02 September 2010 | Reiseberichte

Das Gold von Afrika

Gold und die Suche danach waren immer ein wichtiger Bestandteil der Geschichte des afrikanischen Kontinents, von der frühesten uns bekannten Verarbeitung etwa 2400 v.Chr. zwischen Nil und dem Rotem Meer, der Arabischen Wüste, bis hin zur Entdeckung ungeahnter Goldvorkommen im Transvaal Südafrikas, Ende des 19. Jahrhunderts. Während die Schätze Ägyptens, wie das Grab des Tut-ench-Amun eigentlich jedermann geläufig sind, ist das Wissen um Artefakte aus dem Edelmetall südlich der Sahara nicht so weit verbreitet.

Das "Gold of Africa"-Museum in Kapstadt bietet eine der schönsten Gold-Sammlungen der Welt. Die Kollektion wurde seit dem Jahre 1922 vom Schweizer Josef Müller in über 50 Jahren zusammengetragen. Er hatte vorher schon Sammlungen mit deutscher und französischer Kunst angelegt und widmete sich seit seinem ersten Besuch auf dem Schwarzen Kontinent mit Leidenschaft der afrikanischen Kunst, vor allem Fetisch-Masken und Goldschmuck der Elfenbeinküste, aus Kamerun und Benin. Tochter und Schwiegersohn stellten später im Barbier-Müller-Museum in der Schweiz die gesammelten Exponate aus, bis sie 2001 wieder nach Afrika zurückkehrten. AngloGold, eine der Welt größten Minen-Gesellschaften, übernahm die Patronanz und bot auch den perfekten Rahmen für diese einzigartige Sammlung.

Wir sind unterwegs in Kapstadts City, auf der Strandstreet, wo die Kollektion im historischen "Martin-Melck-Haus" untergebracht ist, benannt nach dessen ersten Besitzer, einem preußischen Kaufmann im Dienste der Dutch East India Company. Der deutsche Lutheraner hatte zu Zeiten der Holländisch Reformierten Kirche dort heimlich evangelische Gottesdienste abgehalten, und nach 1779 - der deklarierten Religionsfreiheit - wurde hier auch die erste lutherische Kirche erbaut. Daneben vom französischen Architekten Louis Thibault eine neo-klassizistische Privatunterkunft, die heute noch zu den schönsten Häusern der Mutterstadt gehört. Die kunstvoll verzierten Fassaden und Giebel waren von einem ebenfalls aus Deutschland stammenden Holzschnitzer angefertigt worden. Zu eben jener Zeit war in Westafrika das Königreich Akan mit seiner Goldgewinnung und -Verarbeitung auf dem Höhepunkt angelangt.
Wie verabredet, treffen wir beim Eingang des Martin-Melck-Hauses auf Arouna, unseren Guide, der uns durch das Haus begleiten und uns dabei die einzelnen Abteilungen der Sammlung erklären wird. Wir beginnen unseren Rundgang im Erdgeschoss.
Gold-Insignien repräsentierten seit jeher Macht, Stärke und Reichtum. Auf den beeindruckenden Fotos hier im Foyer lässt sich deutlich erkennen, dass in Westafrika auch heute noch königliche Festivitäten in vollem Gold-Ornat zelebriert werden. Die Könige aus Ghana, Kamerun, der Elfenbeinküste sitzen schwerbehängt auf ihren goldenen Thronen. Ein besonderer Status kommt dabei der Königin-Mutter zu, die sogar in Gold aufgewogen wird. So berichteten etwa britische Reisende, dass eine der Frauen so überladen war, dass sie Helfer benötigte, ihre goldbedeckten Arme zu bewegen. Wie wir auf einem überlebensgroßen, den ganzen Raum dominierenden Foto erkennen können, ergab sich auch für ein altes Problem eine neuzeitliche Lösung: Wie schützt man das einfache Volk vor dem, durch die göttliche Macht blendenden Blick aus den Augen der herrschenden Familie ? Durch eine mit Gold dick verzierte Sonnenbrille... ! ( siehe Foto )

Die heutige Sammlung umfasst rund 350 Ausstellungsstücke, die meist aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammen. Einer der Gründe, warum keine älteren Kunstgegenstände erhalten geblieben sind, geht auf die Tatsache zurück, dass Gold bei den meisten Stämmen periodisch eingeschmolzen und immer wieder neu bearbeitet wurde. Die Könige/ Häuptlinge verlangten eine Art Steuer auf Goldbesitz, und vermehrten durch diese regelmäßigen Abgaben ihren Reichtum.
Auf einer steilen Holztreppe gelangen wir hinauf in den ersten Stock. Neben einem Raum mit antiken Landkarten von Afrika und historischen Zeittafeln finden wir hier die eigentlichen Hauptexponate. Der erste Eindruck ist überwältigend: In dem großen ansonsten schwarz abgedunkelten Ausstellungs-Raum funkelt es überall.

