21 Dezember 2018 | Geschichte

Briefe 1893 - 1904 (XX. Brief)

Von Hans Warncke alias „Hans Waffenschmied“ aus Windhoek und Hamakari

Hans Warncke, Sohn von Pastor Wilhelm Warncke, wurde am 7. Januar 1871 in Neustrelitz geboren und starb am 14. Januar 1904 in Hamakari. Er war der Großonkel von Dagmar Zumbrunn-Warncke, die zusammen mit ihren Geschwistern und Schwager das Buch „Briefe 1893 - 1904“ zusammenstellte und durch den Kuiseb-Verlag publizierte. Auf den kommenden Seiten von WAZon Geschichte(n) werden diese Briefe veröffentlicht.

Haikamkap, den 9. Januar 1896

Liebe Eltern!

Lange hat es gedauert, ehe ich wieder geschrieben habe, da ich während der vorigen Posten (Postsendungen) in solcher Bekümmernis und Krankheit war, daß ich gar nicht ans Schreiben dachte. Ich habe auf meinem vorigen Zug, wo ich außer den Wagen noch eine geliehene Karre mitnahm, Unglück gehabt, indem ich ein Rad an letzterer brach, dann Lungenseuche zwischen den alten Ochsen bekam und 6 verlor, die nicht gut geimpft sein mußten, dann noch 2 an Gallseuche [Gallseuche = Heartwater, Afrika, durch Blutparasiten verursacht, von blutsaugenden Zecken übertragen] und einen an Schlappheit und 2 sind mir von einem Unbekannten eingespannt und fort. So hatte ich so großen Schaden, daß ich fast schon verzweifelte und Prengel [sein Partner] auch. Doch ich habe jetzt noch einen anderen Plan gemacht und 16 junge geimpfte Ochsen gekauft, dann hatte ich noch 6 von meinen alten, die noch gut von Fleisch. Und 6 an­dere, sehr mager, verkaufte ich lieber. Jetzt habe ich von Windhoek bis zum Mund alle Jungen gefangen und eingespannt und habe 4 000 Pfund geladen und bin auch bis hier sehr gut gefahren. Die jungen Ochsen sind fett, ich hatte den ganzen Wagen voll Gras und Anapillen geladen, sodaß ich in Mund, Nonidas, hier in Haikamkap immer gute Fuhr geben konnte. Von den alten Ochsen laufen 4 lose, da sie noch etwas mager sind. Bei Nonidas hatte ich Pech, da ich, bei Nacht fahrend, mit dem Wagen in Schlamm ge­riet, wo derselbe mit einem Vorderrad und einem Hinterrad bis an die Narben einsank, so daß ich am anderen Morgen die ganze Fracht abladen mußte, um nur den Wagen heraus zu bekommen, worauf ich dann die Fracht wieder auflud und weiterfuhr.

Ich habe jetzt auch statt eines Bastard-Treibers einen Hottentotten, der anstatt 5 Pfund nur 2 bekommt und der sehr gut und zuverlässig ist.

Ich schreibe hier in Haikamkap auf der Station, ich will heute Mittag weiterfahren an Usap vorbei nach Karibib. Wenn ich gut nach Windhoek komme, schreibe ich gleich.

Ich hatte vor einem Monat etwas ziemliches Fieber und lag in Windhoek in meiner Bude. Jetzt mußt du dich mit dem Gelde leider noch ein wenig gedulden. Wenn ich hin­aufkomme, werde ich nachher wohl 1 000 Mark schicken. Ich habe in dieser schweren Zeit fast nicht an euch gedacht, ich mache mir selber Vorwürfe darüber, aber das Geld sollst du bekommen, lieber Vater, nur noch Geduld ein Weilchen.

Eure Briefe habe ich erhalten. Wie lange ist es jetzt doch schon her, seit ich aus Deutschland fort bin, die Zeit verrinnt so schnell.

Nun lebt alle wohl, grüßt die lieben Geschwister und alle Bekannten vielmals.

In herzlicher Liebe

Euer Sohn Hans

Entschuldigt die wenigen Zeilen, ich habe Eile, ich muß den Ochsen noch Pillen suchen und nachher will ich fahren.

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