11 Januar 2019 | Geschichte

Briefe 1893 - 1904 (XXII Brief, Teil 2/4)

Von Hans Warncke alias „Hans Waffenschmied“ aus Windhoek und Hamakari

Hans Warncke, Sohn von Pastor Wilhelm Warncke, wurde am 7. Januar 1871 in Neustrelitz geboren und starb am 14. Januar 1904 auf Hamakari. Er war der Großonkel von Dagmar Zumbrunn-Warncke, die zusammen mit ihren Geschwistern und Schwager das Buch „Briefe 1893 - 1904“ zusammenstellte und durch den Kuiseb-Verlag publizierte. Auf den kommenden Seiten von WAZon Geschichte(n) werden diese Briefe veröffentlicht.

Es ist jetzt Krieg in Gobabis. Hottentotten und Hereros zusammen. Alle Soldaten sind hin. Am ersten Ostertag wurde Hauptmann von Estorff mit 45 Mann von 5 - 6 000 Hottentotten und Hereros überfallen. Es ist zum Nahkampf gekommen. Die Feinde wurden glänzend niedergeworfen. Wir haben 6 Tote: 4 gemeine Soldaten, Leutnant Lange (?) und Freiwilliger Schmidt. Jetzt noch weiter keine Nachricht. Es ist eine schlechte Lage, sollten die Hereros aufstehen? Nach meiner Ansicht kommt es auf die Erfolge unserseits an. Schlägt der Major die Aufständischen gehörig, dann wird es ruhig bleiben, dann kriegen die anderen Damarastämme Respekt. Haben wir aber Mißerfolge, ja dann können wir uns des Schlimmsten vergewärtig sein. Es ist natürlich große Aufregung hier, die Zivilisten stehen Posten, die entlassenen Soldaten, die nach Deutschland wollten, sind wieder einberufen

Nun will ich noch kurz die unglücklichste Geschichte meines vorigen Zuges erzählen. Also wir hatten noch von dem Geld, was ich beim vorigen ersten Zug verdient hatte, noch Ochsen gekauft. Im Ganzen 14 alte, (von Ebrahims, Schaafrivier) von denen 2 auf Anawood standen, 4 junge von Aris von Brehm & Körner, 6 neugekaufte Zugochsen, 2 in Otjimbingue gekauft, 3 Ochsen geliehen, also 29 Ochsen. Mit 27 Ochsen, dem Wagen und einem geliehenen Karren also fuhr ich hinunter. Es ging gut bis Anawood. Dort fiel einer von Ebrahims Ochsen an Lungenseuche, einen anderen ließ ich dort stehen, der krank war (2 waren schon tot, die hatte ich beim ersten Zug auf Anawood stehen lassen, die ich jetzt gesund und munter anzutreffen dachte). Dann fiel noch einer an Lungenseuche. Das waren 5, die fehlten, nun hatte ich nur noch 24, dafür kaufte ich noch 3 Ochsen von einem Bastard. So konnte ich, als ich Fracht lud, 16 vor den Wagen und 10 vor die Karre spannen. Auf Kanakondis lieh mir ein Bur 2 ungelernte Ochsen. Ich kam bis Jakkalsfontein, indes waren noch 4 Ochsen fort: 2 schlapp im Swakoprivier gelassen, einer Gallseuche, einer fortgelaufen. So hatte ich zuletzt nicht mehr genug und brachte erst den Wagen und dann die Karre nach Jakkalsfontein. Hier sah ich, daß ein Rad von der Karre sehr lädiert war. Deshalb und weil zu wenig Ochsen, schickte ich den Wagen voraus nach Windhoek. Ich selber ging mit der Karre und den übrigen Ochsen nach Salem. Mauer wollte gerade zum Mund und ein Bastard zur Bai. Mit dem letzten fuhr ich mit und holte das zum Wagen gehörige Vorderrad nach Salem, um es an die Karre zu stecken. Dann fuhr ich mit Mauer nach Omaruru in 9½ Tagen hin und zurück von Salem aus, wir wollten Ochsen kaufen, doch war dort alles ausverkauft. So mußten wir unverrichteter Sachen umkehren. So mußte ich meinen Plan, die Fracht der Karre hinaufzuschaffen, aufgeben, da ich nur 6 Ochsen hatte und die schlechtesten, denn die besten hatte mein Treiber nach Windhoek genommen. Nun war das neue Rad auch nicht nötig, ich flickte das alte ein wenig, lud das neue auf und fuhr mit der leeren Karre nach Windhoek (Die Fracht hatte Mauer übernommen). Dort hörte ich, daß mein Treiber auf Otjisera um Vorspann gebeten hatte, Prengel hatte Ochsen geliehen und ihm entgegengeschickt. Von den 19 Ochsen, die von Jakkalsfontein abgegangen waren, sind nur 12 nach Windhoek gekommen (4 an Lungenseuche tot, 2 an Gallseuche, einer verloren). Das war ein harter Schlag. 2 Ochsen, die auf Haikamkap schlapp geworden waren, hatte ein Bur genommen und eingespannt, doch werde ich sie wiederkriegen, da ich den Mann kenne. Den einen verlorenen Ochsen werde ich auch wohl kriegen, da ich von ihm gehört habe.

So hatten wir auf diesem Zug, wenn ich die 2 Ochsen, die auf Anawood krepiert waren an Lungenseuche, abrechne, 11 Ochsen verloren, im Fall, daß ich die 3 wiederkriege, 2 sind allerdings nur etwa 40 Mark jeder wert, die welche mir der Bur geliehen, auch weiß ich nicht, wo er ist und er hat noch nicht geschrieben, 2 sind junge (45 Mark), 7 dagegen von Ebrahims 6 Pfund Ochsen. Die 3 verlorenen sind 2 von Ebrahims, einer von den geliehenen.

Nun hatten wir unter unseren jungen Ochsen auch Unglück gehabt. Dieselben waren geimpft und bekamen Lungenseuche. Es waren 12 Stück von einem gewissen Körner gekauft (45 Mark pro Stück). Sie standen bei Tünschel & Wilkes Vieh auf einem Außenposten. Von denen sind 5 übriggeblieben, die ich jetzt habe, diese sind sicher gesalzen vor Lungenseuche.

Ich wäre gerne nach der Bai diesmal gefahren, doch waren meine Ochsen zu jung, die Zeit ist auch zu schlecht. So liegt das Schmiedezeug noch da. Doch wenn die Verhältnisse wieder so sind, daß alles ruhig ist (jetzt fährt keiner herunter) und ich herunterfahre, dann hole ich das Zeug. Alle haben jetzt große Verluste gehabt, die mit mir nach dem Mund gefahren sind. Einer hat ein Spann Ochsen auf der Pläm gelassen, mehrere andere haben 12-15 Ochsen verloren auf dem Wege.

Jetzt soll es übrigens geregnet haben und viel besser sein, auch bei Utrai, Otjimbingue und Zaobis.

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