22 November 2021 | Natur & Umwelt

Der Herr der Bäume

In Windhoek gibt es rund 500 öffentliche Grünflächen, die regelmäßig gepflegt werden müssen. Die AZ hat einen Zuständigen dafür getroffen. Der studierte Gartenbauer Jaco Fourie erklärt, warum die Wahl unserer Pflanzen in einem trockenen Land wie Namibia entscheidend ist.

Lea Dillmann

Windhoek

„Siehst du diesen groß gewachsenen Baum dort drüben?“, fragt Jaco Fourie und zeigt in Richtung eines rund 30 Meter hohen Baumes mit dicken geschwungenen Ästen, an denen saftige, dunkelgrüne Blätter zu erkennen sind. Dabei handelt es sich um einen blauen Eukalyptus, auch „Blue Gum Tree“ genannt, führt Fourie auf ein Kopfnicken hin fort. Der Baum sei heimisch im australischen Bundesstaat Victoria und in Tasmanien. Weil er hohe Temperaturen und starke Winde aushalten kann, ist er auch hier im Stadtgebiet Windhoeks zu finden, erklärt er. Anwohner müssen ihn nahe des Parks gepflanzt haben.

Fouries Tonfall ändert sich. Seine Mimik wirkt ernst. Was nach einem wunderbaren Schattenspender klingt, zieht viel Wasser, sagt er. Ein solch groß gewachsener „Blue Gum“ wie dieser nehme über seine Wurzeln an heißen Tagen bis zu 10 000 Liter Wasser auf. Wasser, das in einem trockenen Land wie Namibia so kostbar sei. „Das führt zu einer schlechteren Qualität des Grases, welches rings um den Baum wächst und der Grundwasserspiegel sinkt.“ Dieses Beispiel zeige, dass unsere Wahl, welche Bäume wir setzen, entscheidend ist. Bäume mit kleineren Blättern wie Akazien würden weniger Wasser benötigen. Daraufhin läuft er zu seinem Bakkie und steuert darin den nächsten Park an.

Fourie arbeitet seit zehn Jahren für die zuständige Behörde der Parks und öffentlichen Grünanlagen in Windhoek. Mehr als 500 soll es davon in ganz Windhoek geben. Aktuell ist er als einer der Abteilungsleiter für die Bepflanzung entlang der Straßen in der Stadt zuständig. Auf seinen Fahrten durch die Stadt kontrolliert er die Grünstreifen und die gesetzten Bäume. Der 41-Jährige ist in Windhoek aufgewachsen und hat Gartenbau an der technischen Universität in Pretoria studiert.

Schutz vor Kriminellen

„Meine Kollegen und ich versuchen die Stadt schöner zu gestalten“, beschreibt er das Ziel, als er vor einem weiterem Park hält, der durch ein Flussbett geteilt wird. Seine Arbeit bestehe zum einen aus der Erhaltung der Pflanzen und zum anderen die Grünanlagen sicherer zu gestalten. Das hohe Gras müsse regelmäßig geschnitten werden, um zu verhindern, dass sich Kriminelle darin verstecken. Die Polizei sollte jeden Park gut überblicken können. Ginge es nach den Beamten, sollte am liebsten jede Fläche gerodet werden. Eine Rodung ließe den Boden jedoch austrocknen und befördere Erdrutsche. Wenn dann stärkere Regenfälle eintreten, führt das zu unkontrollierbaren Flüssen, da das Wasser in dem trockenen Boden nur schwer versickert, erklärt der Pflanzenexperte.

