04 Januar 2019 | Geschichte

Briefe 1893 - 1904 (Teil 1/4)

Von Hans Warncke alias „Hans Waffenschmied“ aus Windhoek und Hamakari (XXII Brief, Teil 1/4)

Hans Warncke, Sohn von Pastor Wilhelm Warncke, wurde am 7. Januar 1871 in Neustrelitz geboren und starb am 14. Januar 1904 auf Hamakari. Er war der Großonkel von Dagmar Zumbrunn-Warncke, die zusammen mit ihren Geschwistern und Schwager das Buch „Briefe 1893 - 1904“ zusammenstellte und durch den Kuiseb-Verlag publizierte. Auf den kommenden Seiten von WAZon Geschichte(n) werden diese Briefe veröffentlicht.

12. April 1896

Liebe Eltern!

Ja, ich wollte doch sicher mit der vorigen Post, die über Kapstadt geht, schreiben, aber ich hatte diese Zeit gerade heftiges Fieber und als ich wieder soweit war, um nach der Post zu fragen, da hörte ich, daß sie gerade fort sei. Indes dieser Brief wird mit dem deutschen Schiff mitgehen.

Ich habe Vaters Briefe alle erhalten und sie bildeten die Lektüre jetzt, wo ich wieder in Besserung war. Es war gewiß übel, daß ihr so lange auf Briefe warten mußtet, aber so wie es mir bei meinem vorigen Zug ging, da ich mit der Karre 3 Monate unterwegs war, da hätte ich, und hätte es meinen Kopf - sozusagen - gekostet, um keinen Preis zur Feder gegriffen, denn ich war ganz aus dem Häuschen über all dem Unglück, aber ich werde es noch erzählen, und ihr werdet sehen, daß ich zu bedrängt war und zu gedrückt, um zu schreiben. Und als ich nach Windhoek kam, da war die Post auch gerade weg und ich fuhr in 3 Wochen wieder hinunter und schrieb von Haikamkap mit der nächsten Post.

Doch nun erst mal von meinen letzten Erlebnissen. Von Haikamkap aus fuhr ich gut und schnell bis Salem. Hier gönnte ich meinen Ochsen 8 Tage Ruhe und dann fuhr ich weiter. Von Salem nach Zaobis sind es 14 Stunden zu fahren. In der Mitte liegt, ungefähr eine Stunde vom Weg, eine Quelle. Hier wollte ich einen Tag bleiben. Ich fuhr morgens früh von Salem fort und abends, als es schon dunkel war, ungefähr ¼ Stunde vor Oehas (Namagua-Wasser) der besagten Quelle, fuhr ich mich im Finstern in einem kleinen tiefsandigen Rivier fest, und da sich unsere Ochsen, die wild wurden, mit dem Treckzeug verwickelten, so mußten wir ausspannen. Ich gebot den Leuten, gut auf die Ochsen aufzupassen und gegen Morgen, als der Morgenstern schon hoch war, wurde ich wach, als sie die Ochsen herbeibrachten und sich diese legten. Ich war beruhigt, schlief wieder ein und als ich morgens wach wurde, waren die Ochsen weg, 2 Leute schon hinterdrein und die Spur lief auf dem Weg entlang. Ich dachte gleich, daß sie nach Zaobis waren, denn ich wußte, daß, wenn Ochsen den Anfall bekommen, sie im Sturmlauf losgehen direkt ohne Aufenthalt bis zum nächsten bekannten Ort. Und so war es auch, wir warteten den ganzen Tag, anderen Tag und in der Nacht erst kamen sie. Da dankte ich Gott, als sie alle da waren.

Ich hatte in der Zwischenzeit mir die Zeit damit vertrieben, Jochscheite zu machen und war auch mit den 2 bei mir gebliebenen Leuten zum Wasser gewesen. Der Weg dorthin geht zwischen hohen Felsen dahin mitten in die Berge hinein. Dann in einem kleinen Rivier ist Schilf und ein grüner Rasenteppich und dort ist die Quelle, das heißt eine kleine Quelle, die langsam fließt und unterirdisch ist. Man hat etwa 1 Meter tief ein großes Loch gegraben und da sickert das Wasser zwischen den Klippen, die da kommen, hervor, doch mit einer solchen Menge wenigstens, daß man alle halbe Stunde 10 Ochsen tränken kann. Das meiste Wasser verfließt natürlich unterirdisch. Hier bei diesem Wasser waren die Paviane ganz besonders frech. Sie tanzten dicht, dicht vor uns auf den Felsen unter lautem Bellen und Kreischen umher und zeigten durchaus keine Furcht vor uns Menschen.

