10 Juni 2019 | Wirtschaft

Dem freien Handel etwas näher

Union SACU und Staatenbund EAC beenden Zollverhandlungen: „Wille ist da“

Rund 700 Millionen Menschen und ein gemeinsames Bruttoinlandsprodukt von 1,4 Billionen US-Dollar: Afrika ist dem Ziel einer Freihandelszone zwischen der SADC-Region, dem ostafrikanischen Staatenbund EAC und den Ländern der COMESA-Handelszone einen entscheidenden Schritt näher.

Von Clemens von Alten, Windhoek

Vier Jahre nachdem die Vision dieser Freihandelszone in Angriff genommen wurde, haben die Zollunion des Südlichen Afrikas (SACU) und die Ostafrikanische Gemeinschaft (EAC) bei ihren Zollverhandlungen nun einen Durchbruch erzielt. Die Gespräche rund um einen freieren Marktzugang zwischen der SACU – die aus Botswana, Eswatini (ehem. Swasiland), Lesotho, Namibia und Südafrika besteht – und den EAC-Mitgliedsstaaten Burundi, Kenia, Ruanda, Südsudan, Tansania und Uganda seien „größtenteils erfolgreich abgeschlossen“ worden. Das wurde am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung mitgeteilt.

Einzelmarkt mit 28 Ländern

„Mit dem Abschluss der SACU-EAC-Zollverhandlung sind wir dem Ziel der dreiseitigen Freihandelszone (TFTA) um einiges näher“, heißt es in der Mitteilung. Demnach wurde der Plan dieses Einzelmarktes „mit rund 700 Millionen Menschen und einem gemeinsamen Bruttoinlandsprodukt von 1,4 Billionen US-Dollar“ am 10. Juni 2015 vorgestellt. Dieses dreiseitige Freihandelsabkommen würde sich gegenwärtig über 28 afrikanische Länder erstrecken – dabei handelt es sich um die Mitgliedstaaten der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrikas (SADC), der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) und des gemeinsamen Marktes für das Östliche und Südliche Afrika (COMESA). Laut offiziellen Angaben leben in diesen Ländern 57 Prozent der afrikanischen Bevölkerung.

Das sogenannte TFTA-Abkommen beruhe auf den drei Standbeinen Marktintegration, infrastrukturelle Entwicklung und Industrialisierung, während für den grenzübergreifenden Menschenverkehr eine „gesonderte Vereinbarung“ vorgesehen sei. „Durch das Freihandelsabkommen soll eine Entwicklung der Infrastruktur stattfinden, die den grenzüberschreitenden Handel fördert und so zu einer Angleichung der zwischenstaatlichen Handelsordnung führt“, so SACU und EAC, die sich daraus Impulse für eine industrielle Entwicklung versprechen. Zentrale Aspekte sind die Entstehung von Wertschöpfungsketten sowie ein vereinfachtes Reisen für Unternehmer und Investoren.

Ein Baustein für das AfCFTA

Nun sei es möglich, auf den erfolgreichen Gesprächen aufzubauen, erklären die Zollunion und die Staatengemeinschaft. „Das TFTA kann nun auch als Baustein dienen und uns bei den Verhandlungen für die kontinentale Freihandelszone AfCFTA einen koordinierten Ansatz ermöglichen“, heißt es. Dabei handelt es sich um das Abkommen der sogenannten African Continental Free Trade Area, das vor einer Woche in Kraft getreten ist, nachdem die 22 Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union die erforderlichen Ratifizierungen Ende April bei der AU-Kommission hinterlegt hatten, wie der Ökonom der namibischen Wirtschaftsvereinigung (EAN), Klaus Schade, am Freitag der AZ erklärte.

Offiziellen Angaben zufolge soll das AfCFTA-Abkommen 55 AU-Mitglieder vereinen, die zusammen eine Bevölkerung von rund 1,2 Milliarden Menschen (2,5 Mrd. Menschen bis 2050) und ein gemeinsames Bruttoinlandsprodukt in Höhe von 2,5 Billionen US-Dollar besitzen. Es handele sich um das Vorzeigeprojekt der AU-Agenda 2063 (AZ berichtete). „Die erfolgreichen Verhandlungen zwischen EAC und SACU belegen, dass der politische Wille für eine stärkere regionale und kontinentale Integration da ist“, so der Fachmann.

Zölle nur eine der Hürden

Auch Schade glaubt, dass das Abkommen den Handel auf regionaler und kontinentaler Ebene ankurbeln könnte. „Bestimmt hat das Interesse Südafrikas eine große Rolle gespielt, Zugang zu neuen Märkten – insbesondere Kenia – zu erhalten“, so der EAN-Ökonom, dessen Zuversicht sich aber angesichts anderer Hürden im Rahmen hält: „Zölle sind meist nicht die größten Hindernisse“, erklärt der Wirtschaftsexperte. „Oft sind es Bürokratie sowie eine unzureichende Finanz-, Kommunikations- und Transportinfrastruktur, die den Handelsverkehr behindern.“ Ebenso müsse mehr getan werden, um den Privatsektor stärker einzubinden, der schließlich die „handelbaren Waren und Dienstleistungen produziert“, erklärt Schade. Ihm zufolge wird „es noch eine Weile dauern“, bevor Produkte aus Ostafrika hierzulande in den Regalen zu finden sind oder namibische Güter dort verkauft werden.

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