14 Oktober 2016 | Tourismus

Das Beste kommt zum Schluss!

Weltenbummler Thomas Büchler hat alle Länder dieser Welt bereist - Namibia ist der krönende Abschluss

Thomas Büchler aus der Schweiz gehört wohl zu den meistgereisten Menschen der Welt: Er besuchte alle 193 Länder der UNO. Und sogar noch einige mehr. Mit unserem schönen Land will er seine Liste abschließen. Warum gerade mit Namibia? Andrea Lindner hat den Weltenbummler in Windhoek getroffen und für WAZon befragt.

- Thomas, du hast schon die ganze Welt gesehen. Warum hast du dir gerade Namibia bis ganz zum Schluss aufgehoben?

T.Büchler: Namibia ist mein letztes Land, weil es eines der interessantesten Länder Afrikas ist, noch dazu mit einer guten Infrastruktur für Tourismus. Außerdem wollte ich immer mit einem schönen Land aufhören, mit einem Land, das was zu bieten hat. Ich bin mit einer Reisegruppe da und möchte was erleben! Namibia hat zwei Unesco-Welterbestätten: Das Namib-Dünenmeer mit den größten Dünen weltweit und Twyfelfontein mit jahrtausendealten Felszeichnungen. Auch wollte ich bei meinem letzten Land eine Safari machen und dieser Traum wird mit dem Etoscha-Park wahr.

- Wann hast du dich für Namibia als letztes Land entschieden? Stand das von Anfang an fest?

T.Büchler: Nein, als ich noch 20 Länder auf der Liste hatte, habe ich mich für Namibia entschieden. Von diesen Ländern war es mit Abstand das tollste! Und auch die Sicherheit hat für mich eine Rolle gespielt. Schließlich bin ich in meinem letzten Land nun mit Freunden und der Familie unterwegs. Ich habe die letzte Reise für meine Liste der UNO-Staaten ein Jahr lang geplant. Alles ist super organisiert und alle Highlights von Namibia sind dabei.

- Du sammelst auch die UNESCO-Stätten und verschiedene Regionen der Welt. Wie behältst du bei deinen ganzen Reisen, Listen und Zielen den Überblick?

T.Büchler: Dafür gibt es tolle Seiten im Internet. Auf flightmemory.com kann man all seine Flüge verzeichnen. 1977 hab ich zum Beispiel meinen ersten Flug von Zürich nach London gemacht. Insgesamt habe ich bisher 6 Monate meines Lebens in einem Flugzeug verbracht und bin in 1568 Flügen 74 Mal um die Welt geflogen. In dem Reiseforum thebesttravelled.com kann man all seine Länder und Regionen verzeichnen, die man schon bereist hat. Dort bin ich weltweit im Moment auf Platz 15. Es gibt schon etliche Regionen, in denen ich noch nicht war, zum Beispiel auf dem Nordpol. Aber es gibt auch viele Länder, wo ich schon öfters war, so 102 Mal in Frankreich, 130 Mal auf den Philippinen oder 73 Mal in Thailand.

- Bei all deinen Reisen in die vielen Länder, was waren deine Highlights?

T.Büchler: Wie man allein an der Quantität meiner Reisen sehen kann: Thailand und die Philippinen haben es mir besonders angetan. Dort habe ich dann auch einige Jahre gelebt. Die Menschen dort sind einfach wundervoll, dass Essen super und die Strände wunderschön. Da möchte ich wirklich immer wieder hin.

- Gab es auch Länder, in denen dir das Reisen etwas schwerer gefallen ist?

T.Büchler: Liberia war sehr kompliziert. Ich bin dort in Harper gestrandet. Es gab keine Flüge mehr von dort, ein Schiff, das normalerweise fährt, ist gesunken und die Straße war nach vielen Wochen Dauerregen eine Sumpf-Matsch-Piste. Ich war am Ende der Welt, allein und wusste nicht was ich machen soll. Am Ende ging es irgendwie - mit einem Motorrad. Es war nicht leicht, aber rückblickend der beeindruckendste Trip meines Lebens!

Es gab auch einige Länder, in denen ich nur schwer ein Visum bekommen habe. Saudi-Arabien und Äquatorialguinea zum Beispiel. Und die Zentralafrikanische Republik hab ich nicht in einer sehr guten Erinnerung. Es ist eines der gefährlichsten Länder Afrikas, mit nur wenigen Touristen im Jahr. Es gibt dort keine touristische Infrastruktur, was das Reisen sehr erschwert hat.

- Du kommst aus einem kleinen Dorf in der Schweiz, reist nun aber seit mehr als 40 Jahren um die Welt. Wie kamst du überhaupt ins Reisefieber?

T.Büchler: Alles fing mit einer Wette an. Damals war ich 17 und hatte schon einige Länder in Europa bereist, war aber noch nie Übersee. Die Wette war mit einem guten Freund, und es ging darum, wer als erstes 60 Länder bereist. Die Wette habe ich gewonnen. Dann war ich motiviert und schnell waren die 100 voll. Erst dann fragte ich mich, ob ich nicht alle 193 UNO-Staaten bereisen könnte.

