22 Januar 2019 | Kommunikation

Datenschutz im Dark Net garantiert

Fordred: „Nicht alles im Unsichtbaren Netz ist unbedingt illegal“

In einem außerordentlich gut besuchten Vortrag in den Räumen der Namibia Wissenschaftlichen Gesellschaft erklärt der Fachmann Andrew Fordred ansatzweise das elektronische Phänomen der „Dark Webs“. Er erklärt das Gute wie das Böse und wird demnächst weitere Vorträge dazu abhalten.

Von Frank Steffen, Windhoek

In der vergangenen Woche hat die Namibische Wissenschaftliche Gesellschaft sich mithilfe des Privatdetektivs und selbsterklärten „Hackers“, Andrew Fordred, an ein heikles Thema gewagt, das sich für viele - vor allem auch Firmen - als ein zunehmend großes Risiko offenbart. Das sogenannte „Dark Web“, das sich im elektronischen Datenwuscht verbirgt, bedarf dabei wohl eher einer Erklärung und einem Verständnis.

„Nicht alles was mit dem Dark Web zu tun hat ist verkehrt oder kriminell, aber leider ist genau die schützende Beschaffenheit dieses Teils des Internets, eine Eigenschaft, die dem kriminellen Element in die Hände spielt. Und davor sind auch wir in Namibia nicht geschützt“, erklärte Fordred eingangs. Im Internet findet man nur schwer zu erklärenden deutschen Begriffen oder Synonymen. „Unter dem Begriff - zu Deutsch ‚Dunkles Netz‘ - wird eine Ansammlung von Webseiten inmitten mehrerer verschlüsselter Netzwerke im World-Wide-Web verstanden. Das Dark Web baut dabei auf vielen Overlay-Netzwerken (Überlagerungsnetzwerken) und dem sogenannten Dark Net auf“, erklärt die Plattform Advidera.

IP-Adresse wie ein Fingerabdruck

Teilnehmer des Dark Net stellen ihre Internetverbindungen untereinander manuell her, indem sie sogenannte Peer-to-Peer-Overlay-Netzwerke erstellen, anders als die konventionellen Peer-to-Peer-Netzwerke, die ihre Verbindungen zu den „Clients“ fremder Personen automatisch und willkürlich initiieren, so Fordred. Er erklärte weiter: „Das Dark Net bietet den Vorteil eines verbesserten Datenschutzes - nicht jeder hat Zugriff auf ein bestimmtes Netzwerk. Ohne Einladung oder Registrierung mit daraus erfolgender Akzeptanz kommt da keiner rein.“ Er verglich den Prozess mit einer Zwiebel, von der jegliche Lage ein weiteres Netz sei und kam damit auf das ursprünglich vom amerikanischen Militär entwickelte „TOR“ zu sprechen, ursprünglich als „The Onion Router“ bekannt (inzwischen gibt es weitere solche Netze).

Jegliches elektronisches Kommunikationsmittel verfüge heute über eine sogenannte IP-Adresse und sei ähnlich einem Fingerabdruck jedem Benutzer („User“) eigen. „Ob Handy, PC, Laptop, Auto oder die modernen Fernseher, die mit Datalinien verbunden sind, jeder ist zu erreichen, bzw. zu erkennen. Und normalerweise kann niemand an Deine Daten ran, aber es gibt Internetseiten - typisch Pornoseiten und solche fragwürdigen Internetadressen -, die Hintertürchen in das System öffnen. Bin ich als Hacker erst einmal drinnen, ‚gehörst‘ Du mir“, weiß Fordred. Die Folgen reichen hin bis zur „Ransom Ware“, einer Erpresser-Software.

Dark Web gefährlich

Gerade darum sei das Dark Web so gefährlich für nichtsahnende Gebraucher, denn das „Sichtbare Netz“ (Surface Web) sei normalerweise mit der nötigen Software abgesichert, welches im sogenannten „Deep Web“ oder noch extremer verschlüsselten „Dark Web“ nicht der Fall sei. Dabei veranschlage das Sichtbare Netz mit seinen 320 Millionen Domains gerade mal 4% der Internetkapazität. Das Dark Web bestehe dahingegen nur aus 72000 Internetseiten, vereinnahme aber 96 Prozent der Kapazität.

