27 April 2018 | Gesundheit

Briefe 1893 - 1904 (III. Brief - Teil 1/4 )

Von Hans Warncke alias „Hans Waffenschmied“ aus Windhoek und Hamakari

Hans Warncke, Sohn von Pastor Wilhelm Warncke, wurde am 7. Januar 1871 in Neustrelitz geboren und starb am 14. Januar 1904 in Hamakari. Er war der Großonkel von Dagmar Zumbrunn-Warncke, die zusammen mit ihren Geschwistern und Schwager das Buch „Briefe 1893 - 1904“ zusammenstellte und durch den Kuiseb-Verlag publizierte. Auf den kommenden Seiten von WAZon Geschichte(n) werden diese Briefe veröffentlicht.

Gross-Windhoek, den 13. Mai 1894

Liebe Eltern!

Es ist heute Pfingstsonntag und recht still und feierlich hier, und ist hier auch keine Kirche, so ist doch die herrliche Gottesnatur mit ihrer stillen erhabenen Feier Kirche genug. Jetzt, wo ich hier schreibe, geht ihr wohl gerade zur Kirche; ich denke mich im Geiste dorthin, vor mir steht auch das pfingstlich geschmückte Haus, der im ersten grün prangende Garten, kurz euer ganzes Heim mit all seinen lieben Bewohnern. Hier haben wir keine Maien, aber über uns wölben sich so die grünen Zweige der Bäume. Liebe Eltern, auch kann ich sagen, daß ich hier mit fröhlichem Herzen Pfingsten feiere. Heute morgen, als ich aufwachte, habe ich mich erst zurückversetzt in die vorigen Jahre, wie ich das Fest damals erlebt und mich auf des jetzigen Tages gefreut habe. Dann habe ich die Pfingstgeschichte in meinem neuen Testament aufgeschlagen, sie gelesen und mich dabei in euer Gotteshaus versetzt gefühlt und mit rechter Andacht für alles bisherige Gute gedankt. Hernach rief Herr Wilke zum Kaffee und es gab famosen Pfingstkuchen, von ihm selber gebacken mit vielen Rosinen. Jetzt habe ich mich dabei gesetzt, um zu schreiben, denn schon übermorgen geht die Post nach der Bai ab.

Ja, jetzt bin ich doch in Windhoek und es hat sich alles gefunden. Ich bin bei zwei Herren hier in Wohnung und Beköstigung, die hier die Bauten für Groß-Windhoek übernom¬men haben. Es sind dies 2 von der alten Truppe, Maurer von Profession, die es hier durch ihre Arbeit schon zu einem ziemlichen Wohlstand gebracht haben. Sie haben zwar in Klein-Windhoek eine Heimstätte, die sie aber nicht wollen, da dort kein Wasser ist und nun wollen sie sich hier in Groß-Windhoek einen Platz suchen zum Haus kaufen, der hier von der Regierung verkauft wird. Quadratmeter à 1 Mark, ziemlich teuer, da man hier bei der Quelle ist und der Platz beschränkt ist. Fürs erste logieren sie noch in einem Zelt, das sie immer nach der jeweiligen Baustelle hin verlegen. Mir haben sie Wellblech geliehen, aus dem ich mir ein eine provisorische Bude errichtet habe. Wir arbeiten morgens, wenn die Sonne schon heraus ist (jetzt so 7 Uhr) bis 11 Uhr. Mittags dann von 3 Uhr nachmittags bis Sonnenuntergang (6 Uhr). Ich bekomme neben Beköstigung 5 Mark pro Tag fürs erste, da ich ja noch alles lernen muß, später vielleicht mehr. Wir bauen jetzt ein Haus für einen gewissen Heyn, ein Ansiedler, der mit dem Schiff voriges Jahr gekommen ist, ein Haus aus getrockneten Lehmsteinen. Auch mit Felsklippen habe ich schon gemauert, was schwieriger ist. Herr Wilke und Herr Tünschel, beides noch Junggesellen, haben auch Viehwirtschaft, circa 80 Stück Schafe und Ziegen und 70 Stück Rindvieh, aber sie haben schon viel eingebüßt durch Lungenseuche (für 2 000 Mark ungefähr), die hier sehr grassiert hat, ebenso Kleinvieh-Krankheiten, da hier das Vieh um Windhoek herum sich alles gegenseitig ansteckt. Tünschel besorgt mehr das Vieh, während Wilke kocht, wobei er aber einen Kaffern (Bergdamara) extra als Koch zur Hülfe hat. Sie haben auch einen Garten, woher sie Kohl, Sauerkraut, Zwiebeln und sonstiges Gemüse haben. Das Essen ist sehr gut, so wie ich es bisher in Afrika noch nicht gehabt habe, immer Braten und Fleisch und Gemüse. Meine Sachen sind meist noch in Swakopmund und 3 Centner in Salem, wo ich circa 14 Tage gewesen bin. Ich lasse sie, wenn hier eine Gelegenheit ist, nachkommen, doch ist die Fracht in Swakop alle und wird es wird sobald keine Gelegenheit sein. Ich hatte bisher ja doch kein Geld, um die Fracht zu bezahlen, da diese so teuer und gepumpt wird nicht.

