24 Januar 2020 | Kultur & Unterhaltung

Der Kämpfer des freiheitlichen Denkens

Filmvorführungen zu Ehren des Regisseurs Youssef Chahine

Die Namibia Arts Association veranstaltet einen Filmabend zu Ehren des verstorbenen ägyptischen Regisseurs Youssef Chahine. WAZon sprach mit Hans-Christian Mahnke, Mitglied der „Federation of African Film Critics“ über die Bedeutung des in Cannes ausgezeichneten Filmschaffenden für Afrika.

WAZon: Was ist der Anlass der Gedenkveranstaltung zu Ehren von Youssef Chahine?

Hans-Christian Mahnke: Der 25. Januar ist der Geburtstag des Künstlers. Wir hatten eigentlich drei Tage mit fünf Filmen geplant, aber die Räumlichkeiten waren einfach nicht vorhanden.

Was ist das Herausragendste, das Chahine für Afrika geschaffen hat? Wie hat er das angestellt?

Er hat mit seinem Filmwerk in über 50 Jahren mit fast jährlich einem Film ein Werk hinterlassen, das in Afrika unübertroffen ist. Nicht nur seine künstlerische Schöpfungskraft an sich, aber auch die Themen die er angesprochen hat: Frauenrechte, Toleranz gegenüber Religionen, freiheitlich demokratisches Denken, gegen kulturelle und wirtschaftlicher Ausbeutung, Korruption, Misswirtschaft, Zensur, Neo-Kolonialismus, gegen Geschichtsvergessen, fuer LGBTI… Aus dem Fundus und von seinen Weisheiten können Afrika und die Welt noch lange schöpfen.

Welche Bedeutung hat der Künstler speziell für Namibia?

Chahine ist ein Filmemacher, der ein Werk hinterlassen hat, das Filmemacher in der ganzen Welt studieren bzw. studieren sollten. Das gilt auch für namibische Filmemacher. Er ist ein großer Erzähler. Was Naguib Mahfouz für die Literatur ist, ist Chahine für den Film. Die Themen, die Chahine anspricht, betreffen auch Namibia, Ausbeutung, Intoleranz, Nationenbildung, Misswirtschaft, Korruption, Postkolonialismus und so weiter.

Falls es jemanden gibt, welcher Nachwuchsfilmemacher könnte am ehesten in seine Fußstapfen treten?

Mir fallen aus Ägypten, obwohl ich mich in dem Filmsektor recht gut auskenne, zunächst keine eindeutigen Nachfolger ein. Und die anderen großen aus Afrika sind zu alt oder verstorben. Denn was ihn einzigartig machte, ist auch das schiere Pensum an Filmen, das er vorgelegt hat. Und diese auf höchster Qualität und Relevanz.

Eventuell könnte Jahmil X.T. Qubeka aus Südafrika einem da in den Sinn kommen. Natürlich kommt es immer auch auf den Kontext an. Chahine kam aus Ägypten, ein Land mit großer Filmkultur. Da sind Länder im südlichen Afrika weit entfernt, was ja dann auch auf Förderung, gesellschaftliche Akzeptanz und wirtschaftlichen Aspekte der Filmindustrie benötigt.

Was können wir aus den Filmen Chahines lernen?

Wir können vor allem Menschlichkeit und Toleranz gegenüber den anderen lernen.

Welche Filmauswahl haben Sie für die Gedenkveranstaltung getroffen und warum haben Sie sich für diese Filme entschieden?

Ich wollte auf Filme setzen, die bisher noch nicht in Windhoek liefen. Schon damals hätte ich „The Land“ gerne gezeigt, jetzt klappt es. „Chaos“ war schon lange auf meiner Wunschliste, weil es ein Film ist, der einen mitreißt. Noch mehr, wenn man wie ich bei den Nachwehen des Arabischen Frühlings mehrmals in entscheidenden Momenten in Ägypten war, mittendrin. Und nun fast zehn Jahre nach dem 25. Januar 2011 muss man sehen muss, wo das Land wieder steht. Die Revolution frisst ihre Kinder, fällt mir dazu ein.

TERMIN:

25. Januar, Namibia Arts Association Trust, Macadam Street 10-14, Nähe Ausspannplatz, Windhoek.

16 Uhr: „The Land“, 19 Uhr: „Chaos“ und „Hamlet of Alexandria“, jeweils mit anschließenden Diskussionen

Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

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