16 August 2019 | Geschichte

Briefe 1893 - 1904 (XLV Brief, Teil 1/2)

Von Hans Warncke alias „Hans Waffenschmied“ aus Windhoek und Hamakari

Hans Warncke, Sohn von Pastor Wilhelm Warncke, wurde am 7. Januar 1871 in Neustrelitz geboren und starb am 14. Januar 1904 auf Hamakari. Er war der Großonkel von Dagmar Zumbrunn-Warncke, die zusammen mit ihren Geschwistern und Schwager das Buch „Briefe 1893 - 1904“ zusammenstellte und durch den Kuiseb-Verlag publizierte. Auf den kommenden Seiten von WAZon Geschichte(n) werden diese Briefe veröffentlicht.

Hamakari, den 14. Juni 1901

Lieber Vater!

Es ist etwas lange seit meinem letzten Brief, aber ich hatte letzte Zeit arges Fieber und konnte nicht schreiben. Jetzt geht es wieder. Dies Jahr sind wieder viele krank. Und ich habe das Fieber seit 1896 im Anfang des Jahres so gut wie gar nicht mehr gehabt. Allein jetzt war es stark und ich werde es noch öfter dies Jahr bekommen, ich fühle es in den Knochen.

Ich habe mit einem anderen Ansiedler (auch alter Händler, von der Truppe) zusammen hier einen Bauplatz von 150 Metern im Quadrat gekauft von dem Herero-Kapitain auf Waterberg. Die Sache ist noch nicht ganz klar, aber so gut wie klar, muß noch von der Regierung bestätigt werden, allein in dieser Hinsicht liegt kein Hindernis vor. Der Quadratmeter soll nicht unter 10 Pfennig von den Hereros verkauft werden. Wir werden uns auch das Vorkaufsrecht für das Land rundum vorbehalten. Der Platz enthält die Wasserstellen (immer Wasser) und es ist auf einem trockenen Platz, der etwas hoch liegt, etwa 100 Meter vom Wasser, wo wir schon das Haus aus Backsteinen angefangen haben.

Ich danke vielmals für die 1 500 Mark, die ich damals für den Wagen bekam, von denen du mir schriebst, ich solle sie behalten. Ich verwende sie jetzt auf den Platz. Derselbe ist günstig gelegen, nahe von Waterberg, am großen Wege, hauptsächlich günstig für den Handel.

Ich habe vor 8 Tagen deinen Brief vom 4. März dieses Jahres erhalten und sehe, daß du, als du denselben abschicktest, mein Paket und meinen Einschreibebrief vom 25. Januar d.J. (von Omatako) noch nicht erhalten hattest. Nun habe ich bisher noch nicht wieder nach Omaruru schicken können, wo sicher wieder ein Brief von dir angekommen ist. Nach Karibib werde ich erst nächsten Monat kommen und den dort liegenden Brief von dir lesen können. Nun ist mir natürlich in deinem jetzt erhaltenen Brief manches unverständlich. Du schreibst, du wolltest lieber keine Sachen schicken und ich solle für bares Geld kaufen usw. Du sagst, daß es besser sei, obwohl du keine Gründe angibst. Ich hätte mir ja gar keine Hoffnungen gemacht und vor allem nicht die Sachen im Postpaket geschickt und den ganzen Bestellungsbrief geschrieben, hättest du mir damals nicht geschrieben, du wolltest Sachen schicken und ich solle dir alles mitteilen. Wenn du meinst, es wäre besser und vorteilhafter, in Mund [Swakopmund] zu kaufen, als von Deutschland zu beziehen, so weißt du jedenfalls nicht, wie viel die Storeleute auf die Waren draufschlagen. Auf Kost weniger, allein viel auf Kleider, Decken usw. Eine Decke z.B., die in Mund en gros 10 Mark kostet, kann in Deutschland selbst im Einzelkauf nicht mehr als 3 Mark kosten. Doch genug, ich werde ja aus deinem nächsten Brief deine Beschlüsse hören, nachdem du die Sachen und den Bestell-Brief empfangen hast. Jedenfalls, wenn es nicht geht, geht es nicht. Aber dann möchte ich dich doch um noch einige Geldunterstützungen anfragen, die du mir anbotest, wenn ich wirklich etwas unternehmen würde. Und dies Unternehmen kostet viel Geld. Wir wollen noch dies Jahr das Haus fertig bauen, mit Wellblech decken und alles gut einrichten und machen. Denn nur ein Haus, das auch Ansehen hat und solide ist, hat Wert, im Fall man später Grundstück und alles verkaufen will (und der Fall muß doch immerhin in Betracht gezogen werden). Und haben wir einen Store, dann müssen wir ihn auch gut einrichten, einer von uns ist dann mit Ochsen und Wagen immer im Handelsfeld, und der andere kann sich dem Store und der Viehzucht widmen. Und der Platz ist sehr gut für Großvieh sowohl als Kleinvieh. Wir haben schon ein paar Milchkühe bei Seite gestellt, die wir zur Zucht haben wollen, und wir werden uns bei jedem Handelszug immer die besten dazu heraussuchen.

Hätte ich nur diesen letzten Schlag bei der Rinderpest mit den 30 Stück gefallenen Rindern nicht gehabt! Und auch jetzt ist es wieder schlecht mit meiner Krankheit gewesen, wo ich viel versäumt habe und gekostet. Hoffentlich hilft Gott und läßt die Krankheit nicht zu lange hausen. Das Fieber ist ein Ding, das, wenn es einen mal richtig erfaßt hat, nicht so schnell wieder los läßt.

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