25 Januar 2019 | Geschichte

Briefe 1893 - 1904 (XXII Brief, Teil 4/4)

Von Hans Warncke alias „Hans Waffenschmied“ aus Windhoek und Hamakari

Hans Warncke, Sohn von Pastor Wilhelm Warncke, wurde am 7. Januar 1871 in Neustrelitz geboren und starb am 14. Januar 1904 auf Hamakari. Er war der Großonkel von Dagmar Zumbrunn-Warncke, die zusammen mit ihren Geschwistern und Schwager das Buch „Briefe 1893 - 1904“ zusammenstellte und durch den Kuiseb-Verlag publizierte. Auf den kommenden Seiten von WAZon Geschichte(n) werden diese Briefe veröffentlicht.

16. April

Ich bin jetzt ziemlich wohl, habe guten Appetit und Schlaf. Morgen fahre ich nach der Bai mit 30 Ochsen. Vom Orlog nichts neues, es gehen jetzt noch Wagen, freiwillig eingetretene Soldaten, auch 15 Bastards, 20 Hereros unter Samuel ab nach dem Kriegsschauplatz. Aber der Baiweg ist sicher, die Damaras in Okahandja und Omaruru sind sehr ruhig.

19. April

Ich habe mich noch ein paar Tage verzögert, ich habe Holz gefahren und will morgen noch 12 meiner Ochsen ein Mittel gegen Lungenseuche eingeben (halbe Flasche Wasser, darin 2 Eßlöffel Essig-Essenz und 2 Eßlöffel Mostrich, soll auch 3-4 Monate schützen). 5 von diesen Ochsen (junge ungelernte) gehören meinem Treiber, er will sie lehren und mir kann es willkommen sein. Denn gesetztenfalls ich nähme für andere, so wie es hier Mode ist, sogenannte Lernochsen mit herunter, die ich ja nach der Abmachung auf 1, auf 2 oder gar 3 Bai-Touren übernommen hätte, so habe ich, falls den Ochsen etwas geschieht, vollen Ersatz zu leisten. Und zwar ist es so: Ich übernehme 6 Ochsen, die dem Eigentümer à 60 Mark gekostet, zum Lernen auf ½ Jahr. Dann muß ich nach Ablauf dieser Zeit 6 Zugochsen abliefern. Krepiert mir nun einer dieser Ochsen, dann muß ich einen anderen stellen, der mir 100 Mark wert ist. Brauchte ich nur 60 Mark zu zahlen, wäre die Sache anders. Bei meinem Treiber dagegen ist es für mich günstiger, denn er ist selber Hüter seiner Ochsen und in seinem Vorteil liegt es, die Ochsen gut in Zug zu bringen. So fahre ich mit 35 Ochsen herunter. Ich hätte Wagen und Ochsen schon an die Truppe vermietet, wie es andere tun, nach Gobabis zum Kriegsschauplatz und wäre selber auch als Kriegsfreiwilliger eingetreten, wenn meine Leute hin wollten, aber diese sind aus der Gegend und wollen sich dort nicht sehen lassen. Und ohne Leute nimmt die Truppe keinen Wagen, da sie selbst wenig Volk hat. Und Leute sind überhaupt nicht mehr hier in dieser Gegend zu kriegen. So muß ich nach der Bai und ich denke vielleicht, wenn die Wagen in Mund sind, einen mitzunehmen.

Ich hole erst mit 20 Ochsen (die anderen lasse ich auf Zaobis) eine Fracht für Otjimbingue aus dem Mund. Dann höre ich, ob der Wagen da ist und falls es so ist, nehme ich nachher meine anderen Ochsen auch, kaufe noch einige junge zu und hole 2 Frachten nach Windhoek. Oben verkaufe ich den Wagen gleich.

Ein junger Ochse ist noch auf Jabakstün, einer auf Utrai, ein anderer Ochse auf Otjimbingue.