Eure Briefe mit dem letzten Schiff von Richter, dem Abgeordneten der Gesellschaft, habe ich erhalten und sie unzählige Male gelesen. Habt ihr meinen Brief vom Februar aus Kanakondis erhalten? Damals wollte ich dort einstweilen bleiben bis in Windhoek günstigere Zustände wären. Diese günstigen Zustände sind bald gekommen, indem mir einer von der alten Truppe, der nach Deutschland zurück wollte, sagte, jetzt wäre in Windhoek Arbeit als Maurer zu bekommen, da der neue Major die Arbeit nicht mehr von den Soldaten sondern von Privatleuten machen ließe und mehrere Maurer, die bei Tünschel & Wilke bisher gewesen, jetzt auf eigene Hand mit Wagen Fuhren leisteten, so daß diese jetzt Leute beschäftigen könnten. Sonst wäre in Windhoek aber auch keine Arbeit zu bekommen, da jeder eben Kaffern als Bedienung hätte, die wohl auch Stein und Lehm karrten, aber nicht selber mauern könnten, weshalb dies die einzige Arbeit ist, die von Weißen gemacht würde. Sonst hätte mir das Leben in Windhoek viel Geld gekostet, da alles furchtbar teuer ist. Die Ansiedler sind noch alle hier auf dem Platz in Klein-Windhoek, da die Gefahr draußen noch zu groß ist und sie auch die Farm zu teuer finden. Landbau können sie doch nicht treiben, da das vorläufig noch viel mehr Kosten macht, als der Ertrag ist, wenn von Ertrag überhaupt die Rede sein kann. Entweder regnet es nicht und alles vertrocknet, sonst erfriert es mal zur Abwechslung, dann mal kommen die Heuschrecken, die alles kahlfressen, dann mal finden sich massige Raupen, welche auch alles vernichten, dann bricht mal Vieh durch den Zaun, wenn er auch noch so dicht gemacht ist und tritt alles nieder. Und die Mühe, die es macht, erstlich düngen und den Dung schleppen, dann einzäunen, dann das viele Begießen oder berieseln, wenn man überhaupt Wasser hat, wohl gemerkt! Mit dem Auffangen des Regenwassers in Bassins hat es seine großen Schwierigkeiten, da dasselbe ganz unberechenbar fließt, und die Sonne alles in kurzer Zeit wieder austrocknet. Nur ein kleiner Gemüsegarten, auf den man recht viel Mühe verwendet, verlohnt sich. Aber mit Viehzucht ist hier was zu machen und wäre eine Farm dazu auch gut, wenn sie nicht zu teuer wäre. Vorläufig treibt jeder noch sein Vieh, wohin er will, bezahlt hier niemand für Weide.

Es war gleich eine verunglückte Geschichte, daß ich nicht mehr bares Geld mithatte und weniger Sachen. Wenn auch die Sache mit von Carnap was gewesen wäre, oder sofort andere Anstellung für mich in Aussicht gewesen wäre, ich hätte doch bei dem damaligen teuren Preis meine Sachen nicht heraufschaffen lassen können, sondern für meine Person beim Wagen hätte es schon 100 Mark gekostet, ohne Verpflegung, und Lebensmittel hätte ich doch auch haben müssen, denn meine Würste und Spickbrust waren alle verschimmelt, die Erbswürste auch sehr schlecht, so daß ich nur eine ge¬gessen und sie so salzig war. Als wir, wie ich ja in dem vorigen Brief schon geschrieben habe, zu Fuß in Otjimbingue ankamen, hatte ich nichts mehr auf dem Leibe und wäre, wenn ich hätte nach Windhoek wollen, total abgerissen dort angekommen und hätte dort mein bißchen Geld bald alle gehabt, da damals, wie mir nicht einer, nein, 20 gesagt haben, keine Arbeit dort nötig war. Jetzt, nachdem ich ein Vierteljahr dort unten umhergereist war, kannte ich die Verhältnisse schon, konnte mich mit den Eingeborenen auf holländisch verständigen und wußte, wie ich eben billig nach Windhoek hinaufkommen konnte und sah endlich auch den Zeitpunkt, wo die Fracht billiger wurde (jetzt 14-16 Mark höchstens). Auch Herrn und Frau von Carnap habe ich, wie ich noch erzählen werde, bald kennengelernt und schimpfte ersterer sowohl auf Dr. Bokemeyer [er war Generalsekretär der Deutschen Kolonialgesellschaft], als auch versicherte er mir, in Windhoek bekäme ich keine Anstellung. Jetzt hat er sich von seiner Frau scheiden lassen und ist zum Schiff, das jetzt von der Bai nach Kapstadt fährt, um nach Europa zurückzugehen. Was seine Frau macht, weiß ich nicht. Ihr kleines Kind haben sie in Otjimbingue bei einem Kaufmann Dannert gelassen, der es aus Erbarmen behält. Auch wird über sie viel Schlechtes gesprochen. Das Geld, was sie gehabt haben, ist alles alle. Die vornehmen Herren hier sind alle solche Lumpen. Ein Leutnant Stoss [außer Dienst, traf mit Frau am 15. Juli 1892 in Walfischbai ein, wurde von der Gesellschaft unterstützt, bekam am 25. August in Klein-Windhoek eine Heimstätte zugewiesen] hat jetzt Konkurs angesagt. Er hat bei Mertens & Sichel 8 000 Mark Schulden, die Handwerker alle verlieren ihr Geld bei ihm. Er hat auch furchtbar gesoffen, seine Frau säuft auch, kein Trinken ist es gar nicht mehr. Und noch mehr adlige Herren hier, die nichts tun als trinken, alle von der Kolonialgesellschaft herausgesandt.

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