. Wir haben ja leider nur eine begrenzte Zeit auf dieser Erde - muss man da nicht super schnell durchhetzten um alle Länder zu schaffen? Es gibt ja immer wieder Geschichten, wo Leute sich nur kurz den Stempel holen und nur 5 Minuten im Land sind…

T.Büchler: Ja, das stimmt. Manche machen das so. Ich habe einen Kollegen, der hat alle Länder in einem Jahr bereist. Da kann man natürlich nicht wirklich die Kultur und die Menschen kennen lernen. Klar, der hat die Länder nur abgehakt. Ist teilweise nur kurz über die Grenze. Aber ich reise anders: Ich möchte wirklich jedes Land kennen lernen, die Menschen und die Kultur. Mir geht es nicht darum, alle möglichst schnell abzuhaken.

- Das klingt so, als wärst du das ganze Jahr nur unterwegs.

T.Büchler: Ja, ich bin schon so sechs Monate pro Jahr unterwegs. Reisen sollte es als Beruf geben. Das wäre dann mein Traumjob. Aber jetzt möchte ich ein Buch über meine Erlebnisse schreiben - das ist mein größter Traum.

- So einen Job möchte wohl jeder haben. Was arbeitest du denn? Ich denke nicht jeder hat das Privileg, so viel Zeit und Geld zu haben…

T.Büchler: Ich habe in meinem Leben schon die verschiedensten Jobs gehabt: Ich habe als Journalist auf Malta gearbeitet, ein Hotel geleitet und Reisegruppen geführt. Auf den Philippinen habe ich schließlich eine eigene Modeschmuck-Firma gegründet. Das war in den 80ern. Nach 25 Jahren hatte ich da aber auch wieder genug. Jetzt bin ich im Immobiliengeschäft in der Schweiz tätig. Aber, das möchte ich auch betonen, ich finde die Kosten werden beim Reisen oft überschätzt. Man braucht nicht so viel…

- Wie reist du denn durch all diese Länder?

T.Büchler: Hauptsächlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Minibusse, Sammeltaxis usw. Das finde ich immer super, weil man schnell Leute trifft. Ich spare auch bei den Unterkünften: Warum ein teures Hotel bezahlen, wenn ich sowieso den ganzen Tag unterwegs bin? Und wenn du alleine reist, musst du ja auch keine Kompromisse machen oder auf andere Rücksicht nehmen. 80 Prozent meiner Reisen habe ich alleine gemacht.

- Du hast jedes Land dieser Erde gesehen. Da hast du doch bestimmt ein paar versteckte Ecke und tolle Tipps für uns oder?

T.Büchler: Auf jeden Fall! In Mali gibt es wunderschöne Ecken, die sehr abgelegen und einsam sind. Pays Dogon zum Beispiel. Da läuft man mit einem Esel entlang und schläft dann auf einer Lehmhütte. Total schön.

Und noch ein Tipp für Namibier: Das alte Postschiff aus England, das ab Kapstadt über die Insel St. Helena fährt. Da ist man circa 2 Wochen unterwegs und die Reise ist gigantisch. Tolle Stimmung auf dem alten Schiff, wie zu Kolonialzeiten und die Insel… ein kleines verborgenes Paradies. Bald soll da ein Flughafen eröffnet werden. Dann ändert sich das bestimmt. Royal Mail Ship heißt das Schiff.

- Was hast du denn so über dich und das Leben gelernt beim Reisen?

T.Büchler: Geduldig zu sein! Für mich als Schweizer war das nicht leicht. Ich bin es gewohnt, dass alles perfekt organisiert ist. In der Schweiz wird schon eine Minute Verspätung beim Zug angesagt. In Afrika kann es sein, dass ein Bus gar nicht kommt, oder erst am nächsten Tag. Man braucht einfach Zeit zum Reisen. Nur dann kann man es genießen.

Ich finde Zeit sogar wichtiger als Geld. Viele haben Geld und arbeiten super viel dafür. Diese Menschen wissen oft aber einfach gar nicht wohin mit dem Geld, weil sie keine Zeit haben. Und wenn sie mal zwei Wochen Urlaub haben, sind sie so fertig, dass ihnen die Energie zum Reisen fehlt. Fangt also noch heute an, eure nächste Reise zu planen. Es lohnt sich!

Was sagt Thomas Büchler zu Namibia? Er war ziemlich perplex über das kulinarische Niveau der Restaurants in Windhoek: ob beim Schweizer Honorarkonsul, im Nice, oder im Joe''s Beerhouse - er hat immer geschlemmt. Und auch vom Rest, den Dünen, Swakop oder dem Etosha-Park, war er hellauf begeistert. „Es könnte nicht besser sein!“, schwärmt er, als er gestern nach Windhoek zurück kam.

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