Laut Fourie ist es zudem wichtig, die einheimischen Pflanzen zu schützen. Denn diese wiederrum würden von Vögeln bei der Wahl ihrer Brutstätte bevorzugt werden. Dabei zeigt er zu einem sogenannten Maskenweber, der gerade in sein Kugelnest schlüpft, das an einem dünnen Ast eines Kameldornbaumes hängt – welcher in Namibia zu den geschützten Pflanzenarten zählt. Der Schutz der einheimischen Bäume und Sträucher beginne damit, die Bevölkerung darüber aufzuklären, betont Fourie, und sie zu animieren, in ihren eigenen Gärten ursprüngliche Bäume Namibias zu pflanzen. Viele könnten nicht zwischen einheimischen und nicht einheimischen Pflanzen unterscheiden. Zum Beispiel der „Monkey thorn“ würde häufig fälschlicherweise für einen einheimischen Baum gehalten. Dabei stamme dieser ursprünglich aus Südafrika. Durch die Samen, die er abwirft, vermehre er sich selbstständig. Dabei verdränge er wiederrum andere Pflanzen und Bäume, auch einheimische. Die Stadt Windhoek setze deshalb immer wieder Chemie ein, um nicht einheimische Pflanzen vor einer radikalen Ausbreitung zu stoppen. Fourie schätzt diese Methode jedoch als „teurer, langsam und nur wenig wirkungsvoll“ ein – auch wenn er sicher ist, dass die Chemie für Menschen nicht schädlich ist.

Mit Mulch Wasser sparen

Letztlich gefährden nicht alle exotischen Pflanzen die Vielfalt der Natur in Namibia, sagt Fourie, während er bereits auf dem Weg zu einem weiteren Stopp in der Stadt ist. Sie würden auch gebraucht und füllen die Lücken der Stadt, so beispielsweise bunte Blumen. Fourie biegt zu einer Tankstelle ab und stellt seinen Wagen neben einem aus dunklem Holz gebauten Kaffeehäuschen ab. Aus dessen Dach ragen die dicken Äste eines Kameldornbaumes. Fourie schmunzelt und meint, so sollten wir alle mit Namibias Pflanzenvielfalt umgehen. Der Besitzer des Cafés sei dafür ausgezeichnet worden. Dabei sollten nach Fouries Meinung alle, die einen in Namibia geschützten Baum fällen, bestraft werden und nicht anderes herum. Er lässt die Autotür ins Schloss fallen und überquert die Straße. Als er den Mittelstreifen erreicht, bleibt er vor einem der Bäume stehen.

„Seit wir ‚Mulch‘ um die gesetzten Bäume verteilen, brauchen wir diese nur noch alle zwei statt jede Woche zu gießen“, erklärt er kniend neben einem „Celtis“-Baum, auch Zürgelbaum genannt. Das organische Material kühle die Erde und würde die Feuchtigkeit speichern. Das möchten Fourie und seine Kollegen an die Einwohner Windhoeks weitergeben. Aus diesem Grund hat die Behörde einen Sammelplatz für Grüngut eingerichtet, auf dem die Stadt all das organische Material ablädt, was in den öffentlichen Parks nach dem Zurechtschneiden zusammenkommt. Ein anhaltendes Problem sind Bäume, die gestohlen werden. „Erst vergangene Woche haben wir hier auf dem Mittelstreifen einen Baum gepflanzt“, erinnert sich Fourie. „Am nächsten Tag war dieser verschwunden.“ Hin und wieder würden auch Pflanzen überfahren.

Zurück im Bakkie steuert Fourie den Sammelplatz an, der direkt hinter seinem Büro liegt. In der prallen Mittagssonne steht er neben einem großen Berg an Grünabfall und greift nach einem Palmblatt. Das Material steht der Bevölkerung zur Verfügung und kann kostenlos bei der Behörde für Parks und öffentliche Grünanlagen der Stadt Windhoek („Parks Division“) abgeholt werden, sagt Fourie, lässt das Palmblatt fallen und schreitet durch das Tor zurück zur Behörde, deren Eingang in Schatten gehüllt ist.

