23 Dezember 2008 | Lokales

Der Engel schreit: "Ein Kind ist geboren"

Im Zentrum von C.H.A.I.N. (Children with Handicaps Action in Namibia) im Swakopmunder Vorort Mondesa hat die Weihnachtsfeier begonnen. Die Kinder sind zeremoniell verkleidet worden, ihre Spezialrollstühle festlich geschmückt. Für eine kleine Gruppe Zuschauer wird das Krippenspiel aufgeführt. Die drei Heiligen Könige haben Kronen auf dem Kopf, aber ein König blickt apathisch drein und seine Arme ruhen verkrümmt und teilnahmslos auf seinem Brustkorb. Aus dem Mund des Hirten läuft der Speichel. Und wieder schreit der Engel. Lea Kotungondo, Heilpädagogin und Leiterin von C.H.A.I.N stimmt ein Weihnachtslied an und plötzlich kommt Bewegung in die kleine Theatergruppe. Zwischen den gesungenen Wörtern der Zuschauer sind grunzende Laute zu hören, die Hände wollen klatschen, aber sie wirbeln nur unkontrolliert umher, denn die Motorik der Arme versagt. Die Münder haben sich inzwischen zu einem breiten Grinsen verzogen. Manch kleine Kehle gibt ein befreiendes Jauchzen wieder, während sich bei mir die Augen mit Tränen füllen. Der Engel schreit. Nur so kann er heraus posaunen: "Euch ist ein Kind geboren."

Nach dieser kurzen Darbietung fordert Lea alle Anwesenden auf, den Weihnachtsmann zu rufen. Wieder winkt der Wirt unaufhaltsam den Gast im roten Gewand zur Tür herein. Wieder fuchteln die dünnen Ärmchen unkontrolliert in der Luft herum. Das ist ihr zweiter Auftritt, noch einmal geben sie alles. Der Mann mit dem weißen Bart und dem verrutschten Kissenbauch beginnt die Gaben zu verteilen. Auch der teilnahmslose König bekommt ein Geschenk in den Schoß gelegt. Ich versuche, bei ihm ein Glücksgefühl zu entdecken, doch ich erkenne keins. Das bunte Paket rutscht von seinen mageren Beinchen auf den Boden. Er guckt nicht hinterher. Dafür freuen sich die anderen Könige, Hirten, Maria und Josef und der Wirt umso mehr über die knisternden Bündel. Die Köpfe wippen auf und ab und hin und her, während sie versuchen, nach ihren Geschenken zu greifen. Ihr Freudentaumel schnürt mir erneut die Kehle zu.

Vier fest angestellte C.H.A.I.N.-Betreuer kümmern sich tagsüber aufopfernd um 14 bis 23 schwerstbehinderte Kinder; davon sind acht an den Rollstuhl "gefesselt" und brauchen eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Der Großteil dieser Schützlinge kommt aus armen Verhältnissen. Weil es zu Hause meist an einer aufbauenden, vitaminreichen Nahrung fehlt, versorgt C.H.A.I.N. die Kinder tagsüber zusätzlich mit viel Obst und Gemüse. Das heißt, wenn genügend Spenden eingegangen sind, denn C.H.A.I.N. ist eine gemeinnützige Privatinitiative, die einst von drei Müttern mit Down-Syndrom-Kindern gegründet wurde und jetzt von einem Vorstand freiwilliger Helfer geleitet wird.

Diese Unterstützungsgruppe ist von Sponsoren abhängig. Es fehlt immer an Rollstühlen, Hörgeräten, Brillen und andere Notwendigkeiten für behinderte Kinder. C.H.A.I.N. versucht, wo es geht die finanziellen Kosten für nötige Operationen und Krankenhausaufenthalte zu tragen. Ihr Motto: "Wir helfen denen, die sich am wenigsten selber helfen können, denn ein behindertes Kind hat auch das Recht auf das Beste im Leben." Ihr nächstes Ziel: Sie wollen eine neue Therapeutin ausbilden, denn Lea ist die Einzige mit dieser Ausbildung in Namibia.

In diesem Jahr gab es jedoch nicht nur für die Kinder eine freudige Überraschung. Telecom Namibia hat für einen großzügigen Weihnachtsbonus für das C.H.A.I.N.-Personal gesorgt. Zudem schenkte die Firma den vier Angestellten zu Weihnachten je ein neues Telefon.

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