03 November 2011 | Natur & Umwelt

Der Erongo, eine geologisch faszinierende Gegend

Der Erongo gehört geologisch betrachtet zu den sogenannten Post-Karoo Komplexen. Darunter werden mindestens 26 vulkanische und plutonische Strukturen zusammengefasst, die in einem Zeitraum von 138 bis 124 Mio Jahren unter ähnlichen geologischen Bedingungen gebildet wurden. Diese Gesteinsmassive erstrecken sich auf einer Länge von mehr als 350 km in nordöstlicher Richtung von Cape Cross bis zum Okorusu-Berg bei Otjiwarongo. ** Die Post-Karoo Komplexe sind Teil der riesigen magmatischen Parana-Etendeka-Provinz, die vor dem Auseinanderbrechen des Gondwana-Kontinents weite Teile des südlichen Afrikas und Südamerikas bedeckte.

Die Bildung dieser magmatischen Körper ist auf Hotspot-Vulkanismus zurückzuführen. Verantwortlich für die Aufschmelzung und somit Ausdünnung der Erdkruste sowie letztendlich auch für die Öffnung des Atlantiks war der Tristan da Cunha Hotspot. Es wird angenommen, dass dieser zur Post-Karoo-Zeit unterhalb Südangolas gelegen haben soll. Heute befindet er sich im Südatlantik im Bereich der gleichnamigen Inselgruppe.

Hotspots sind lokale Hitzequellen im Erdmantel, die durch erhöhten radioaktiven Zerfall angeheizt werden. Im Gegensatz zu den Erdplatten bewegen sie sich nicht, sondern sind stationär. Gleitet die Erdkruste über einen Hotspot hinweg, wird sie lokal aufgeschmolzen. Es entstehen dadurch Magmenherde, deren Schmelzen vulkanische Ketten bilden. Die so gebildeten Vulkane weisen ein zunehmendes Alter mit größerer Entfernung zum Hotspot auf. Bestes Beispiel für aktiven Hotspot-Vulkanismus ist die Inselkette von Hawaii bis Midway im Pazifischen Ozean. Auch der Tristan da Cunha Hotspot hat eine ähnliche vulkanische Inselkette im Atlantik hinterlassen und war zudem für die Entstehung der kontinentalen Post-Karoo Komplexe in Namibia, also auch dem Erongo, zuständig.

Mit einer Größe von 35 km Durchmesser ist der Erongo der größte dieser Post-Karoo-Komplexe. Seine Entstehung und auch seine heutige Position sind auf tektonische Gesetzmässigkeiten zurückzuführen, denn der Erongo ist genau auf der südlichen Fortsetzung der Waterberg-Störung, dem sogenannten Omaruru Lineament gelegen. Der Verlauf dieser Störung ist noch heute an einigen Stellen im Gelände zu erkennen, wie zum Beispiel in der Nähe des Krantzbergs bei Omaruru.
Diese und weitere Störungen waren schon während der Karoo-Zeit aktiv und führten zur Bildung geologischer Gräben zwischen dem heutigen Waterberg und dem Erongo (Waterberg-Erongo/Karoo-Becken). Nicht nur am Waterberg sondern auch am Erongo wurden zahlreiche Sedimente durch Flüsse antransportiert und in tektonischen und morphologischen Senken abgelagert. Die karoozeitlichen Sedimentgesteine der Erongo-Gegend werden in die Krantzberg- und Lionhead-(Löwenkopf)-Formation gegliedert, deren Ablagerungsräume durch eine weitere tektonische Grenze, die Ameib-Line, von einander getrennt sind. Während die Krantzberg-Formation im Wesentlichen aus grobem Gesteinsschutt umliegender Hochländer besteht, wird die weitaus mächtigere Lionshead-Formation als Schwemmfächerablagerung karoozeitlicher Flüsse interpretiert. ** Das Gebiet zwischen dem Waterberg und dem Erongo weißt die mächtigsten Ablagerungen Triassisch-Jurassischer Gesteine in ganz Namibia auf.

Die vulkanische Entwicklung in der Erongo-Gegend begann vor ca. 132 Millionen Jahren. Auch bei diesem Ereignis standen intensive Blockschollenbewegungen längs der Waterberg-Störung bzw. dem Omaruru Lineament in Verbindung mit aufsteigenden Magmen im Vordergrund. Am Aufbau des Erongo-Vulkans waren sowohl basaltische als auch quarzreiche (saure) Magmen beteiligt. Während der Chemismus der basaltischen Schmelzen auf eine Herkunft aus dem Erdmantel schließen lässt, wurden die sauren Magmen durch aufgeschmolzene Erdkrustenteile bereitgestellt, die wahrscheinlich durch den Tristan da Cunha Hotspot gebildet wurden. Die vulkanischen Erongo-Gesteine wurden sowohl auf damarazeitlichen Meta-Sedimenten und Graniten, als auch auf jüngeren, karoozeitlichen Sedimenten abgelagert.

