötchen mit Fußball verdienen? Laut Benjamin ist das für ein paar Talente der Liga durchaus möglich. „Das Level in Südafrika können die Jungs auf alle Fälle mit ein bisschen Arbeit erreichen“, sagt der der ehemalige Profi. „Klar, die Bundesliga, 2. Bundesliga, Deutschland - das ist schwer, das ist weit. Aber ich denke trotzdem: Wenn die Jungs ein gutes Level erreicht haben, können sie in Südafrika spielen.“

Große Träume eines kleinen Landes

Langfristig könnte die Arbeit der HopSol-Liga das Niveau des namibischen Fußballs anheben. Eine systematische fußballerische Ausbildung in der Jugend verspricht den Premier-League-Vereinen vielversprechende Talente - und der Nationalmannschaft die Chance, international aufzuholen. Dass Namibia ein - gemessen an der Bevölkerungsgröße - kleines Land ist, vertreibt Benjamins Optimismus nicht. „Wenn man die Erfolge von einem kleinen Land wie Island sieht, zeigt das: Es ist alles möglich mit Arbeit, mit System, mit Zusammenhalt“, meint er. WM-Teilnehmer Island hat wohlgemerkt nur knapp 330 000 Einwohner - in Namibia leben rund 2,5 Millionen Menschen.

Während des Gesprächs mit dem euphorischen Benjamin laufen zwei Spiele der U13 auf dem Rasen des Ramblers FC. Die Eltern am Rand feuern ihre Kinder an, die Trainer rufen Anweisungen auf das Feld. An Geld und Profikarriere denkt hier keiner der Jungs. Für die 60 Minuten auf dem Rasen zählt nur der Fußball. „Die Kinder wollen einfach nur Spaß haben“, sagt Benjamin. Dann steht er auf und kickt einen Ball aus dem Aus zurück auf das Spielfeld.

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