09 Juni 2021 | Politik

Damara und San fordern Entschuldigung

Rahmenabkommen beschäftigt Parlament – Herero und Nama stehen jetzt selbst in Anklagebank

Das zwischen Namibia und Deutschland ausgehandelte Genozid-Rahmenabkommen sorgt weiterhin für Gesprächs­stoff. Jetzt fordern die Da­ma­ra und San ebenfalls eine Ent­schuldigung, und zwar von den Herero und Nama so­wie Deutschland. Sie seien ver­schleppt und versklavt worden.

Von Frank Steffen & Claudia Reiter

Windhoek

Nachmaßen die Genozid-Verhandlungen zwischen Namibia und Deutschland voranschritten, wurde wiederholt die Rechtmäßigkeit eines 100-Jahre alten Anspruchs angezweifelt. Die Ureinwohner Namibias seien zu jener Zeit untereinander zerstritten gewesen und hätten versucht, einander auszurotten. Nun liegt der AZ ein Schrei­ben von Metusalem ?Neib vor, der als Vertreter der interkulturellen Stiftung CCTN (Cross-cultural Trust of Namibia) und im Namen der San- und Damara-Bevölkerungsgruppen den Herero, Nama und Deutschen eine Entschuldigung abverlangt.

Gestern hatte der Generalsekretär der Oppositionspartei PDM, Manuel Ngaringombe, seine Freude darüber zum Ausdruck gebracht, dass Deutschland nun den Völkermord anerkenne und bereit sei, sich für den Genozid zu entschuldigen: „Aber warum hat Deutschland die 2,2 Milliarden Euro, die sie geben wollte, auf 1,1 Milliarden Euro heruntergehandelt?“ Laut Ngaringombe nehmen die beiden Regierungen die Opfer des Völkermordes ganz selbstverständlich hin – die deutsche Regierung sollte ihr Angebot nochmals überdenken. Diesbezüglich habe sich Parteipräsident McHenry Venaani schriftlich an den Papst und den amerikanischen Außenminister gewandt, damit Deutschland dazu gebracht werde, das Thema gebührend ernst aufzunehmen.

„Land ist das, wofür wir gekämpft haben – jeder will Land“, kommentierte Ngaringombe die Landfrage. Einige Farmer hätten immerhin ihr Land gekauft und darin investiert. Jetzt wolle man „Diskussionen und Verhandlungen fördern“. Man wolle Land kaufen und nicht durch die Anwendung von Gewalt nehmen. Eine Situation wie in Simbabwe müsse vermieden werden. Das Land dürfe nur an geeignete Farmer gehen: „Einige dieser Leute wissen nicht einmal, wie man das Land einzäunt. Wir brauchen ein Programm, durch das die Leute in der Landwirtschaft geschult werden.“

Während die Premierministerin Saara Kuugongelwa-Amadhila gestern im Parlament die Genozid-Presseerklärung des Vizepräsidenten, Nangolo Mbumba, wiederholte, fordert jetzt ?Neib eine Entschuldigung für das an den San und Dama­ra verübte Unrecht. Mitglieder der !Oe-?Gan-, Dâure-Daman- und Tsoaxu-Daman-Damara-Clans seien zwischen 1884 und 1903 als Billigarbeiter und Sklaven missbraucht und verschleppt worden. Viele seien infolge der Machtkämpfe zwischen den Herero, Nama und Deutschen umgekommen. Ferner seien sie als Sklaven in die Kap-Kolonie verkauft worden, wo sie umgekommen seien.

Gleiche Nachricht

 

Sambias Ex-Präsident Kaunda gestorben

vor 14 stunden | Politik

Nicht unumstritten, aber zweifelsohne eine der Größen in der afrikanischen Politik – mit 97 Jahren ist der ehemalige sambische Präsident Kenneth Kaunda gestorben. Mit ihm...

Sambesi-Bewohner unsicher an der botswanischen Grenze

vor 14 stunden | Politik

Windhoek (Nampa/km) - Nach Angaben des Regionalgouverneurs von Sambesi, Lawrence Sampofu, sind die Bewohner der Region voller Angst, sich in die Nähe des Chobe-Flusses zu...

Kandjoze und Ua-Ndjarakana über Genozid-Deal

vor 4 tagen - 18 Juni 2021 | Politik

Windhoek (Nampa/ste) • Der Direktor der Nationalen Planungskommission von Namibia, Obeth Kandjoze, hielt während eines Interviews auf dem NBC-Radiosender Omurari FM die Zeit für gekommen,...

USA sehen nach Genfer Gipfel Bewegung im Verhältnis zu...

vor 5 tagen - 17 Juni 2021 | Politik

Genf (dpa) - Nach dem Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Joe Biden und Russlands Staatschef Wladimir Putin stellt die Regierung in Washington keine schnellen Fortschritte in der...

Kazenambo zieht weiter über deutsche Farmer her

vor 5 tagen - 17 Juni 2021 | Politik

Windhoek (km) • Der Swapo-Politiker und ehemalige Parlamentarier Kazenambo Kazenambo hat sich erneut kritisch gegenüber den deutschsprachigen Namibiern geäußert, aber Vorwürfe zurückgewiesen, einen Bürgerkrieg zu...

Einreise wird verweigert

vor 6 tagen - 16 Juni 2021 | Politik

Windhoek (cr) - Das US-Außenministerium gab gestern bekannt, dass die ehemaligen namibischen Minister Bernhardt Esau und Sacky Shanghala aufgrund ihrer angeblichen Verwicklung in erhebliche Korruption...

Flaggenmarsch in Jerusalem schürt Sorge vor erneuter Eskalation

vor 6 tagen - 15 Juni 2021 | Politik

Jerusalem (dpa) - Israel bereitet sich mit einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften auf einen geplanten Flaggenmarsch von rund 5000 Nationalisten in der Jerusalemer Altstadt vor....

Biden bei Gipfel mit EU-Spitzen: Europa ist «natürlicher Partner»

vor 6 tagen - 15 Juni 2021 | Politik

Brüssel (dpa) - US-Präsident Joe Biden hat bei seinem Gipfel mit den EU-Spitzen die Verbundenheit der Vereinigten Staaten mit Europa unterstrichen. "Europa ist unser natürlicher...

Spahn: Maskenpflicht draußen kann grundsätzlich entfallen

1 woche her - 14 Juni 2021 | Politik

Berlin (dpa) - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hält angesichts der stark sinkenden Corona-Infektionszahlen ein schrittweises Ende der Maskenpflicht für denkbar - rät aber im Zweifel,...

Nato-Generalsekretär warnt kurz vor Gipfelbeginn vor China

1 woche her - 14 Juni 2021 | Politik

Brüssel (dpa) - Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat kurz vor Beginn des Gipfels in Brüssel deutlich vor den von China ausgehenden Bedrohungen gewarnt. Das Land habe...