Damit endet Fouries Tour für heute, die in einem Park mit Blick auf einen riesigen „Blue Gum Tree“ begann. „Was ich in Windhoek vermisse, sind Parks, in denen sich die Menschen nach Feierabend aufhalten können, um zu entspannen“, sagt Fourie. Aktuell würde die Parks von den Einwohnern als ungenutzte Fläche angesehen, was schade sei. Es komme sogar vor, dass Menschen ihren Müll dort abladen. Diese Sichtweise möchte Fourie verändern. „Wir möchten der Gesellschaft etwas zurückgeben.“ Er senkt seinen Blick, wendet sich dem Gebäude zu. Kurz darauf ist nur noch sein Umriss durch die große Glastüre zu sehen.

Gleiche Nachricht

 

Viele Buckelwale verendet

vor 10 stunden | Natur & Umwelt

Swakopmund/Walvis Bay (er) - Knapp zehn Wale sind in den vergangenen drei Monaten entlang Namibias zentraler Westküste gestrandet. „Das sind die Tiere von denen wir...

Doktoranden für die Weltklimapolitik

vor 1 tag - 30 November 2021 | Natur & Umwelt

Von Kevin Santy WINDHOEK„Multilaterale Umweltverträge waren noch nie so wichtig wie jetzt, wo die Weltgemeinschaft zusammenarbeitet um Herausforderungen wie Klimawandel, Bodendegradation und den Verlust der...

Toter Buckelwal nahe der Mole gestrandet

vor 2 tagen - 29 November 2021 | Natur & Umwelt

Ein junger Buckelwal ist am Samstag in Swakopmund tot an Land gespült. Der Kadaver des Tieres liegt am Strand nahe dem gelben Imbisswagen Fork ’n...

Elefantenmutter lehnt junges Kalb ab

vor 2 tagen - 29 November 2021 | Natur & Umwelt

Swakopmund/Omshila-Gondjimba (er) - Ein zwei Wochen altes Elefantenkalb hat bei der Okutala-Lodge südlich von Okaukuejo bzw. dem Etoscha-Nationalpark ein neues Zuhause gefunden, nachdem die Elefantenmutter...

ReconAfrica erneut unter Beschuss

vor 5 tagen - 26 November 2021 | Natur & Umwelt

Von Frank Steffen, Windhoek In dieser Woche fand eine Versammlung der Mitglieder des George-Mukoya-Hegegebiets oberhalb des Khaudum-Nationalparks statt. Das kanadische Gas- und Ölexplorationsunternehmen Reconnaissance Energy...

Skelettküsten-Nationalpark wird aufgeräumt

vor 5 tagen - 26 November 2021 | Natur & Umwelt

Umweltminister Pohamba Shifeta (M.) hat am Mittwoch eine Aufräumkampagne im Skelettküsten-Nationalpark gestartet. Bei der offiziellen Feierlichkeit bei Terrace Bay war auch Altpräsident Sam Nujoma (vorn...

Spende wiederholt gefeiert

1 woche her - 24 November 2021 | Natur & Umwelt

Von Frank Steffen, Windhoek Vor etlichen Monaten war ReconAfrica in internationalen Medien und vor allem vom ReconAfrica-Kritiker und Leerverkäufer Viceroy dafür kritisiert worden, dass es...

Simson Uri-Khob vom SRT für sein Lebenswerk ausgezeichnet

1 woche her - 24 November 2021 | Natur & Umwelt

Als Simson Uri-Khob Anfang der 1990er Jahre dem Save the Rhino Trust (SRT) beitrat, war Namibias Spitzmaulnashornpopulation, die einzige weltweit, nach einer schrecklichen Dürre sowie...

Der Herr der Bäume

1 woche her - 22 November 2021 | Natur & Umwelt

Lea Dillmann Windhoek„Siehst du diesen groß gewachsenen Baum dort drüben?“, fragt Jaco Fourie und zeigt in Richtung eines rund 30 Meter hohen Baumes mit dicken...

#aznamnews: MEFT sucht das Gespräch mit Tourismus-Industrie

1 woche her - 20 November 2021 | Natur & Umwelt

Das Ministerium für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus (MEFT) will sich im ganzen Land mit Interessenträgern der Tourismus-Industrie treffen. Es geht um die Wiederbelebung dieses Sektors,...