02 Dezember 2010 | Natur & Umwelt

Bäume an Rastplätzen und Fernstraßen

Der Farbkätzchenstrauch oder Omutjete (Dichrostachys cinerea) ist etwa ab Otjiwarongo sehr deutlich von vielen Straßen aus zu sehen, weil er diese wie auf dem Foto als undurchdringliches, zwei bis drei Meter hohes Dickicht begleitet.
Ab November bis März ist er leicht an den zweifarbigen Blüten zu erkennen, die wie kleine Laternen an den Zweigen hängen. Am Stielansatz befindet sich ein steriler violett bis rosa, manchmal sogar weißlicher Blütenkranz, während die fruchtbaren Blüten an der Spitze leuchtend gelb sind. Dieser Blütenschmuck führt zu dem deutschen Namen "Farbkätzchenstrauch" und zu dem englischen Namen "Kalahari Christmas tree", denn diese Sträucher blühen meist um die Weihnachtszeit am üppigsten. In den arideren Landesteilen erscheinen die Blüten allerdings oft erst nach dem Regen.

Ein weiteres unverkennbares Merkmal sind die bis 8 cm langen geraden und sehr spitzen Sproßdornen, die einzeln rechtwinklig von den Zweigen abstehen. Sie sind mit derselben Rinde bedeckt wie die Zweige und können Blätter, Blüten und Früchte tragen. Weil sie aus den gleichen Fasern bestehen wie die Zweige und fest mit ihnen verbunden sind, sind sie sehr stark und dringen leicht durch Schuhsohlen und Reifen, daher der Afrikaanse Name "papwielbos" oder 'Reifenpannenbusch'. Sie stechen besonders schmerzhaft. Der Farbkätzchenstrauch wird wegen der ebenfalls doppelt gefiederten Blätter oft für eine Akazie gehalten. Er gehört zwar auch zu den Fabaceae oder Hülsenfrüchtlern, ist aber keine Akazie, denn Akazien in Namibia haben mit seltenen Ausnahmen immer paarweise angeordnete Dornen, die eine andere Farbe haben als die Zweige, an denen sie wachsen.
Unverkennbar sind auch die gewundenen oder geringelten, rotbraunen Hülsen, die an einem langen Stiel sitzen und in der Regel als Ganzes zu Boden fallen. Sie werden vom Wild und vom Vieh gern gefressen, die die unverdaulichen Samen weit verbreiten. Die Namen "sickle bush", bzw. 'sekelbos' beziehen sich vermutlich auf die sichelartige Form der Hülsen.
Der Farbkätzchenstrauch ist etwa vom 25"° S Breite und überall östlich der Randstufe weit verbreitet. In Strauchform überwuchert er die Straßenränder der Bezirksstraßen nördlich von Otjiwarongo und breitet sich überhaupt überall in den frostarmen Gebieten auf gestörten Böden aus. Der Farbkätzchenstrauch ist auch im übrigen Afrika sowie in Australien und Indien weit verbreitet. Wo er vereinzelt steht, kann er einen richtigen Baum bilden.

Der Stamm ist aschgrau bis braun; ältere Stämme sind rauh, oft gewunden und die Zweige ineinander verflochten - deshalb ist ein dichter Stand dieser Art fast undurchdringlich.
Nutzen und Bemerkungen: Das Laub und besonders die Hülsen sind sehr nahrhaft und werden von Vieh und Wild, insbesondere von Giraffen, Büffeln, Kudus, Damara Dikdiks gern gefressen. Im Gegensatz zu Akazienblättern enthalten welke Blätter des Farbkätzchenstrauches keine Blausäure. Das Holz ist sehr hart und haltbar und sehr gut als Brennholz zu verwenden. Auch für die Stiele von Geräten wie Hacken ist es gut zu brauchen. Wegen seiner Härte und Haltbarkeit wird es auch gern von Sammlervölkern als Grabstock verwendet. Die sehr zähe Innenrinde wird als Schnur verwendet.

In ganz Afrika werden Blätter, Rinde und Wurzeln dieses Strauches medizinisch fast überall auf dieselbe Art verwendet. Bei Schlangenbissen, Skorpion- und anderen Insektenstichen befestigt man die zerkaute Wurzel mit Streifen der inneren Rinde auf der Wunde. Die Blätter gelten als schmerzstillend und werden zerkaut und auch als Tee angewendet. Bei Zahnschmerzen kocht man die Wurzeln und die Blätter, legt eine Decke über den Topf und läßt den Dampf in den weit geöffneten Mund eindringen. Auch bei Magen-, Darmbeschwerden und bei Beschwerden der Harnwege soll der Farbkätzchenstrauch helfen.
Den Farmern in Namibia ist der Farbkätzchenstrauch verhasst, weil er sich besonders auf gestörten Böden sehr stark vermehrt. Dabei verdrängt er die Weide und mindert dadurch die Tragkraft der Farmen erheblich. Mechanisch ist er kaum auszurotten, denn das kleinste Stückchen Wurzel, das im Boden zurückbleibt, treibt wieder aus. Er wird durch die mechanische Bearbeitung deshalb eher dichter als zurückgedrängt. Gegen chemische Mittel ist er empfindlicher - man sollte dabei jedoch immer bedenken, daß das Ziel der Buschbekämpfung ein natürliches Gleichgewicht der Vegetation und nicht die totale Vernichtung einer Art sein sollte.

Der botanische Name Dichrostachys cinerea setzt sich aus verschiedenen Wörtern zusammen: 'Di' (Gr) = 'zwei', "chromo" = 'Farbe' und "stachys" = 'Blütenähre', also zweifarbige Blütenähre, während "cinerea" von dem lateinischen Wort "cinereus" stammt, das 'aschfarben' bedeutet und sich auf die Farbe des Stammes bezieht.

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