30 Juni 2005 | Lokales

"Casanova der Meere" jetzt gut verarztet

Israel hat Schmerzen. Seit Monaten macht ihm die schwere Verletzung an der verkümmerten Schwanzflosse zu schaffen. Das Jagen mit nur einer Schwanzflosse ist schwer und die ständigen Schmerzen der entzündeten Wunde quälen. Doch jetzt soll alles besser werden, denn Dank einiger umsichtiger Küstenbewohner wird es der Robbe bald wieder gut gehen.



Der Nebel liegt noch dicht auf dem Meer, als der Katamaran "Fairweather 1" vom Walvis Bayer Yachthafen ablegt. Diesmal tummeln sich keine Touristen auf dem Deck und der Sekt mit den Austern bleibt auch im Kühlschrank. Die Stimmung ist gespannt, als die Suche nach Israel, einer südafrikanischen Kappelzrobbe, beginnt. "Es ist Glückssache, ob wir Israel erwischen oder nicht. Manchmal lässt er sich wochenlang nicht blicken und dann ist er ganz plötzlich wieder da", erzählt Bernd Curschmann vom Yachtclub. So wie vielen anderen liegt auch ihm das Leid der menschenfreundlichen Robbe sehr am Herzen. Denn Israel ist ein treuer Geselle, stets freundlich, frech und auch ein bisschen verfressen, teilt er sogar Küsschen aus, um einen Fisch zu ergattern. Daher wird er in Freundeskreisen auch "Casanova der Meere" genannt.

Erst mit den Verletzungen, die er sich vermutlich vor einigen Monaten durch eine Bootsschraube zugezogen hatte, wurde er ungeduldig. War von Berührungen irritiert und schnappte manchmal sogar zu. Da beschlossen Menschen, die die junge Robbe lieb gewonnen hatten, zu helfen. Der Swakopmunder Tierarzt Hartmut Winterbach packte seine Arzttasche, nahm einen Gehilfen mit, ließ seine Praxis allein und nahm sich für einen ganzen Vormittag frei, um Israel von seinen Schmerzen zu befreien. Hans und Milly Möller stellten bereitwillig ihren Katamaran "Fairweather 1" für den operativen Eingriff zur Verfügung. Am gestrigen Mittwoch konnten keine Gäste eine Fahrt mit dem Katamaran des Unternehmens Sun Sail Charters Namibia machen, Israel hatte Priorität. Bernd Curschmann ließ den Yachtclub für ein paar Stunden links liegen und die Reiseleiterin der "Fairweather 1", Charissa von Seydlitz, packte eine extra Portion Fisch für Israel ein.

Leise gleitet der Katamaran über die glatte Wasseroberfläche, plötzlich taucht ein kleiner grauer Kopf aus dem Wasser. Flipper umkreist das Boot, doch heute gibt es keinen Fisch für die ebenfalls handzahme Robbe. Noch immer keine Spur von Israel. Der Skipper und Katamaranbesitzer Hans Möller schickt einen Ruf an alle anderen Boote aus: "Wer hat Israel gesehen?" Keiner meldet sich, doch dann, wenig später, ertönt es aus dem Funklautsprecher "Wir haben ihn".

Israel hatte sich bereits von anderen kräftig verwöhnen lassen, als wir ihn erreichen. Doch Platz für Fisch scheint er immer noch zu haben und springt beim ersten Lockversuch sofort aufs Deck. Charmant küsst er Charissa und schlingt den Fisch gierig herunter. "Er ist sehr mager geworden", sagt Doktor Winterbach und bereitet die Betäubungsspritze vor. Es läuft besser als geplant und derweil die Robbe einen Fisch nach dem anderen hinunterschluckt, gibt der Tierarzt ihr die Spritze. Nach zehn Minuten beginnt Israel benommen zu schwanken, dennoch scheint die Spritze nicht völlig gewirkt zu haben. Eine weitere Betäubung folgt und kurz darauf kann Israel die Augen kaum noch aufhalten. Plötzlich taucht Flipper aus dem Wasser auf und setzt zum Sprung an. Rechtzeitig wird er von Bernd verscheucht. Nach einigen weiteren Versuchen gibt er auf, beklagt sich laut grunzend und schwimmt davon.

Dr. Winterbach legt Israel ein Handtuch um den Kopf und beginnt die vereiterte Wunde an der verkümmerten Schwanzflosse zu untersuchen. Dort, wo früher die linke Flosse war, ist nur noch ein vernarbter Stummel. Beim ersten Anblick scheint er gut verheilt, doch unterhalb ist die Wunde offen und entzündet. Es dauert nicht lange und der Tierarzt hat die Ursache des Leidens gefunden. Knochensplitter hatten sich gelöst und wurden vom Körper abgestoßen. Sorgfältig wird die klaffende Wunde gereinigt, dann vernäht und Israel von dem Handtuch um den Kopf befreit. Benommen schaut er sich jeden einzelnen seiner "Peiniger" genau an, wirkt ein wenig beleidigt, jedoch friedlich. Doch schon bald kehrt Leben in den Körper der Robbe zurück, sie schaut noch einmal auf die Wunde an der Schwanzflosse und fordert dann mehr Fisch. Das Vertrauen zu den Menschen lässt sich Israel so schnell nicht mehr nehmen, denn wer Fisch hat, der ist auch immer Israels bester Freund.

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