27 August 2020 | Leserpost

Das göttliche Gericht

Betr.: Abtreibung ja oder nein? (09.07.2020)

Der Schreiber, der einen Schwangerschaftsabbruch mehrfach erwähnt, sieht ein heikles Thema vorliegen und endet den langen Brief mit dem „Vollzug“ durch die Betroffenen. Dem kann mein Geist mit seinen Wertvorstellungen nicht folgen. Ein Eingriff nach Empfängnis, der begonnenes Leben verwirft, ist bewusste Tötung und darum für mich kein Thema, wie es wieder einmal zur Unzeit in der Gesellschaft akut gemacht wird. Es ist eine Frage an das Gewissen und das sagt mir, wo jemand seine Befugnisse überschreitet, gibt es Konsequenzen. Hier findet eine Diskussion „Geld oder Leben“ statt, wo im Land eine unabsehbare tödliche Krankheit herrscht, Menschen aus dem Arbeitsleben gerissen werden, eingesperrt ihre Arbeit zum Broterwerb verlieren und vor ihrem Tod stehen!

Dass die Eltern des Schreibers sich für ihn entschieden haben, egal unter welchen Bedingungen, ist ihm das zu Bewusstsein gekommen? Anders als er haben sie sich für das Leben entschieden, koste es was es wolle. Die angeführten gefühlsbetonten Beobachtungen entstammen einer Tätigkeit im Staatslabor.

Schön. Mir ist jemand gut bekannt, der hat in einem analytischen Labor gearbeitet. Dort prägen sich das Prüfen, Unterscheiden, Trennen und Bewerten aus und ihm fällt auf: Alle aufgeführten Tötungsgründe dienen der Abwälzung von Eigenverantwortung/Schuld und der Verneinung von Egoismus/Selbstbefriedigung. Wurden hier Sonderfälle skizziert?

Vom Abtreiben zum Vertreiben

Afrikanische Verhältnisse sind keine Ausnahme, sonst positioniert sich jeder damit. Die sozialen Verhältnisse im produzierenden Industriezeitalter mit Eltern am Fließband, Konsumanreizen und staatlicher Fürsorge bescherten dem Menschen auch Vernachlässigung, Einzelgängertum und unbetreute Straßenkinder. In der traditionellen

afrikanischen Sippe gab es keine fehlende Fürsorge der schwächsten Glieder der Gesellschaft - das sind die Ungeborenen. Was heißt hier Abtreiben? Ist es nicht vielmehr ein Vertreiben, wo uns etwas auf dem Weg der Selbstverwirklichung stört? Etwas ist im Weg, also weg damit. Wenn das „Kind in den Brunnen gefallen ist“, beginnt manch einer erst nachzudenken, anstatt vorher zu prüfen und abzuwägen, wie etwa, dass vollzogene Gemeinschaft von Mann und Frau immer Folgen hat für beide Seiten. Und ebenso bei unreifen Minderjährigen. Die fehlende Reife, Erziehung oder Umsicht, die hier krass zum Vorschein tritt, lässt sich mit einem alltäglichen Beispiel vergleichen: Wenn eine fahruntaugliche Ambulanz bewusst, d.h. unverantwortlich zum Unfallort aufbricht und dann nur Leichtverletzte retten kann, jedoch niemals alle, spielt der Fahrer russisches Roulette mit seinem und anderen Menschenleben. Genauso hier. Wir übersehen die Warnsignale, und wenn wir in der Klemme sitzen, suchen wir den Weg des geringsten Widerstandes und wollen uns vor der Wahrheit davonstehlen.

Zu Beginn des Staates Namibia forderte der Präsident zur Bevölkerungsvermehrung auf. Nun sind die Stadtränder besetzt mit Elendsquartieren, denen es so gut wie an allem mangelt und belasten die

Gesellschaft. Vermehrter innerfamiliärer Sexualverkehr (Unzucht, Missbrauch von Kindern) und Ehebruch folgten und verursachen bis heute unsagbares Leid. Das sind die traurigen Resultate der Führung einer befreiten Gesellschaft, wo viele meinen, nicht zur Rechenschaft gezogen werden zu können. „Abtreiben, egal ob legal oder illegal, werden sie“ bestätigt, wie gesetzlos das Land geworden ist. Wer die Macht hat, lässt sie so die Kleinsten verspüren. Das ist menschlich gedacht aber nicht göttlich, und eine Gesellschaft, die so etwas zulässt, muss sich nicht über ein göttliches Gericht wundern.

Mit besten Grüßen, Bernd Seefeldt

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