15 März 2019 | Geschichte

Briefe 1893 - 1904 (XXVIII und XXIX Brief)

Von Hans Warncke alias „Hans Waffenschmied“ aus Windhoek und Hamakari

Hans Warncke, Sohn von Pastor Wilhelm Warncke, wurde am 7. Januar 1871 in Neustrelitz geboren und starb am 14. Januar 1904 auf Hamakari. Er war der Großonkel von Dagmar Zumbrunn-Warncke, die zusammen mit ihren Geschwistern und Schwager das Buch „Briefe 1893 - 1904“ zusammenstellte und durch den Kuiseb-Verlag publizierte. Auf den kommenden Seiten von WAZon Geschichte(n) werden diese Briefe veröffentlicht.

Zaobis, den 16. Juli 1897

Liebe Eltern!

Heute fährt die Post unerwartet durch und daher schnell einige Zeilen. Mit meinen Ochsen geht es bis dahin. Sie sind geimpft mit Galle, 2 sind tot, 3 waren sehr krank, sind jetzt aber wieder besser. Es sind etwa 4 Wochen her seit der Impfe. Mich soll wundern, wie sich dies Impfen bewährt. Es soll auch noch mit Blut nachgeimpft werden, doch weiß ich nicht, wie sich dies bewähren wird. Es sind schon viele Rinder krepiert hier im Lande, hauptsächlich oben, auch bei den Hereros. Vorläufig ist der Transport noch nicht wieder freigegeben, doch denke ich, daß die geimpften Ochsen nächstens laufen können. Dieselben werden jedenfalls einen hohen Preis bekommen.

Die Truppe hat 500 Maulesel erhalten von Argentinien, die noch im Mund sind, doch verspreche ich mir davon nicht viel. Erstens bekommen sie die Sterbe [Pferdeseuche oder Pferdesterbe genannt], sodann sind sie an Futter und Wassermangel nicht gewöhnt, schließlich sind sie wild und faul, beides zugleich, wild gegen den Menschen, faul im Ziehen. Dagegen die kleinen Esel, wie man sie in der Kolonie hat, wären hier gut zu gebrauchen, da sie billig, genügsam und zahm sind.

Dr. Kohlstock hat sich hier bisher nicht sehr beliebt gemacht, da er hochmütig auftritt und einen gewöhnlichen, dummen Charakter zu haben scheint. Dagegen nimmt Stabsarzt Libbart (Lübbert) sich sehr der Impferei an und erfreut sich großer Beliebtheit.

Die Ärzte müssen in der Pestangelegenheit noch viel probieren und erfahren. Bisher haben sie noch nicht einmal eine Medizin, um einen kranken Ochsen zu erleichtern. Ein hiesiger Ochse hält etwas aus, was ein Tier in Deutschland nicht kann. Aber trotzdem verrecken, wenn nicht geimpft wird, von 100 Ochsen 97 und 3 kommen durch. Aber das Impfen hilft, das ist sicher, obwohl es anders kommt, als wie die Ärzte behaupten. Es fragt sich nur, wie lange der Schutz vorhält, das ist noch nicht erforscht.

Jetzt muß ich schließen, hoffentlich seid ihr alle gesund wie ich.

Mit innigen Grüßen

Euer Sohn Hans

Zaobis, den 6. Dezember 1897

Liebe Eltern!

Es ist wohl einige Zeit seit meinem letzten Brief verflossen, aber ich hatte so viel Unruhe und Arbeit, daß ich keine Lust dazu hatte.

Ich habe wieder Lungenseuche gehabt und meine Ochsen impfen lassen. Dabei konnte ich aber den Bau von Herrn Corleis, den ich angenommen hatte, nicht liegen lassen. So mußte ich die Ochsen einem Engländer übergeben, der 4 Stunden von hier am Swakop wohnt, um zu impfen. 3 der besten Ochsen sind tot an der Seuche und 2 von der Schwellung [Darmverstopfung, glaube ich!].

Ich denke nach Weihnachten den Bau ganz klar zu haben mit Putzen und allem. Hoch ist er, ich habe jetzt das Dach aufgelegt und fange an zu verputzen inwendig. Vielleicht werde ich hier bleiben, Herr Corleis hat mir einen Platz angeboten. Über den Wagen, den Menzel geschickt, habe ich jetzt erst Nachricht erhalten, daß er angekommen ist, und ich habe ihn schon versprochen. Ich werde wohl erst im Januar fahren können, sobald die Ochsen sich von der Impfe richtig erholt haben. Wenn nur die Ochsenpreise gut wären und nicht die Furcht vor der Rinderpest alles am Kaufen hinderte, so hätte ich die Ochsen (27 Stück) jetzt verkauft und dir das Geld geschickt.

Wenn jemand auf die Art, wie ich jetzt, sein Geld verdienen kann, dann ist es besser als die mühselige, riskante Geschichte mit Transportfahren und Viehzüchten. Das habe ich jetzt eingesehen. Und ich bin auch mein eigener Herr. Mit Prengel bin ich auseinander, da er keine Lust hatte, selbstständig etwas anzufangen. Ich kann es ihm eigentlich auch nicht verdenken, denn wenn ich denke, wie viel Verlust ich mit dem Ochsengeschäft durch die fortwährenden Seuchen gehabt habe, so muß ich selber sagen: Wärst du bei der Arbeit geblieben! Ich habe jetzt schon andere Bauten in Aussicht, die mir halb und halb versprochen sind. Hier auf Zaobis hat es erst wenig geregnet dies Jahr, das Gras ist noch sehr trocken, weshalb sich die Ochsen nicht recht helfen [???]. Die Hälfte etwa von meinen Ochsen ist trotzdem schon gut von Aussehen. 2 haben Lungenseuche gehabt und sind wieder gesund geworden, wodurch sie natürlich im Wert gestiegen sind.

Eure Briefe habe ich neulich alle mit einmal bekommen und hatte die ganzen Tage daran zu lesen.

Jetzt wird hier am Wegebau gearbeitet, was sehr nötig ist. Nun kommt bald wieder das Weihnachtsfest, jetzt sind es 3 Jahre, die ich hier im Land bin. Die Zeit geht zu schnell hin, besonders seit ich für mich alleine fahre und arbeite.

Hoffentlich geht es euch allen gut. Ich bin, seit ich Fieber hatte auf Windhoek, gesund geblieben bisher.

Nun lebt wohl und grüßt alle Verwandten und Freunde von mir.

Mit herzlichem Gruß

Euer So Hans

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