Das Lehmfahren habe ich deshalb aufgegeben, weil meine 3 Leute zu schwächlich zur Arbeit sind. Zum Lehmfahren und Lehmpappen gehörigen kräftige Bergkaffern. Die Hottentotten sind zu schmächtig, sonst für den Baiweg ziehe ich letztere vor, da sie den Kaffern im Ochsensuchen überlegen sind. Was hätte ich auf meinem letzten Zug machen sollen, wo mir die Ochsen so auseinandergerannt waren und so weit, hätte ich nicht ganz zuverlässige Leute gehabt! Anderen Leuten sind viele Zugochsen fortgelaufen und sie haben keine blasse Ahnung, wo sie sind, einem 12 Stück, einem 25 Stück, einem 8 Stück usw. Wie manche sagen, ein Hottentot ist diebisch, das ist Unsinn, sicherlich gibt es genug, die stehlen, aber bei den Bastards, Hereros und Kaffern ist das ganz genau ebenso, im Gegenteil hat ein Hottentot ein gewisses Ehrgefühl und ist nie grausam wie der Herero und Kaffer.

Vom Kriegsschauplatz nicht viel neues, es gehen heute die, welche eigentlich nach Deutschland wollten, die jetzt von Mund heraufgekommen sind, nach Gobabis ab. In Olifantskloof ist die dortige Station von den Hottentotten belagert, Hauptmann von Estorff, dem Leutwein jetzt den Oberbefehl übertragen hat, ist hin im Eiltempo.

Ich werde wohl nächste Post schreiben von Otjimbingue aus. Jetzt will ich schließen. Grüßt Paul doch ganz besonders und dankt für seinen Brief, dann Friedel, Else und Gretchen, Herrn Pefke, eure Anna (unbekannterweise), Johann, auch alle Dorfbekannten. Hoffentlich schreibe ich nächstes Mal glücklich. Ich bin jetzt nur so froh, wieder gesund zu sein. Mit vielen Grüßen in herzlicher Liebe verbleibe ich

Euer Hans

N.B. Bitte nichts in die Zeitung setzen zu lassen, da das hier nur übel aufgefaßt wird. Nun will ich, da ich gerade noch Zeit habe, doch ein kleines Erlebnis erzählen. Als ich mit Mauer nach Omaruru war, da regnete es sehr. Es war zwischen Etiro und Omaruru, wo eine große Ebene ist, nur weit in der Ferne Berge. Ich ging des Morgens früh von dem Platz, wo wir geschlafen hatten, weg, um Hühner zu schießen, ringsum ist dort dichter hoher, aber einförmiger Buschwald. Der ganze Himmel war grau in grau. Plötzlich, wie ich kreuz und quer hinter den Perlhühnern gerannt war, kam es mir in den Sinn, wo der Wagen wäre. O weh, ringsum nichts zu sehen als graue Luft, ich ging aufs Geratewohl in eine gewisse Richtung, ich kam an keinen Weg, verzweifelt setzte ich mich hin, ich hatte auch schon großen Durst, bald ging ich wieder. Die Qualen eines Verirrten begannen mich zu foltern. Mit Gewalt zwang ich mich endlich wieder zum Sitzen. Da, gegen Nachmittag endlich begannen die Wolken sich ein klein wenig zu verziehen und neue Hoffnung belebte mich. Endlich da! Die Sonne schien durch, nur ein wenig, aber genügend für mich. Ich sah, ich war anstatt (da ich rechts vom Weg war) nach Westen zu gehen, nach Norden gelaufen. Nun sah ich auch bald in der Ferne die Berge und steuerte direkt nach Westen und in einigen Stunden war der Weg erreicht, und dann nach einiger Zeit erreichte ich Mauers Wagen, der wieder ausgespannt und schon wartete, ob ich nicht käme. Aber da schmeckte mir der Kaffee.

Doch nun Lebwohl bis weiteres.

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