14 November 2018 | Politik

„Das namibische Haus“ hinterfragt

Prof. Joseph Diescho nimmt die Bildsprache Geingobs aufs Korn

Die Bildsprache (Metapher) des Präsidenten Geingob zum „namibischen Haus“ hält Prof. Joseph Diescho für kräftig. Das Bild muss aber im namibischen Kontext hinterfragt werden, weil es sonst „gefährlich“ wird. Am vergangenen Donnerstag hat die 30-Jahre-Jubiläumsfeier der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) mit Dieschos Beitrag einen denkwürdigen Abschluss gefunden.

Von Eberhard Hofmann

Windhoek - Vor Diescho waren die Gesellschaftskritiker Salatiel Shinedina, Direktor des KAS-Frauenwerks WAD (Women´s Action for Development), und der namibische Medien-Ombudsmann John Nakuta, auch Rechtsdozent an der Universität von Namibia (UNAM), zu Wort gekommen. Shinedina: „Patriarchalische Oberherrschaft ist noch ausschlaggebend, trotz aller Gesetze. Das ganze System wird noch von Männern bestimmt. Wir versagen in unserer Gesellschaft. Gewalt an Frauen und Kindern ist ein Symptom.“

Nakuta: „Für Mangel an Transparenz unserer Institutionen erteile ich höchstens eine Note 4 aus 10. Nach 28 Jahren werden Wahlen nach wie vor Personen-gebunden und nicht sachorientiert ausgefochten. Der parlamentarische Ausschuss für Öffentliche Bilanzen ist ein Papiertiger ohne Biss und zahnlos.“

Diescho knüpfte an die Analysen an, indem er die Grundvoraussetzungen für das Haus Namibia für jedermann skizzierte. Die Lage, Architektur und Abarbeitung müssen stimmen. Er zog die US-amerikanische Verfassung als Vorbild eines guten Hauses heran, die heute noch volle Gültigkeit habe, nachdem Kaiser, König und Papst außen vor gelassen wurden. Trotz amerikanischer Wirren stehe das Recht auf Leben, Freiheit und „happiness“ außer Frage. Das nationale Haus muss auf die Bedürfnisse und Nöte seiner Bewohner eingehen.

Auf das namibische Haus eingehend sagte Diescho: „Der Hergang der Befreiung hat uns lädiert und vernarbt. Im Haus heißt es: Wenn Du nicht im Exil warst, darfst Du nicht am Fenster schlafen.“ Der Exilantengeist schwirre stets umher.

Diescho befürchtet, dass das namibische Haus noch nicht solide genug ist, einen Sturm zu überstehen. Er verlangt eine dringende Renovierung des Hauses. Die Gleichgültigkeit untereinander hält der Analytiker für ein koloniales Erbe. Er vermisst ein verbindliches Wertesystem im Haus, z. B. die vollständige gegenseitige Akzeptanz aller Namibier. Er verweist auf den Futterneid der Privilegierten, die bequem eingezogen sind, aber anderen den Einzug verwehren.

„Schafft Backstein und Besen herbei, dass wir mehr Leute und die künftig Geborenen unterbringen,“ lautet Dieschos Aufruf. Er meint, die Bauleute des namibischen Hauses hätten den Entwurf nicht begriffen. Mit einem Vergleich will er es deutlicher machen: „Wir tragen teuerste Armbanduhren, aber ignorieren die Zeit.“ Wer das Haus, ein Lokal der Gefahr, betrete, könne im Ernstfall keine Entschädigung verlangen. „Lasst uns das namibische Haus renovieren. Afrika ist ein äußerst schwieriger Ort zu regieren“, schloss Diescho seinen Beitrag.

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