Also anderen Tag abends da kamen wir endlich fort, und früh am anderen Morgen waren wir in Zaobis. Hier blieb ich 2 Tage, dann fuhr ich nach Otjimbingue und nach Utrai. Aber nirgends war ein Grashalm. Auf Utrai, wo wir nachts ankamen, mußten wir die Ochsen, da sie sehr hungrig waren, ins Gras bringen. Anderen Tags abends kamen die 2 Leute wieder, aber 8 Ochsen fehlten, das Gras war 2 Stunden weg, sagten sie. Nun schickte ich alle 3 (einer war in Otjimbingue geblieben) aus zum Suchen. Ich ging mit den Ochsen früh ins Gras, die Frau des Treibers blieb beim Wagen. Abends spät kam ich wieder, ließ die Ochsen trinken und jagte sie in einen Kraal, der in der Nähe war. Spät kamen 2 Leute ohne Ochsen. Anderen Tag dasselbe, am Abend kamen alle 3 Mann, einer hatte 4 Ochsen, einer 2 Ochsen. Jetzt fehlten noch 2 Stück. Diese brachten sie am anderen Abend. Den Nachmittag darauf fuhren wir, 5 Tage hatten wir hier versäumt.

Es ging gut an Gnaipitz (wo ein Brunnen gemacht ist, wo aber wenig Wasser ist), Schneerivier, Klein-Barmen vorbei. Hier kaufte ich 5 Ochsen (ungeimpft, 3 Jahre alt) und eine Kuh, die nicht kalbte, für 32,50 im Durchschnitt pro Kopf. Da ich kein Geld hatte, ritt ich auf einem von dem Herero geliehenen Pferd nach Groß-Barmen, wo Herr Schröder, der dortige Storebesitzer, mir das Geld lieh. Die Kuh schlachteten wir, die Ochsen spannten wir ein und das kam mir sehr zu statten, denn obwohl ich noch 20 Ochsen hatte, so waren 2 schon ganz schlapp, einer sehr fußkrank, einer mit total kaputtem Schuft (da wo das Joch drückte). Nun konnte ich die, welche schon etwas müde waren, doch lose laufenlassen. Ich hatte einen schlappen jungen Ochsen übrigens schon auf Utrai auf einer Werft stehen lassen. Die Strecke von Gnaipitz bis vor Tabakstün war ohne Gras. Ihr könnt euch denken, daß da meine Ochsen schwach waren, als ich vor Tabakstün in das erste junge Gras kam. Dort hatte es geregnet. Auf Tabakstün ließ ich einen jungen Ochsen, der zu schwach war, auf einer Werft stehen. Von da fuhr ich bis Windhoek ohne Verlust. Es war am 12. März, als ich dort ankam. Hier lieh ich meine Leute erst etwa 3 Wochen aus und schickte die Ochsen nach Aris, (6 Stunden weit nach Rehoboth zu), wo sehr schöne Weide war.

Ich selber kappte Lehm, da ich nachher beginnen wollte, Lehm zu fahren. Doch als alles soweit war, ich hatte bei der Lehmgrube, etwa ¼ Stunde von Windhoek am Rehobother Weg, aus meinem Wagenplan ein Zelt aufgeschlagen und mich mit meinen Leuten häuslich niedergelassen, da bekam ich Fieber, etwa 5 Tage kämpfte ich dagegen an, es war noch kein richtiges Fieber, nur Fieberstimmung, aber großes Unwohlsein, Kopf, Rücken, Knie und Wadenschmerzen. Da begann es zu regnen, jeden Tag sehr stark. Ich schrieb an Herrn Nitsche (Nitzsche) (Mertens & Sichel), ob er Platz für mich hätte und ließ mich von meinen Leuten hineinfahren. Dann schickte ich die Leute und Ochsen wieder nach Aris, nur mein Treiber blieb hier.

Jetzt sind es 4 Wochen und ich bin wieder einigermaßen. Meine Leute beginnen Lehm zu fahren und ich bin doch soweit, um es wenigstens beaufsichtigen zu können. Ich habe jetzt doch schon wieder Appetit. Die erste Zeit über hier bei Nitsche (Nitzsche) hatte ich nur Milch getrunken, Dr. Richter kam auch und gab Chinin.

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