01 September 2008 | Kommentar

Dabeisein ist alles - oder?

Die Olympischen Spiele sind das global größte Sportereignis. Hier treffen sich die Besten der Sportwelt. Mittendrin auch Namibia. Sportlich wussten die wenigsten Namibier zu überzeugen. Doch abseits davon gibt es nun rückblickend anderen Ärger.

Agnes Samaria ist neben Vorzeigeathlet Franck Fredericks die wohl bekannteste Sportlerin, die das Land derzeit vorweisen kann. Sie war zweimal bei Olympia dabei, ist bei Weltmeisterschaften, Grand-Prix-Wettbewerben und anderen internationalen Wettkämpfen gelaufen. Kurz: Eine Sportlerin, die das internationale Geschäft kennt. Umso verwunderlicher ist es, dass genau diese Frau ein solches Theater darum macht, wer die namibische Fahne zur Eröffnung der Olympischen Spiele tragen soll! Radprofi Mannie Heymans hatte diesen Auftrag von ganz oben, von Präsident Hifikepunye Pohamba erhalten. Er wurde zum Fahnenträger ernannt, nicht Samaria, die deswegen den Einmarsch ins Pekinger Stadion boykottierte. Sollte ein Sportler, gerade vom Kaliber Samarias, nicht über so etwas stehen? Macht es wirklich einen Unterschied, wer die Landesfahne trägt? Und schließlich: Ist es akzeptabel, dass Samaria den Einmarsch verweigert, weil sie die Fahne nicht tragen darf? Nein!

Hier hätten die Teamverantwortlichen eingreifen und handeln müssen. Ich hätte sie, wäre ich Teammanager, auf dem schnellsten Weg nach Hause geschickt. Ihr Verhalten ist nicht nur unsportlich, es ist kindisch und hat gerade bei Olympia nichts zu suchen, wo Dabeisein doch alles sein sollte. Die Strafe für Samaria folgte in anderer Hinsicht auf dem Fuß: Sie schied auf ihren beiden Strecken jeweils im ersten Vorlauf aus. Umso bitterer stößt es auf, was nun nach ihrem miesen Abschneiden an die Öffentlichkeit gelangt.

Es ist an der Zeit, dass Namibia umdenkt. Sportler dürfen sich wegen ihrer relativen Berühmtheit nicht alles erlauben. Wenn das so weiter geht, kommt Namibia nirgendwo an, nicht bei Olympia und auch nicht anderswo. Es muss härter durchgegriffen werden, um Fehler der Vergangenheit auszumerzen und denjenigen, die wirklich dabei sein und etwas erreichen wollen, eine echte Chance zu geben. Kinderkram und Politik, selbst die der Verantwortlichen, haben im Sport nichts zu suchen.

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