03 Mai 2018 | Meinung

Da ging ihnen toch noch ´n Licht auf!

Bei allen Drohgebärden, Verzerrungen und politischer Übertreibung um die Landreform hat die Regierung verfassungsgemäß an einem Punkt nich rütteln lassen: Staatlicher Landerwerb - und sei es Enteignung - wird stets durch Ankauf, also mit Zahlung, vollzogen.

Darüber hinaus gibt es jedoch stief Mythen, Legenden, aufgeheizte Illusionen und hartnäckiges Wunschdenken, was die Landreform alles vermögen könne, solange ein jeder Landhungrige ´nen Flecken namibischen Glücksboden erhalte, präsente, bzw. pasella oder sommer so gratis, versteht sich, solange der Tähn, die Hautfarbe stimmt.

Vergangene Woche is wrachtach ´n Lichtblick in die Diskussion um die viel beklagte, schleppende Landreform gekommen. Das Landwirtschaftsministerium, nich das Landreform-Ministerium, hat Leitlinien zu einem vertretbaren Programm der Unterteilung von Farmen herausgegeben, das der vorige Oministeli, Omushamane John Mutorwa, seinem Nachfolger, !Gôahesab Alpheus !Naruseb hinterlassen hat, wonach die Regierung verhindern will, dass Farmen im Verlauf eines Besitzerwechsels, zum Beispiel durch eine Erbschaft, nich in unzulänglich kleine Parzellen zerschnippelt werden, worauf der neue Besitzer, bzw. Erbe weder leben noch sterben kann, weil sie für Viehhaltung mit Viechern mit Loch im Fell - die landesübliche Farmerei in allen ariden Gebieten und Regionen des Landes und das sind fast alle - einfach zu klein sind. Im Klartext lautet die Binsenweisheit, die jetzt nach 28 Jahren der Souveränität und der staatlichen Schlamperei bei der Umverteilung von Landwirtschaftsboden, sprich Weidefarmen, zum Besten gegeben wird, dass Farmen nach Besitzerwechsel und nach möglicher Unterteilung und Aufteilung immer noch eine derartige „ökonomische Größe“ haben sollen, damit der neue Eigentümer darauf eine lebensfähige Existenz aufbauen kann.

Wie bitte? Ham wir recht gehört? Sowahr, Staat und Regierung wollen mit Regelwerken darauf achten, dass die Produktivität von Farmen nich wegen Bodenschnippelei verloren geht.

Ob das Ministerium für Landreform das auch kapiert? Gerade diese Helden - Omukwaniilwa Hifikepunye Lucas Pohamba hat das Ressort auch einmal geleitet - haben aufgekaufte Viehfarmen von z.B. 5000 Hektar der Landesmitte und des Nordens in Parzellen von zwischen 500 bis 1000 Hektar unterteilt, um Neusiedler unterzubringen. Der (Miss)Erfolg dieser Aufteilung liegt vielfach auf der Hand: Verlust der Produktivität; Neusiedler, die net nich vorankommen und den Staat um Hilfe anbetteln müssen, weil sie darauf einfach nicht existieren können, geschweige denn, dass von ihrer Produktion ´was für den Marktabsatz abfällt.

Den Wahnwitz dieser Landreform, dieser Bodenumverteilung haben die Universität von Namibia, das Wüstenforschungsinstitut Gobabeb und hat die Namibische Landwirtschaftsunion (NLU) der Regierung seit über zwei Jahrzehnten schon mehrfach und huka und wiederholt anhand konkreter Aufnahmen - empirische Studien, sagt der Fachmann - vorgerechnet. Die Folgerung der Farm- und Veldstudien besagt immer wieder: Wenn die fast überall aride Nutzfläche von vornherein zu klein is, is aller sonstiger Beistand für die Katz, wenn der Neufarmer allein durch Viehzucht auf die Beine kommen soll, was bei ca 90 Prozent dieser Sparte angestrebt wird. Altfarmer ham das der Regierung sogar sorgfältig in der (All)Gemeinen Zeitung vorgerechnet. Wer aber mit politischer Blindheit geschlagen is, lässt Vernunft net nich an sich heran.

Sollte Comräd !Gôahesab !Narusebs mit dem Ombampira zu Farmgrößen tatsächlich ein Licht aufgegangen sein? Soll das ´ne Wende in der Landreform sein? Das wär ´n Lichtblick. Das Gouvernement hat wrachtach noch nich begriffen, dass Massenansiedlung auf dem Land net nich jobbt, weil die überwiegende Mehrzahl der jungen und alten Leut´ nich auf dem Land arbeiten will, mit all den Risiken.

Bei der nächsten Übertragung einer aufgekauften Farm wird es sich erweisen, ob Comräd !Gôahesab !Narusebs Konzept ernstgemeint is. Ob die Erleuchtung auf Papier echt is.

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