08 August 2019 | Meinung & Kommentare

Das Spiel mit den Ressourcen

Die Öffentlichkeit kann doch etwas erreichen. Das wurde gestern bewiesen, als Fischereiminister Bernhard Esau das Sammeln von Weißmuscheln am Strand bei Paaltjies sofort gestoppt hat. Die Entscheidung folgte nur wenige Tage nachdem sich das Thema auf sozialen Medienplattformen wie ein Lauffeuer verbreitet und die erwartete Entrüstung ausgelöst hatte. So erfreulich diese Nachricht auch ist, drängt sich die Frage auf: Wieso musste es überhaupt so weit kommen? Die gleiche Farce gab es vor wenigen Monaten mit dem Rosenholz-Kahlschlag. Auch hier wurde erst etwas Konkretes unternommen, nachdem es einen Aufschrei aus der Öffentlichkeit gegeben hatte.

Es ist immer wieder das alte Spiel, wonach Genehmigungen für Was-Auch-Immer erteilt werden und dabei oftmals die linke Hand nicht weiß, was die Rechte macht. Das war bei dem Muschel-Sammeln ganz bestimmt der Fall, zumal der Minister abrupt die Sache gestoppt hat. Die Genehmigung für das großangelegte Sammeln wurde vom Staatssekretär des Ressorts unterzeichnet. Dabei ist es fraglich, ob die Meeresbiologen und Forscher im Ministerium überhaupt Bescheid wussten. Und: Gibt es ausreichend wissenschaftlich Beweise, die in der Tat ein großangelegtes Muschelsammeln als nachhaltig klassifizieren? Wohl kaum.

Dies ist aber nicht das erste Mal, dass im Fischereiministerium eine kontroverse Entscheidung getroffen wurde. Vor wenigen Jahren wurde der Preis einer Fischfanggenehmigung wortwörtlich Übernacht von 14 N$ pro Monat auf absurde 1500 N$ pro Monat erhöht. Wie erwartet, gab es natürlich einen Aufschrei und nach nur wenigen Tagen hat das Ministerium einen Rückzieher gemacht und die Gebühr erneut auf die ursprüngliche Ziffer reduziert.

Daher sollten wesentliche Entscheidungen – wie die einer unbegrenzten Muschelernte – erst erfolgen, wenn ausreichend Forschung betrieben wurde und Studien vorliegen. Denn der Muschel-Fall deutet wieder auf Selbstbereicherung hin. Und dabei wird die Zukunft einer namibischen Ressource aufs Spiel gesetzt.

Erwin Leuschner

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