In einem ersten Entwicklungsstadium bildeten sich basaltische Schmelzen, die eine 200-300 m dicke Lava-Decke entstehen liessen. Überreste dieser einst mächtigen Basalt-Laven sind heute noch vor allem an der westlichen Außenwand der Vulkan-Ruine des Erongos zu erkennen.** Ebenso werden zwei markante Bergspitzen in der Umgebung der Ortschaft Karibib, der Sargdeckel und die Jungfrau, aus Erongo-Basalt aufgebaut. Die Vorkommen dort belegen, dass die Erongo-Basalte nach ihrer Bildung einst viel größere Flächen bedeckten. Geochemische Untersuchunen haben allerdings gezeigt, dass die Basalt-Laven gar nicht mit dem eigentlichen Erongo-Vulkanismus in Verbindung stehen, sondern der vulkanischen Etendeka-Provinz in Nordwest-Namibia zugeordnet werden. Die Basaltgesteine wurden also in viel größeren Entfernungen, vermutlich aus vulkanischen Zentren am Messumkrater gefördert. Daher wurde das Alter der Erongo-Basalte mit der Bildung der Etendeka-Gesteine im nordwestlichen Damaraland gleichgesetzt und auf 132 Mio. Jahre datiert.

Erst nach Bildung der Basalte begann die eigentliche Entstehung des Erongo-Vulkans. Während drei unterschiedlicher vulkanischer Zyklen kam es zum Auswurf pyroklastischer Gesteine. Unter Pyroklastika werden Fragmente vulkanischen Materials verstanden, die während des Ausbruchs in die Luft geschleudert und dort unter Druckentlastung explosionsartig auseinander gefetzt werden. Je nach Korngröße wird dabei zwischen Aschen und Bomben unterschieden. Ein Gestein aus verfestigten Aschelagen wird als vulkanischer Tuff (z.B. Bimstein) bezeichnet. Quarzreiche, pyroklastische Ablagerungen bauen heute zum Teil die steilen Außenwände, aber auch große Bereiche im Inneren des Vulkans auf. Eine besondere Art der Pyroklastika, die Ignimbrite, bilden sich aus heißen Glutwolken.

Weite Bereiche des Untergrunds im zentralen Teil des Berges werden aus sogenanntem Erongo-Granodiorit gebildet. Dieses Intrusiv-Gestein wird von den Wissenschaftlern als plutonisches Equivalent zu den quarzreichen vulkanischen Gesteinen gedeutet. Daher wird das heutige Vorkommen des Granodiorits als der ehemalige Schlot des riesigen Erongo-Vulkans interpretiert, durch den die imensen Massen unterschiedlichsten vulkanischen Materials an die Oberfläche gefördert wurden.

Aufgrund des schnellen Aufstiegs enormer Mengen magmatischen Materials trat im Untergrund des Vulkans schnell ein Massendefizit auf und der gesamte Oberbau des Berges stürzte ein. Daher kam es in einem nächsten Entwicklungsstatium zur Bildung einer großen Caldera-Struktur (Einsturz-Krater), die auch heute noch die Morphologie des Berginneren prägt. Anhand des heutigen Auftretens einiger Gesteinsarten in bestimmten Höhen-Niveaus konnte eine Einsturztiefe von mindestens 500 m errechnet werden.
Zusätzlich ist der Erongo von einem Olivin-Dolerit-Ring umgeben. Dieser bis zu 200 m dicke Gesteins-Gürtel umschließt den Berg in einem Radius von ca. 32 km in nördlicher Richtung fast komplett. Im Süden und Südosten ist die Ringstruktur nur lückenhaft ausgebildet. Besonders gut ist dieser Gesteinsring längs der C 36 zwischen Omaruru und Uis aufgeschlossen.** Mit der Bildung des Dolerit-Rings kam die Erde um den Erongo noch lange nicht zur Ruhe. In einem weiteren Entwicklungsabschnitt drangen große Mengen granitischer Schmelzen rings um den Erongo-Vulkan in die Erdkruste ein. Dieser Erongo-Granit bildet heute einen deutlich sichtbaren Ring um die alte Vulkanruine. Die spektakulären Verwitterungsformen, wie z.B. bei der Bull's Party auf Ameib, sind in diesen Granitvorkommen zu finden.** Zudem sind sämtliche bekannte Mineral-Lagerstätten rund um den Berg an das Auftreten des Erongo-Granits gebunden.

Obwohl der Erongo von Außen den Eindruck eines geschlossenen Komplexes macht, haben sich im Inneren des Berges 11 einzelne, aber miteinander verbundene morphologische Becken gebildet, deren Basis jeweils in unterschiedlichen Höhen-Niveaus zu finden ist. Im Vergleich mit den steilen westlichen, südlichen oder östlichen Rändern ist der Nordteil des alten Vulkans durch Abtragungsvorgänge und Trockenflussläufe bereits sehr stark zergliedert.

Aufgrund seiner interessanten Entstehungsgeschichte, der reichen Vielfalt unterschiedlichster Gesteine und Mineralienvorkommen, sowie faszinierender Landschaften kann der Erongo mit Recht zu den geologisch faszinierendsten Gegenden Namibias gezählt werden.

Nicole Grünert

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