22 März 2019 | Geschichte

Buch Hilpisch DSWA

Mehr Übersicht, aber noch kein Brückenschlag

Der Autor Hans Hilpisch bietet in der broschürten Schrift „Die Kolonialkriege in Deutsch-Südwestafrika 1904-1908“ einen Überblick der Publikationen über den Geschichtsabschnitt, insbesondere zur Genozid-Kontroverse. Die Schrift wurde Ende 2018 neben der Autobiographie des Swapo-Altkämpfers Andrew Niikondo sowie einem weiteren Werk von Hilpisch, „Hauptman Kurt Streitwolf“, bei der Namibia Wissenschaftlichen Gesellschaft in Windhoek (NWG) bereits kurz vorgestellt.

Der anspruchsvolle Untertitel zum Kolonialkrieg lautet: „Daten, Fakten und eine kritische Auseinandersetzung mit den widersprüchlichen Forschungsergebnissen der letzten Jahrzehnte.“ Der Autor bemüht sich um eine Bereinigung zwischen „Dichtung und Wahrheit“, „fact and fiction“ und zitiert dabei Stellungnahmen und Positionen aus sowohl aus dem Lager der faktischen und Quellen-orientierten Autoren sowie aus dem Kamp der post-faktischen Historiker, die unter vorgegebenem Dogma höchst selektiv, die Gesamtschau vermeidend, zwar von einigen belegbaren Tatsachen ausgehen, aber dennoch exklusive Deutungshoheit der Kolonialgeschichte und das Monopol einer moralischen Kommandohöhe beanspruchen. In Hilpischs Schrift ist zwischen den beiden Lagern keinerlei Annäherung zu erkennen. Wenn im Untertitel von „widersprüchlichen Forschungsergebnissen“ die Rede ist, muss das eingeschränkt werden, denn bei vielen Schriften über den Kolonialkrieg und zum Genozid-Dogma handelt es sich lediglich um abgeschriebene Positionen mit einem Aufguss neuer Formulierungen und keinerlei originelle Forschung. Das geht schon allein aus dem unreflektierten Umgang mit Toten- und Opferziffern hervor.

Es wäre falsch, die von Hilpisch zitierten Autoren einfach nach einem Schwarz-Weiß-Muster in Erleuchtete und Nachholungsbedürftige, also ohne gleitenden Übergang in „Schafe und Böcke“ einzuteilen. Aber es ist sein Verdienst, das breite Spektrum der Geschichtseinordnung und bisher unwiderlegte Forschungsergebnisse aufzuzeigen, mit denen Namibier und sonstig Interessierte bei kritischer Aufarbeitung etwas anfangen können. Der Autor lässt alle, wenn auch nur kurz, zu Wort kommen, bzw. zieht ihre Beurteilung zustimmend oder je nach Fall ablehnend heran, wenn er sein eigenes streng faktisch belegtes Geschichtsbild des Kolonialkrieges entwirft.

Vom ideologischen DDR-Historiker Drechsler, der seine Gefolgschaft unter anderen in Zimmerer und Zeller gefunden hat bis zum Propaganda-Blaubuch der Briten geht es über Heiner Schneider-Waterberg, Brigitte Lau, Dr. Maria Fisch, Walter Nuhn, Walter Rahn und vielen anderen bis zum Spiegel-Beitrag von 2016 zum Völkermordthema, Ausgabe 24. Hilfreich sind das ausführliche Quellenverzeichnis, weitere Literaturangaben sowie die Liste der Stammes- und Personennamen, Sachbezeichnungen und Abkürzungen. Eine der jüngsten einschlägigen Schriften zum Thema von Christian W. Zöllner (Deutsch-Hererokrieg 1904; Lorenz-von-Stein-Institut, Kiel 2017), „Eine Betrachtung unter dem Aspekt Völkermord“ ist bei Hilpisch unbeachtet geblieben.

Hilpisch schließt ab und distanziert sich: „Ideologische Verblendung und tiefsitzendes historisches Schuldgefühl beherrschen viele Denkweisen und verschließen die Augen für das, was tatsächlich geschehen ist.“

Für Leser und Namibier, die sich um ein umfassendes Geschichtsverständnis bemühen, aber auch Anhängern der postfaktischen Myopie, hat Hilpisch allerhand zu bieten. Eberhard Hofmann

Die Kolonialkriege in Deutsch-Südwestafrika (1904-1908) - Daten, Fakten und eine kritische Auseinandersetzung mit den widersprüchlichen Forschungsergebnissen der letzten Jahrzehnte von Hans Hilpisch. Kuiseb-Verlag, Windhoek, 2018. Druck: Typoprint (Pty), Windhoek Namibia. Broschürter Einband, 104 Seiten, mit historischen Landkarten. ISBN Namibia: 978-99945-76-58-6. ISBN Deutschland: 978-3-941602-05-2. Unverbindlicher Richtpreis: 200 N$.

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