21 Oktober 2021 | Glosse

Das Lächeln hat mos ´ne Kehrseite

Unsere Touristenbranche samt Regierung strengt sich wüst an, träge Namibier vom heimischen Braaifeuer wegzulocken, um schöne Lodges, tolle Naturparks - mit gutem und miesem Beamtenservice, wie auch immer - zu besuchen, damit wieder biekie Geschäftsimpulse in Gang kommen. Und einige Übersee-Besucher stellen sich auch schon ein. Es kann also was werden, trotz vereinzelter Absagen von Touristen, die das Land mehrmals besucht ham, aber dann den Raubüberfall und oder sonstigen Mist mitmachen mussten. Die sind dann enttäuscht und bedient und verabschieden sich mit einem deutlichen Brief in der (All)Gemeinen Zeitung) auf Nimmerwiedersehen.

Kurz nach der Indeppedenz ham unsere amtlichen und privaten Interessenträger der Fremdenverkehrsbranche recht überzeugend mit dem Motto - „Namibia, the smile on the face of Africa“ - geworben. Wem hätte da nich das Herz höher geschlagen und welcher Nieselpriem hätte das nich unterstützt? Und fährst Du hinaus in den endlosen Horizont und läuft Dir Viehzeug gemächlich über die Pad - ob Nutzvieh oder wilde Viecher mit Loch im Pelz - dann merkste plötzlich wieder, dass wir privilegiert sind, dass wir das nich immer recht zu schätzen wissen. Soweit das Lob auf das Land der Bravourösen. Wir brauchten nich einmal anzugeben wie die Leut der Kaprepublik, die von ihrer Regenbogen-Nation geschwärmt ham, wobei die noch nich die ganzen Varianten gemeint ham, die heutzutage zwischen Mannsen und Weibsen angesiedelt sind. Hier musste aufpassen, dass wir nich vom Thema abkommen.

Namibia, Afrikas Lächeln - Namibia, Afrika für Einsteiger, hat aber warachtach ´ne Kehrseite, die wir net nich unter den Teppich kehren können. Nehmen wir mal den kondensierten Polizeibericht ran, den der Generalinspektor und Generalleutnant Sebastian Ndeitunga vergangene Woche nochall in Swakopmund bekanntgegeben hat. Wenn Du die Statistik liest, dann schnallste ab. Oder Du nimmst mit Achselzucken Zuflucht zur Redewendung: Statistiken lügen. Am Wendekreis des Steinbocks mehmen wir die Aussagen von Comräd Ndeitunga ernst. Die nachfolgenden Ziffern aus der Statistik des Oberpolizeiers betreffen alle den Zeitraum von April bis August 2021. Also nou die dag - hoch-aktuell und brühwarm. Jedes Delikt, jede Straftat is von den153 Tagen dieser fünf Monate runtergerechnet auf den Tagesdurchschnitt. Tjeck moi.

Muhrsche Statistiken!

Fangen wir mit den Polizei-Tjorries an. In 153 Tagen ham die Polizeier 115 Tjorries zu Schrott gefahren, von den anderen Karren nich zu reden, die dabei involviert waren. Also alle drei Tage zwei Tjorries kaputt. Vielleicht wird das eine oder andere Bakkie wieder repariert, aber das steht eben derzeit auch nich zur Verfügung. Jetzt verstehste, wieso ca jeder zweite Not- und Hilfeanruf bei der Polizeiwache die Anwort erhält: „Wir ham kein Fahrzeug.“

Die nächsten Ziffern hauen rein, wohlgemerkt für den Zeitraum April bis August dieses Jahres, über 153 Tage: Pro Tag gab es 16 (sechzehn) Fälle der Gewalt allein an Frauen. Inbegriffen in dieser Zahl sind Mord, Körperverletzung, Vergewaltigung, Inzest, Abtreibung, häusliche Gewalt. Gewöhnlicher Raub kam täglich auf 14 Fälle, Einbruch und Diebstahl - offensichtlich sehr beliebt - wird getrennt aufgeführt und kommt pro Tag auf 31 Fälle. Körperverletzung (ohne Gewalt an Frauen) beläuft sich auf 28 Fälle pro Tag. Viehdiebstahl schlägt mit 10 Fällen pro Tag zu Buche. Am Ende dieser Aufzählung stehen pro Tag 7 bis 8 Rauschgiftfälle.

Auf diese Weise bringen wir es im Lande der Braven und Bravourösen durchschnittlich täglich auf 109 Delikte und Straffälle, im Lande. das sich das Lächeln Afrikas betitelt. Die Registratur der Straffälle funktioniert wenigestens soweit bis zu einer Aktennummer, die Du freikämpfen kannst, um im Falle von Raub und Diebstahl die unwillige Versicherungsgesellschaft aufzusuchen. Und im Polizeibericht steht dann routinemäßig: „Die Untersuchung dauert fort.“ Oder: „Noch keine Festnahme erfolgt.“

Hier verliert sich unsere Spur der Statistik. Jetzt müssen wir mit Bauchgefühl und Einzelfällen weitermachen, um zu Schlussfolgerungen zu kommen. Bei täglich 109 registrierten Straffällen pro Tag - die nich erfassten kannste Dir mit Fantasie ausmalen - meinetwegen 39 785 pro Jahr, musste eben allein ermessen, wieviele davon je aufgeklärt werden, geschweige denn vor Gericht ´nen Abschluss mit Strafmaß erhalten. Deshalb müssen wir für jede aufgeklärte Straftat mit Gerichtsabschluss dankbar sein. Den angestauten Berg an Gerichtsverfahren können unsere Richter und Rechtspfleger unmöglich abtragen.

Die Schattenseiten der Braven und Bravourösen musste eben nüchtern einordnen, ohne Panik, dann bleibt vom Lächeln des Stücks Afrika für Einsteiger immer noch was übrig.

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