13 September 2019 | Kultur & Unterhaltung

Briefe 1893 - 1904

Von Hans Warncke alias „Hans Waffenschmied“ aus Windhoek und Hamakari (XLVI Brief)

Hans Warncke, Sohn von Pastor Wilhelm Warncke, wurde am 7. Januar 1871 in Neustrelitz geboren und starb am 14. Januar 1904 auf Hamakari. Er war der Großonkel von Dagmar Zumbrunn-Warncke, die zusammen mit ihren Geschwistern und Schwager das Buch „Briefe 1893 - 1904“ zusammenstellte und durch den Kuiseb-Verlag publizierte. Auf den kommenden Seiten von WAZon Geschichte(n) werden diese Briefe veröffentlicht.

Angekommen 6. Dezember 1901 Hamakari, den 6. Oktober 1901



Lieber Vater!

Ich fahre diese Tage nach Karibib hinunter, um Fracht fürs Handelsfeld zu holen. So­eben habe ich deinen Brief vom 16. Juli erhalten und mich natürlich sehr gefreut, daß du doch Sachen schickst und zwar eine größere Sendung, die sich doch eher bezahlt. Hoffentlich hast du die Sachen unter meiner Adresse an die Damaqua-Gesellschaft ge­schickt. Ich habe derselben geschrieben, sich darum zu kümmern und die Sachen nach Karibib zu senden. Möglich ist es, daß sie, wenn ich jetzt runterkomme, schon in Mund oder Karibib sind. In Mund jedenfalls, aber auf Karibib noch nicht, da die Beförderung mit der Bahn so langsam geht. Schade, daß Hosen und Schuhe nicht dabei sind. Das ist das, womit hier die Stores am teuersten sind. Ich kann dir gar nicht sagen, lieber Va­ter, wie dankbar ich dir bin. Ich hatte schon sozusagen alle Hoffnung aufgegeben. Nur Kredit, lieber Vater, mußt du mir etwas lange geben, da es zu lange dauert, ehe ich die Waren hier oben habe. Jetzt kauft die Bahnverwaltung auch kein Vieh mehr, sie hat die Lieferung des nötigen Fleisches an gewisse Storeleute vergeben. Leutnant Streitwolf von Okahandja war neulich hier, kaufte ein Tigerfell [Leopardenfell] von mir, er meinte auch, das wäre ein großer Schaden fürs Land, daß den Privatleuten jetzt die letzte Geldquelle abgeschnitten wäre. Ich werde in 5-6 Tagen herunterfahren nach Karibib und wieder einen Trupp Groß und Kleinvieh herunterbringen. Schicke mir bitte auch die Proben der von mir im Postpaket geschickten Waren mit (Ich habe die Schuhe, die zu den dir geschickten passen, noch hier liegen). Von den Büchern, die ich dich gebeten habe, zu schicken, schreibe mir bitte auch, ob du sie bekommen kannst.

Wir haben jetzt einen Trupp Ochsen und Kälber billig gekauft, die nur von der Regierung mit Blut vor Monaten geimpft sind. Diese haben wir nun mit Galle geimpft. Wollen sehen, wie viel davon tot gehen, in 3-4 Tagen hat es sich entschieden. Es ist heute der 10. Tag und es sind 6 krank. Die berühmte Serum (Blut) Impfe hat gar nichts damals genützt. Ich warte nur noch, bis die Ochsen mit der Impfe durch sind, dann fahre ich hinunter.

Hoffentlich wird es dies Jahr besser regnen, als vergangene Regenzeit. Es wäre sehr zu wünschen. Es hat hier diese Tage schon ein bißchen geregnet, ein gutes Vorzeichen hoffentlich. Die Rinderpest ist überall noch im Gange. Sie tritt kolossal langsam und schleichend, aber sicher, auf. Jetzt impft der Leutnant von Okahandja wieder oben am Omuramba. Wenn Tiere auch mit Galle geimpft sind und die Galle ist etwas zu schwach gewesen, so krepieren sie nachträglich noch, manchmal nach einem Jahr.

Nun genug für heute, lieber Vater, ich habe letzte Zeit nichts erlebt und weiß nichts mehr zu berichten. Also die Briefe sendest du immer an meine Adresse nach Waterberg (Poststation). Wenn du aber Postpakete schickst, so adressiere es postlagernd Omaruru (da Waterberg keine Pakete wegschicken und empfangen tut).

Viele Grüße an Mutter und die Geschwister, auch Dr. Förster unbekannterweise.

Dein Hans

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