22 März 2019 | Geschichte

Briefe 1893 - 1904 (XXX Brief)

Von Hans Warncke alias „Hans Waffenschmied“ aus Windhoek und Hamakari

Hans Warncke, Sohn von Pastor Wilhelm Warncke, wurde am 7. Januar 1871 in Neustrelitz geboren und starb am 14. Januar 1904 auf Hamakari. Er war der Großonkel von Dagmar Zumbrunn-Warncke, die zusammen mit ihren Geschwistern und Schwager das Buch „Briefe 1893 - 1904“ zusammenstellte und durch den Kuiseb-Verlag publizierte. Auf den kommenden Seiten von WAZon Geschichte(n) werden diese Briefe veröffentlicht.

Angekommen 13. März 1898- Salem, den 20. Januar 1898

Liebe Eltern!

Endlich komme ich wieder zum Schreiben. Seit der Rinderpest-Zeit war ich stets unterwegs und immer in Bewegung, ich war mit einer Fracht nach Gobabis herauf, dann 2-mal nach Otjimbingue. Ich habe jetzt ein großes und ein kleines Spann Ochsen, (im Ganzen 36 Stück), ich hatte noch junge zugekauft. Meine Gesundheit ist soweit gut, Gott sei Dank, Fieber och nicht wieder gehabt. Ich fahre jetzt mit 2 Wagen wieder herunter, ich habe bei einem Wagen einen jungen Buren, den anderen treibe ich mit Hilfe eines Kaffers. Ich denke, daß ich jetzt den ersten Menzelschen Wagen bezahlt erhalte. Den andren fahre ich jetzt selber, doch war das Holz sehr naß, ich habe ihn schon 2-mal nachbinden lassen, die Wagen sind jetzt so billig. Ich muß Menzel das Geld schicken. Aber eine Farm wollte ich jetzt auch kaufen und einige Kühe und Schafe. Das Herumliegen auf dem Wege geht für immer nicht. Nächstes Mal werde ich euch wohl genaueres schreiben könne.

Hoffentlich ist Mutter jetzt wieder besser und Gretchen. Wie oft habe ich an sie gedacht! Es ist wirklich traurig. Ich freue mich mur, daß du, lieber Vater, noch gesund bist. Jetzt sind es schon 4 Jahre, daß ich hier bin. Neulich bekam ich deinen Brief an von Carnap (den er gar nicht bekommen hatte) wieder zu sehen und der Brief erinnerte mich an so manches. Ich freue mich doch, daß ich soweit gut dastehe und bin zufrieden. Große Ansprüche habe ich auch nicht. Ich liebe meine Ochsen und Wagen, das ist alles. Ich lebe gut und spare mir nichts am Leibe ab, übernehme mich aber auch nicht.

Für das Geschenk, das du mir mit dem Wagen und dem anderen Zeug gemacht hast, danke ich dir von Herzen. Jetzt denke ich doch bald zu eigenem Besitz zu kommen. Mauer will auch aus Salem fort auf eine Farm weiter oben kaufen. Von Brockdorff und Schuster habe ich auch auf der Reise nach Gobabis besucht. Ich hatte damals noch wieder Malheur, es gingen 4 gute Ochsen an schwarzer Lungenseuche tot, obwohl sie geimpft waren. Doch ohne Schaden geht es hier nie ab, sonst wäre man bald ein reicher Mann. Aber ich denke doch, daß ich durch die Rinderpest so gut gekommen bin.

Mich soll es wundern, wie es mit der Bahn kommt. Ich glaube nicht, daß sie Zweck haben wird, außer, wenn man Minen aufmacht. Aber obwohl solche vorhanden sind (Gold, Kohlen, Kupfer, Diamanten) schein mir, wird nichts gemacht. Warum? Ich weiß nicht. Die Leute hier verfolgen eine höchst dunkle Politik. Ich könnte viel erzählen, auch von der Rinderpest her, von den Strafen, die hier verhängt werden usw. Es wird nicht besser werden, wenn wir nicht ein Zivilgericht bekommen.

In Swakopmund ist jetzt eine Krankheit (eine Art Typhus), an der schon viele Leute tot sind. Corleis hat seinen Store verpachtet. Ich und Stütger (ein Freund von mir, auch Frachtfahrer) sind fort da, da Gras und Wasser zu schlecht sind. Oben im Lande hat es viel geregnet, aber hier von Otjimbingue ab noch nicht. Das Feld ist schlecht, nur Anapillen sind noch im Swakop-Rivier. Indes muß das Wasser bald laufen und dann schwemmt es auch die Pillen weg. Es ist jetzt wieder mal Krieg mit den Hottentotten oben bei Omaruru. Die Hereros sind sonst sehr ruhig. Jetzt müssen sie arbeiten: graben und bewässern.

Eine Kuh kostet jetzt 160 - 200 Mark, ein Zugochse auch. Kleinvieh ist jetzt auch knapp, da dies der ganze Besitz der Kaffern noch ist.

Von Paul habe ich neulich einen Brief erhalten und schreibe ihm auch gleich wieder. Hoffentlich erhalte ich bald gute Nachricht von Mutter, Gretchen und Else. Mich soll es wundern, wie die Sache mit letzterer wird, ich wünsche ihr Gutes, ich kann aber in der ganzen Sache nicht recht klar sehen. Aber nun lebt wohl.

Meine innigsten Grüße und Küsse an euch alle.

In alter Liebe, Eurer Sohn Hans

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