10 Januar 2020 | Geschichte

Briefe 1893 - 1904 (56. Brief, Teil 2/2)

Von Hans Warncke alias „Hans Waffenschmied“ aus Windhoek und Hamakari

Hans Warncke, Sohn von Pastor Wilhelm Warncke, wurde am 7. Januar 1871 in Neustrelitz geboren und starb am 14. Januar 1904 auf Hamakari. Er war der Großonkel von Dagmar Zumbrunn-Warncke, die zusammen mit ihren Geschwistern und Schwager das Buch „Briefe 1893 - 1904“ zusammenstellte und durch den Kuiseb-Verlag publizierte. Auf den kommenden Seiten von WAZon Geschichte(n) werden diese Briefe veröffentlicht.

Hamakari, den 9. September 1902

Na, Leutwein ist ja nun weg. Aber wer weiß, wer wieder kommt. Wie bloß England die Kolonie in die Hand kriegte. Mir sagte jetzt auf Waterberg ein Kaufmann, der den wichtigsten Posten bei einer hiesigen Handelsgesellschaft bekleidet: „Man kann von Deutschland aus noch so streng konservativ sein, aber hier im Land wird man nach einiger Zeit so rot, (nämlich Sozialdemokrat), daß man selber nicht weiß, wie.” Die hiesige Regierung züchtet nämlich nur Soldaten, Offiziere, Beamten und Sozialdemokraten.

Wenn ich jetzt nach Karibib komme, muß ich auch die 2. Sendung von dir holen. Dieselbe liegt dort. Ich habe soeben wieder Klippen mit Meissel und Hammer zu Frontklippen zurechtgestutzt. Die Klippen von Waterberg sind runde Eisenklippen. Die Arbeit ist einem doch recht ungewohnt, wenn man jahrelang nicht mehr gearbeitet hat. Besonders die Hände müssen erst wieder hart werden. Aber sie [die Arbeit] ist doch ein rechter Segen, das merkt man, wenn man so recht müde ist abends.

Ich habe jetzt den Kauf des Platzes schriftlich abgemacht mit den Kaffern. Ich will auch nächstens bei der Regierung um Genehmigung einkommen, wenngleich ich kaum glaube, daß sie es genehmigen wird. Ich weiß nicht, ob ich das Haus noch vor der Regenzeit fertig kriegen werde. Das Schlechte hier ist nur das mit den Termiten. Deshalb will ich eiserne Fenster einsetzen und die Dachbalken mit Blech umkleiden. Dann wird’s gehen.

Die Bahn ist ja jetzt nach Windhoek fertig. In Karibib wird dann auch der Verkehr stocken, da keine Frachtfahrer mehr da sind. Viele Leute sind nach Kap gegangen, aber viele sind auch hier, die wohl möchten, aber nicht das Geld zur Reise haben.

Ich weiß nicht, ob du den Windhoeker Anzeiger mal liest. Wasserfall ist ein großer Trauerkloß. Da hat auch Pfarrer Anz aus Windhoek einen Artikel geschrieben, in dem der Mann eine ungeheuerliche Behauptung aufstellt. Er sagt nämlich, hier im Schutzgebiet werde kein Deutsch gesprochen, sondern eine Mischsprache von Deutsch, Holländisch, Englisch, Herero und Namaqua. So ein Blödsinn! Alles, was zuweilen bei den hiesigen Ansiedlern vorkommt, ist mal ein holländischer Ausdruck. Das ist aber auch alles. Sonst wird hier im Gegensatz zu den vielen Dialekten (in Deutschland) ein sehr reines Deutsch gesprochen. Und jedenfalls kommt bei den hiesigen Ansiedlern ein holländischer Ausdruck seltener vor, als in Deutschland ein französisches oder lateinisches Wort. Es gibt allerdings sicher einige Deutsche hier, die mit den Bastards auf deren Gebiet oder an deren Grenze leben, welche ein stark mit holländisch vermischtes Deutsch sprechen. Von diesen Leuten kann bewußter Pfarrer Anz aber nicht auf die Allgemeinheit schließen.

Was sagst du zu dem Friedensschluß unten in Südafrika? Die Buren haben ganz richtig getan daran, denn dieser Guerillakrieg war aussichtslos. Aber früher oder später wird jedenfalls wieder eine Umwälzung der Dinge kommen.

Hier im Lande hat man keine günstige Meinung von den Buren, weil man von den hier Eingewanderten auf die Buren im Allgemeinen schließt. Die hiesigen sind allerdings ein Lumpenpack sondergleichen. Aber es sind eben die schlechten Elemente, die unten rausgeschmissen sind und die irgendwas dort verübt haben.

Sowie ich mal Vieh eine Zeitlang stehen lasse, so habe ich ganz gemeines Pech. Jetzt ist wieder ein schöner, junger Ochse blind, (Augenkrankheit) sodaß ich ihn schlachten muß. Ein anderer ist an Nierenkrankheit tot. Mit Kleinvieh besonders ist es doll. Kaum daß ich diese 1 Monat oder 2 stehen lasse, ist Brandseuche darin oder etwas anderes.

Ich will diesen Brief morgen nach Waterberg schicken, da die Post bald geht. Auf Waterberg hat der Store wieder einen Leoparden in der Falle gefangen, einen Pavian auch. Ich habe jetzt eine Reisebeschreibung gelesen aus Südwest aus den 80er Jahren von einem gewissen Farimi, ein Amerikaner. Wenn du das Buch mal in die Hände bekommen solltest, es steckt voller Lügen und Widersprüchen. Der Verfasser muß ein großer Lump gewesen sein. Es ist insofern lesenswert, als man jedes Wort als Unwahrheit und Quatsch bezeichnen kann.

Vom Fieber bin ich dies Jahr verschont geblieben. Ich habe seit einigen Tagen aber Schmerzen hinten im Halse, wenn ich den Kopf drehe, besonders. Das kann aber auch Erkältung sein. In Okahandja sind vor ein paar Monaten verschiedene Weiße an Typhus gestorben. Mit den Medizinern ist es immer noch die alte Sache. Es sind jetzt auf den Hauptplätzen aber doch wenigstens Ärzte.

Die Schakale und Hyänen haben überhandgenommen. Obwohl ich 2 gute Hunde habe, welche jeden Tag Schakale fangen, haben diese mir in der letzten Zeit 4 Hühner gefressen. Und die Hyänen den Hereros ein Kalb. Jetzt habe ich meine große Eisenfalle für die Wölfe [Hyänen] aufgestellt. Abends nach der Arbeit gehe ich gewöhnlich noch mit der Schrotflinte auf Perlhühner-Jagd. Erst habe ich immer 2 und 3 mit einem Schuss getroffen. Indessen jetzt sind sie so wild, daß ich mich freue, wenn ich mit einer Patrone 1 Stück bekomme.

Allein jetzt will ich schließen. Wie ich aus deinem eben empfangenen Brief ersehe, lieber Vater, befindet sich Mutter und die Geschwister alle in guter Gesundheit. Grüßt alle von mir. Schreibt mir nächstes Mal doch, wie es Onkel (Präfke) geht, wie es dem alten Fischer geht (ist er tot?), Herr und Frau Stier? Von meinen Freunden schriebt ihr neulich. Wenn ihr Wilhelm Warncke, Emil Kittelmann, Reinhard Förster, Willi Harms und andere Schulfreunde von mir seht, grüßt sie alle.

Hiermit schließe ich und verbleibe in herzlicher Liebe

Euer Sohn Hans

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