26 Juli 2019 | Geschichte

Briefe 1893 - 1904 (XLII Brief, Teil 1/2)

Von Hans Warncke alias „Hans Waffenschmied“ aus Windhoek und Hamakari

Hans Warncke, Sohn von Pastor Wilhelm Warncke, wurde am 7. Januar 1871 in Neustrelitz geboren und starb am 14. Januar 1904 auf Hamakari. Er war der Großonkel von Dagmar Zumbrunn-Warncke, die zusammen mit ihren Geschwistern und Schwager das Buch „Briefe 1893 - 1904“ zusammenstellte und durch den Kuiseb-Verlag publizierte. Auf den kommenden Seiten von WAZon Geschichte(n) werden diese Briefe veröffentlicht.

Omatako-Berg, Ende Januar 1901

Lieber Vater!

Meinen letzten Brief habe ich in den ersten Tagen dieses Monats nach Omaruru ge­sandt und mein Bote brachte dann endlich deinen Brief vom 20. September vorigen Jahres mit. Ich las ihn und freute mich, daß es euch allen gut geht. Sodann freute ich mich, daß du mit meinen Plänen einverstanden bist und vor allem danke ich dir natürlich sehr für dein Anerbieten, mir Sachen von Deutschland zu schicken, was mir sehr zustatten kommt, denn gerade jetzt habe ich es gewiß nötig. Von 40 eingehandelten Ochsen sind 10 übriggeblieben. Es ist nämlich keine richtige Rinderpest, welche jetzt hier wütet, sondern eine der Rinderpest ähnliche Krankheit (Texas-Fieber). Trotzdem hat die Gallenimpfung einigen Erfolg gehabt (25 Prozent). Auch sieht man es an den vor Rinderpest von 1897 her geimpften Ochsen, daß es eine der Rinderpest ähnliche Seuche ist, denn von denselben werden nur wenige krank. Bei der früheren Rinderpest war der kleine Magen ganz entzündet und schwarz. Dagegen jetzt ist er zwar ein wenig entzündet, aber lange nicht in dem Maße. Vor allen Dingen steckt diese Krankheit lange nicht so schnell an, als die damalige Rinderpest. Sie geht bedeutend langsamer, aber sicherer. Natürlich bei meinen Ochsen und meines Nachbarn Ochsen ging es infolge der Gallenimpfung schneller, da den Ochsen mit der Galle gewissermaßen die Krankheit eingeimpft wird. Meine Zugochsen sind bis jetzt noch gesund. Vielleicht werden noch welche krank. Ich habe noch meine halbe Fracht Handelsgut, und ich werde, wenn meine Ochsen gesund sind, nach oben fahren und handeln, das heißt Kleinvieh, Hörner, Federn etc., denn Ochsen kann man jetzt nicht kaufen oder für einen ganz geringen Preis.

Also, lieber Vater, ich schicke jetzt ein Postpaket an deine Adresse, enthaltend:

1.) eine Cordhose Nr. 8

2.) ein gelbes Drill-Jackett Nr. 6

3.) eine schwarze Weste Nr. 5 (halb Kammgarn)

4.) einen Mannschuh Nr. 9

5.) einen Frauenschuh Nr. 7

6.) ein Taschen-Muster

7.) eine Pfeife

8.) ein Briefkuvert, enthaltend:

1.) eine Probe Blaudruck

2.) eine Probe weißes Leinen

3.) eine Probe Unterrockstoff

4.) eine Probe Zeug (für Unterhosen)

5.) eine Probe für Decken (bessere Sorte)

6.) eine Probe für Unterhosen (bessere Sorte)

7.) eine Probe Hemden (mittlere Qualität)

9.) ein Kopftuch

Ich schicke dir somit die Proben und bitte dich, danach zu bestellen, sowie du schreibst, mit Hilfe von Dr. Förster. Es wird alles in allem wohl 4 - 5 000 Mark sein in Deutschland, oder 3 - 4 000. Ich habe so wenig Ahnung, was es dort kosten kann en gros. Kleinere Sendung hat keinen Zweck. Wenn ich diese Sendung dann hier habe, dann kann ich sagen, daß ich verdienen werde und zwar gut. Dann hat die ganze Handelei doch Wert. Dann kann ich auch eher einen Klaps vertragen wie jetzt mit der Pest. Und damit muß man hier im Land eben rechnen. Die Muster habe ich geschickt, erstens, damit du siehst, wie der Schnitt und die Größe der Nummer hier verlangt werden, und dann auch des Stoffes halber. Was den Schnitt der Hosen, Westen und Jacketts anbelangt, so bitte ich dich, dich genau nach den Mustern zu richten.

Nun werde ich alles anführen nebst Erläuterungen, was ich nötig habe.

(Anmerkung der Redaktion: Es folgt eine lange Aufzählung von Stückzahlen und genauen Erläuterungen der Güter, die Hans Warnke von seinem Vater besorgt haben möchte. )

So, lieber Vater, nun habe ich alles geschrieben, es wird eine ziemliche Sendung werden. Ich schrieb dir damals, ob du mir für 5000 Mark Kredit verschaffen könntest. Und du hast jetzt geantwortet, ich solle nur alles schreiben. Sollte es dir aber zu viel werden, dann lasse den Reis weg und Kaffee und Zucker und einen von den Anzügen und von den anderen Sachen nur 2/3 Teil. Mehl kann man sich von Deutschland nicht schicken lassen, da die Hereros das deutsche Feinmehl nicht mögen und weil das deutsche Grobmehl sehr schlecht ist. Die Stores beziehen Grobmehl vom Kap. Desgleichen beziehen sie den Plattentabak von Amerika. Der deutsche Plattentabak taugt nichts. Wenn du die Sachen an mich schickst, so mußt du dich dort genau erkundigen, ob du auf den zu jeder einzelnen Kiste gehörenden Frachtbrief ganz genau den Inhalt angeben mußt. Ich denke wegen des Zolls. Auch müssen alle Kisten mit Blech inwendig bekleidet sein und müssen zugelötet werden. Du mußt die Sachen an die Damara und Namaqua-Gesellschaft, Swakopmund schicken mit meiner Adresse. Die Dam. u. N. Gesellschaft ist nämlich ein Expeditions-Geschäft. Ich benachrichtige dieselbe davon und dieselbe lagert und bewahrt die Sachen unten. Die Bahn übernimmt jetzt keine Store- und Privatfrachten mehr, da sie für ihren eigenen Betrieb und Fortschritt zu tun hat! Da muß alles wieder über die Namib fahren. Doch nun will ich schließen. Ich werde bald mehr schreiben, wie es mir geht. Gruß an Mutter und die Geschwister und alle Bekannten.

In herzlicher Liebe und mit vielem Dank für deine Hilfe

Dein Sohn Hans

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