Die beleuchteten Glas-Vitrinen zeigen vor allem Gold-Objekte, die wesentlich im Bezug zur Macht und Majestät der westafrikanischen Könige stehen: Schwerter, Armreifen, Ringe, Kopfbedeckungen, alle voll Symbolik und tieferem Sinn. Jedes Artefakt hat seine eigene Bedeutung, eine genaue Interpretation ist nur durch Kenntnis der Sprache, der Religion, der Geschichte und der Kultur möglich. Tiere, Vögel, Fische, Insekten, Früchte und Samen werden in ihrer Darstellung immer sinnbildlich verwendet und so sind wir sehr dankbar für Arounas interessante Ausführungen. Da er selbst aus Kamerun stammt, hat er eine starke Beziehung zu den westafrikanischen Kulturen.
Auch fein gearbeitete Amulette, die Sprüche aus dem Koran und der Bibel zwischen vergoldeten Lederplatten beinhalten, die zum Schutz bei Kämpfen getragen wurden sind ausgestellt. Sehr beeindruckt sind wir aber vor allem von der Vitrine mit wunderschönen Goldketten und Armreifen. Hier befinden sich auch ganz spezielle Ohrgehänge aus Mali, jeder hergestellt aus über einem halben Kilo fein gehämmerten Goldes. Und da sie mit je 610 g viel zu schwergewichtig für normale Ohrläppchen sind, werden sie mit einer Kordel über den Kopf geschlungen getragen.

Dass die vergoldeten Fliegenwedel eigentlich gar nicht zum Vertreiben der lästigen Mücken gedacht waren, sondern um böse Geister vom Haupt des Königs fernzuhalten, erfahren wir ebenfalls durch Arouna. Das Symbol des Museums ist der überdimensionale Armreif eines Häuptlings mit stilisierten Widder-Hörnern. Beim Widder-Zweikampf muss der Schwächere dem Stärkeren weichen.

Nochmals geht es einen Absatz auf der steilen Holztreppe hinauf ins obere Dachgeschoß, die sogenannte "Dakkamer". Von hier aus hatten früher die Leute Ausschau nach ankommenden Schiffen gehalten. Denn wie man auf alten Stichen erkennen kann, reichte das Meer noch im vergangenen Jahrhundert herauf bis zur Strandstreet, daher auch der Name. Die Foreshore selbst war erst in den 40er Jahren zur Landgewinnung aufgeschüttet worden.
Empfangen werden wir hier oben unter dem Dach von einem eher unerwarteten Geräusch: leises Löwenknurre. Aber dann sehen wir ihn in einer kleinen Glas-Vitrine: der Inbegriff königlicher Autorität, von Mut und Kraft, - der Löwe von Afrika "Der Goldene Löwe". Angefertigt 1874 war er ein Geschenk der Ghanesen an ihren damaligen aus dem Exil zurückgekehrten König und diente als Ornament für dessen Schwert. Der Einfluss europäischer Heraldik, die damals überaus populär war, lässt sich dabei unschwer erkennen. Ein weiser afrikanischer Spruch sagt: "Wenn du einen Löwen schlägst, ist es dein Kopf, der schmerzen wird", was so viel bedeutet, wie: Wenn du respektlos gegenüber deinem Vorgesetzten bist, wirst du mehr darunter leiden als er.

Nach so viel Gold, so viel Symbolismen und afrikanischen Weisheiten verabschieden wir uns von unserem Führer Arouna und wollen uns noch bei einem kleinen Imbiss stärken. Im Innenhof des Martin-Melck-Hauses existiert seit drei Jahren ein Restaurant für Kap-Malai und afrikanische Küche, wie wir erst jetzt erfahren. Hier werden jeden Abend bunte Shows mit traditionellen Tänzen und Gesängen veranstaltet, dazu Gerichte aus sechs verschiedenen afrikanischen Ländern serviert.

Gold of Africa Museum:
Tel.: 021 405 1540
www.goldofafrica.com

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