Fordred war als Untersuchungsbeamter der südafrikanischen Polizei (SAP) einer der ersten spezialisierten Mitglieder der Einheit gegen organisierte Kriminalität und hat sein Studium der Forensik mit Schwerpunkt auf Drogenschmuggel abgeschlossen. „Ich bin ein Hacker und mit Hackern ist generell gar nichts verkehrt, denn uns treibt nur die Neugierde - in meinem Fall auch der Beruf. Schlimm ist, dass es Hacker gibt, die als Kriminelle das Internet missbrauchen - insbesondere das Dark Net, wo sie unbemerkt ihr Unwesen treiben“, klärte er auf. Wenn Bürgern eines brutalen Unterdrückerregimes durch das Dark Net die Pressefreiheit erhalten bleibe und das organisieren einer Opposition möglich werde, so ermögliche es auch den Verkauf von Waffen, Kindern, Sklaven, Drogen und derlei illegaler Dienste und Produkte

Der ehemalige Polizist führte anhand einiger Beispiele vor, wie die verschiedenen Internetseiten des „unsichtbaren Netzes“ ohne Aufwand zu Seiten führen, in denen persönliche Daten und Passworte von Personen weltweit sowie Drogen und Waffen zum Kauf angeboten werden. „Unsichtbar für die Polizei“, kommentierte Fordred und riet Eltern, sich mit diesem Thema zu befassen, es ihren Kindern zu erklären und ihnen „diese verbotene Frucht“ als Teil eines von Haus aus beigebrachtem Verständnisses für Recht und Ethik mit auf den Weg zu geben.

Gleiche Nachricht

 

Beschädigter Teil des Unterseekabels WACS wird ersetzt

vor 1 monat - 11 September 2019 | Kommunikation

Swakopmund (er) • Momentan wird ein rund zwei Kilometer langes Stück des Unterseekabels WACS (West Africa Cable System) am Strand von Swakopmund ersetzt. Die AZ...

Internetpläne nicht ausgereift

vor 1 monat - 10 September 2019 | Kommunikation

Von Frank Steffen und Ogone Tlhage, Windhoek Laut dem Telekommunikationsunternehmen Paratus Telecom ist es verfrüht an die Mobilfunktechnologie der fünften Generation - dem sogenannten 5G...

Paratus setzt aufs Stromnetz

vor 2 monaten - 31 Juli 2019 | Kommunikation

Von Nampa und Clemens von AltenWindhoekParatus Telecom und NamPower haben am Montag in Windhoek einen Vertrag unterzeichnet, der dem privaten Kommunikationsanbieter erlaubt, das vorhandene Glasfasernetzwerk...

CRAN bekommt neuen Aufsichtsrat

vor 3 monaten - 10 Juli 2019 | Kommunikation

Windhoek (ste) • Das namibische Informationsministerium gab diese Tage die Namen der neuen Mitglieder des Aufsichtsrates der namibischen Kommunikations-Kontrollbehörde CRAN bekannt. In der Pressemitteilung bestätigt...

Lautlos durch die Stadt

vor 3 monaten - 28 Juni 2019 | Kommunikation

Von Lisa Plank, Windhoek Axel Conrad steckt den Schlüssel in das Zündschloss seines Geländewagens und dreht ihn um. Nichts ist zu hören. „Der Motor läuft...

Hitradio Namibia hat neue Teilhaber

vor 4 monaten - 31 Mai 2019 | Kommunikation

Windhoek (ste) • In einer Presseerklärung begrüßt der unter der hiesigen deutschsprachigen Bevölkerung bekannte Wilfried Hähner zwei neue Teilhaber beim Privatsender Hitradio Namibia. Hartwig und...

Stadt erklärt Paratus-Konflikt

vor 4 monaten - 29 Mai 2019 | Kommunikation

Windhoek (ste) - Laut einer schriftlichen Stellungnahme des Stadtdirektors Robert Kahimise zum Paratus-Konflikt (AZ berichtete), sieht sich die Stadt unfair von dem Telekommunikationsunternehmen Paratus angegriffen....

Stadt behindert Kabelverlegung

vor 4 monaten - 28 Mai 2019 | Kommunikation

Von Frank SteffenWindhoek In der vergangenen Woche hat die Windhoeker Stadtpolizei (City Police) Aufsehen erregt, als sie mit Sirene und Blaulicht den Arbeitern der Telekommunikationsfirma...

Medien unter Zugzwang

vor 5 monaten - 30 April 2019 | Kommunikation

Von Nina Cerezo, WindhoekEs sei ein Fehler zu glauben, dass sich mit dem Ende der Wirtschaftskrise auch die finanzielle Situation innerhalb der Medienlandschaft verbessere. Dies...

Namibia sorgt für Fortschritt in der Astrophysik

vor 6 monaten - 18 April 2019 | Kommunikation

Windhoek (dpa/lp) - Als in der vergangenen Woche die ersten Bilder eines schwarzen Lochs veröffentlicht wurden, war die Begeisterung groß. Über mehrere Jahre hinweg arbeitete...