07 Januar 2014 | Tourismus

Der geheimnisvolle Otjikotosee

Der Otjikotosee liegt etwa 22 Kilometer von dem Minenstädtchen Tsumeb, in der Otjikoto-Region, entfernt. Es gibt nur zwei Seen in Namibia, die ständig mit Wasser gefüllt sind: Das sind der Otjikoto- und der Guinasee, den man als den Zwilligssee des Otjikotossees bezeichnet. Dieser befindet sich 15 Kilometer weiter. Natürlich war der See den Ureinwohnern, den San, schon seit Jahrtausenden bekannt. Doch vor über 160 Jahren wurde er von den beiden Forschungsreisenden Charles John Andersson und Francis Galton „entdeckt“. Den Namen haben die beiden Wissenschaftler von den Hereros übernommen, die seit einigen Jahrhunderten in diesem Land lebten. In ihrer Sprache bedeutet Otjikoto „tiefes Loch“. Vor vielen Millionen Jahren haben Grundwasser und Oberflächenwasser dort wasserlösliches Gestein im meist zerklüfteten Kalkgestein ausgewaschen. Die Hohlräume wurden immer größer, bis schließlich die Decken die darüber liegende Gesteinslast nicht mehr tragen konnte und einstürzten. Die so entstandenen Dolinen lagen jedoch unterhalb des Grundwassers und füllten sich mit diesem. Zwei Karstseen waren geboren. Während der Guineasee 140 m lang und 70 m breit ist, übertrifft ihn der fast kreisrunde Otjikotosee mit einem Durchmesser von 100 m. Dafür ist er mit seinen 55 m nicht ganz so tief, denn im Guineasee wurde an seiner tiefsten Stelle 119 m gemessen. Außerdem weißt der Guineasee noch eine weitere Besonderheit auf. Seitliche Gesteinsauflösung unterhalb der Wasseroberfläche haben dazu geführt, dass der See mit zunehmender Tiefe breiter wird, also eine Art umgestülpter Trichter bildet. Damit gilt dieser See als zwölft größte Unterwasserhöhle der Welt (aus: Namibias faszinierende Geologie von Nicole Grünert) Als Offiziere der deutschen Schutztruppe 1915 erkannten, dass der Krieg verloren war, ließen sie Kanonen, Gewehre und Munition im Otjikotosee versenken, damit diese den südafrikanischen Truppen nicht in die Hände fiel. Erst nach einem weiteren Weltkrieg, fast drei Generation später, wurde Ende der 80er Jahre ein Teil der Geschütze aus dem See geborgen und sorgsam restauriert. Man kann sie heute im Tsumeb-Museum betrachten, wo sie als schweigende Zeitzeugen ausgestellt sind. Der Otjikotosee birgt bestimmt noch vieles, das besser nie geborgen wird. So gibt es zum Beispiel die Geschichte eines Postmeisters, der in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts im See gebadet haben soll und dabei ertrank. Seine Leiche ist nie aufgetaucht. Auch die Ovambos glauben, dass niemand den See lebendig verlässt. Angeblich soll der Otjikotosee an ein, zu großen Teilen noch unerforschtes, unterirdisches Kanalsystem Anschluss haben, welches bis zu verschiedenen Wasserstellen im Etoscha-Nationalpark reichen soll. Außerdem gibt es Vermutungen, dass die beiden Seen Otjikoto und Guinea unterirdisch miteinander verbunden sind, doch konnte das bisher von niemanden bestätigt werden. 1955 wurde der Otjikotosee als ein Nationales Denkmal deklariert. Wiebke Schmidt.

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