11 Juni 2021 | Polizei & Gericht

Corona bremst Kautionsprozess

Suspendierter Polizist muss vorläufig hinter Gittern bleiben

Die Kautionsverhandlung gegen einen inzwischen suspendierten Polizisten, der sich wegen Korruption verantworten muss, konnte gestern vor dem Magistratsgericht in Swakopmund nicht fortgesetzt werden, da eine Zeugin wegen eines Corona-Verdachtsfalles nicht anwesend war.

Von Erwin Leuschner, Swakopmund

Sichtlich frustriert zeigte sich gestern der Anwalt Albert Titus, der Jafet Simon (48) verteidigt. Simon, der den Rang Detective Warrant Officer innehat, war der leitende Ermittler der Kriminalpolizei bei der Walvis Bayer Polizeistation. Er wurde inzwischen suspendiert.

Simon muss sich zusammen mit dem pakistanischen Staatsbürger Farhan Khatri (31), einem Seniormanager des Gebrauchtwagengeschäfts Jan Japan in Walvis Bay, wegen der Bestechung einer Swakopmunder Staatsanklägerin verantworten. Sie sollen der Staatsanklägerin 60000 Namibia-Dollar übergeben und im Gegenzug gefordert haben, dass ein gegen Khatri anhängiges Gerichtsverfahren wegen Menschenhandels sowie Vergewaltigung eingestellt wird. Zusätzlich sollte Khatris pakistanischer Reisepass zurückgegeben werden, den er wegen einer Kautionsauflage einreichen musste.

Simon und Khatri wurden im September 2020 festgenommen und befinden sich seither in Untersuchungshaft, Simon hat inzwischen einen formellen Kautionsantrag gestellt, über den nun verhandelt wurde. Dabei hatte er vor Richterin Conchita Olivier behauptet, dass er gegen Kaution freigelassen werden solle, da er nicht nur unschuldig sei, sondern zugleich seine „Gesundheit davon abhängt“. Demnach benötige er dringend „teure antiretrovirale Medikamente“, auf die er seit 13 Jahren angewiesen sei und jene bei staatlichen Gesundheitseinrichtungen nicht verfügbar seien. Er könne daher sterben.

Die Staatsanwaltschaft hat gegen die Freilassung auf Kaution Einspruch erhoben und die Zeugin Frieda Kanyama einberufen. Kanyama ist eine Ermittlerin der örtlichen Antikorruptionskommission (ACC). Vor Gericht sagte sie aus, dass Simon die regionale Staatsanklägerin des Swakopmunder Gerichts mit 60000 Namibia-Dollar bestochen habe. Sollte Khatris Fall eingestellt und sein Reisepass zurückerstattet werden, würde der Betrag in zwei Raten (jeweils 30000 N$) in bar an sie gezahlt. Die Staatsanklägerin habe aber die ACC eingeschaltet und Simon sei festgenommen worden.

Die Kautionsverhandlung sollte gestern mit einem Kreuzverhör einer Zeugin abgeschlossen werden. Staatsanklägerin Beta Mwiya sagte aber, dass die Zeugin COVID-19-Symptome habe und daher nicht vor Gericht anwesend sein könne. „Die Pandemie ist eine Realität und wir sind frustriert, da dies die Kautionsverhandlung deutlich verzögern wird“, sagte Simons Anwalt Titus vor Gericht. Richterin Olivier vertagte den Fall auf den 17. Juni - dann soll ermittelt werden, ob die Zeugin in der Tat COVID-19 hat und wann die Verhandlung fortgesetzt werden kann.

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